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Eishockey

Sportdirektor Alpo Suhonen: "Ich habe es satt, gegen Slowenien zu verlieren"

Von Alexander Zambarloukos aus Katowice   29. April 2016

Eishockey WM Katowice Kattowitz Spodek Arena Team Austria ÖEHV

KATOWICE. Österreichs Eishockey-Nationalteam kämpft am Freitag ab 16.30 Uhr in der Spodek-Arena zu Katowice um den sofortigen Wiederaufstieg in die A-Weltmeisterschaft. Die OÖNachrichten baten Sportdirektor Alpo Suhonen zum Interview.

Alpo Suhonen, 67-jähriger Finne, ist seit 2012 Sportdirektor des Österreichischen Eishockeyverbandes und ohne Frage ein Experte in Sachen "Puckjagd". 1995 und 1996 hatte der Mann aus Valkeakoski die Kloten Flyers zur Schweizer Meisterschaft geführt, im Jahr 2000 wurde er erster europäischer NHL-Cheftrainer - bei den Chicago Blackhawks. Heute hofft Suhonen auf ein Happy-End aus rot-weiß-roter Sicht bei der B-Weltmeisterschaft in Katowice. Die OÖNachrichten trafen den verlängerten Arm von Teamchef Dan Ratushny in Polen.

 

OÖNachrichten: Gemäß Papierform kommt es bei der B-WM in Katowice zum Showdown gegen Slowenien im Kampf um den Aufstieg.

Alpo Suhonen: Es ist sehr schwierig, wieder aufzusteigen. Du darfst maximal ein Spiel verlieren, das ist leider schon gegen Polen passiert. Es ist sehr eng in diesem Turnier, alle Gegner sind hier ernst zu nehmen. Es geht sehr schnell, ein Match jagt das nächste.

 

Österreich hat eine miserable Bilanz gegen Slowenien, seit dem 0:4 bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gab es nur einen einzigen Sieg.

Das stimmt, aber ich würde trotzdem nicht von einem Trauma reden. Es ist nur so, dass ich es satt habe, gegen Slowenien zu verlieren. Dieser Gegner hat nicht viele Spieler, aber die, die da sind, sind gut. Die besten Akteure spielen in einem Klub, dazu kommen ein paar starke Legionäre.  Die Slowenen haben ein zentralisiertes System, sie sind über Jahre eingespielt und brauchen deshalb nicht so lange, um sich zu finden.

 

Unter Umständen könnte auch ein zweiter Rang für den Wiederaufstieg reichen. Das wird man aber erst in ein paar Wochen erfahren.

Darauf dürfen wir uns nicht verlassen. Wir wissen nicht, was bei der A-WM in Moskau und St. Petersburg passieren wird.

 

Diese Ungewissheit ist nicht gerade glücklich. 2017 findet die A-WM in Köln und Paris statt. Frankreich und Deutschland können damit heuer nicht absteigen. Ungarn braucht in der gemeinsamen Gruppe einen sechsten Platz, um oben zu bleiben. Das sieht alles ziemlich merkwürdig aus.

Ja, in diesem Fall muss man den internationalen Gremien vorwerfen, dass die Situation mit den Auf- und Abstiegsszenarien nicht fertig gedacht ist. Das ist nicht gut. So eine Geschichte wird wieder passieren.

 

Sollte man Weltmeisterschaften generell nur an ein Land vergeben?

Das würde ich nicht sagen, sonst hätten wir ja keine Chance mehr, als Veranstalter aufzutreten. Würden wir es mit Bratislava machen, wäre eine WM durchaus ein Thema. Es liegt ja nur eine Stunde zwischen Wien und Bratislava. Aber das ist nur eine Idee von mir, ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen.

 

Österreich hat eine starke A-WM 2015 in Prag gespielt. Unter dem Strich stand trotzdem der Abstieg, weil Lettland und Frankreich genau jenes Resultat fabrizierten, das für Österreich den Worst Case heraufbeschwor. Frankreich hat damals nach Penaltyschießen gewonnen.

Es ist besser, dass ich nichts sage über den Ausgang dieses Spiels. Vergessen wir das, das ist Geschichte.

 

Wie sehen Sie die Zukunft des österreichischen Eishockey?

In unserer Liga sind viele Legionäre. Aber jetzt ist es schon so, dass viele Funktionäre umdenken. Das ist aber nur ein Teil. Die Österreicher, die hier bei diesem Turnier in Polen im Einsatz sind, spielen bei ihren Klubs nicht die wichtigen Rollen. Also in den Special Teams. Sie haben wenig Erfahrung in Über- und Unterzahl. Es wäre wichtig, wenn sie mehr Verantwortung übernehmen könnten. Das bringt auch die Nationalmannschaft voran.

 

Lukas Haudum gilt als Toptalent mit NHL-Perspektive. Er ist erst 18 - und damit die Zukunft des österreichischen Eishockey.

Ja, er und Ali Wukovits sind diejenigen, die Perspektive haben. Aber es gibt noch mehr, aus der U20. Da kommt jetzt was nach. Die nächste Generation der 16- und 17-Jährigen ist gut, wir müssen schauen, dass Österreich bereit ist, diesen Spielern die Türen zu öffnen und keine zu verlieren.

 

Haudum hat Österreich mit 16 verlassen und ist nach Schweden gegangen.

Natürlich ist in Skandinavien das Niveau in der Liga und im Training höher. Da kann man einiges mitnehmen. Lernen ist vielleicht das falsche Wort. Taktisch bekommst du auch in Österreich viel mit, in Schweden, Finnland, natürlich auch in Übersee ist Eishockey aber eine Ganzjahresaufgabe. Es ist mehr, als nur zu trainieren. Hier in Österreich sagst du etwa, dass das Sommertraining genug ist. Dort machen sie aber viel mehr off ice. Das ist ein Fulltimejob.

 

Was passiert, wenn es mit dem Aufstieg des Nationalteams klappt?

Dann gehe ich davon aus, dass wir auch oben bleiben und nicht gleich wieder absteigen. Es ist etwas am Entstehen. Wir haben das Team sukzessive verjüngt, das wird sich bezahlt machen.

 

 

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