Lade Inhalte...

Black Wings

Sportliche Analyse: Waren die Black Wings wirklich so schlecht?

Von Markus Prinz und Alexander Zambarloukos   17. April 2020 22:37 Uhr

Black Wings gewannen auch Spiel 3 beim KAC

LINZ. Der vermeintliche sportliche Misserfolg ist das spaltende Thema bei den Black Wings. Wir werfen einen Blick auf die Zahlen - waren die jüngsten drei Saisonen wirklich so schlecht?

Black-Wings-Präsident Peter Freunschlag kritisierte im Sky-Podcast die sportlichen Leistungen der vergangenen drei Jahre und begründete damit seine wachsende Unzufriedenheit mit dem entlassenen Manager Christian Perthaler, der seit heute gemeinsam mit Wirtschaftsanwalt Peter Vogl an der Spitze der Opposition, des neu gegründeten Eishockey-Vereins Linz, steht.

Freunschlags Vorwurf in einem OÖN-Interview (vor ein paar Wochen): "Die Mannschaft wurde immer teurer, aber auch schlechter." Wir werfen einen Blick auf Zahlen, Fakten und Leistungen der Spielzeiten 2017/18, 2018/19 und 2019/20. 

Die Black Wings ziehen ins EBEL-Halbfinale ein

2017/18: Das bittere Ende im Halbfinale

Nach der im Frühjahr 2017 nachvollziehbaren Trennung vom ehemaligen Meistertrainer Rob Daum (die Mannschaft war nicht mehr intakt, es hatten sich Gruppen gebildet, Führungskräfte waren überspielt) bekam mit Troy Ward, der gute Referenzen vor allem in der Nachwuchsarbeit mitbrachte, ein neuer Coach das Vertrauen des Vereins geschenkt.

Die Kaderplanung war zum Zeitpunkt der Trainerwahl schon mehr oder weniger abgeschlossen. Der "Eishockey-Besessene" Ward - retrospektiv der wohl größte Transferfehler von Perthaler - profitierte von einem eingespielten Team und nahm marginale Änderungen im Spielsystem vor. 33 Siege standen nach Grunddurchgang und Pick Round 21 Niederlagen gegenüber, man beendete die Pick Round auf Platz drei und wählte sich für das Playoff-Viertelfinale Zagreb als Kontrahenten aus.

Die Kroaten gingen rasch mit 2:0 in der Best-of-7-Serie in Führung (4:3 n.V. in Linz und 6:2 in Zagreb), Linz konterte aber mit vier Siegen am Stück (8:2 in Linz, 8:4 in Linz, 4:3 n.V. in Zagreb und 5:4 in Zagreb) und stieg ins Halbfinale auf.

Im Halbfinale trafen die Linzer auf Salzburg. Auch diese Serie endete in sechs spannenden Spielen - letztendlich zugunsten der Red Bulls. Wobei die Black Wings zweimal nahe dran an einem wichtigen Auswärtssieg in der Mozartstadt waren (2:3 in Spiel 1, 3:4 n.V. in Spiel 3). Tendenziell waren die Leistungen in der Serie gegen Salzburg vor allem im Playoff aber "das Beste, was Eishockey-Österreich zu bieten hat", analysierte ein Servus-TV-Experte nach der Saison treffend.

Viel hat nicht zu einem Finaleinzug gefehlt. Es war wohl die bis heute beste Spielzeit seit der Meistersaison (2011/12).

Fazit: Diese Saison als schlechter als die Vorsaison (Viertelfinal-Aus gegen Bozen in fünf Spielen, davor 33 Siege und 21 Niederlagen im Grunddurchgang) zu bezeichnen wäre falsch. 

reuters
Dominik Grafenthin (99ers) und Corey Lockey (Black Wings)

2018/19: Der nicht gelungene Umbruch

Wenn man so will, könnte man diese Saison am ehesten als Seuchensaison bezeichnen. Die Black Wings gewannen in den ersten zwölf Runden nur viermal, allerdings konsolidierten sich die Oberösterreicher Ende Oktober bis Mitte Dezember mit elf Siegen in 14 Spielen in der Tabelle. Auf vier weitere Niederlagen folgten drei Auswärtssiege in Folge, dann aber drei Heimniederlagen. Anfang Jänner 2019 erfolgte die Trennung von Ward, der sich zu sehr in Details verstrickt hatte und damit Dinge verkomplizierte, die ohnehin komplex genug waren. Für Experten kam der Szene kam diese Entlassung zu spät.

Der US-Amerikaner hatte vor der Saison in Personalunion mit Perthaler den Kader quasi auf den Kopf gestellt. Der erste große Umbruch wurde vollzogen: 14 Spieler gingen, darunter die "Legenden" Robert und Philipp Lukas. Robert wurde als Nachwuchschef installiert (eine sehr weise Entscheidung), Philipp wurde Off-Ice-Trainer - auf Nachdruck von Perthaler und auch dank der Unterstützung von Konrad Linner, der mit "solvistas" schon viel Geld in den EHC-Nachwuchs gesteckt hat.

Langjährige Stützen (vor allem Imports) wurden vor die Tür gesetzt, die Ära von Sebastien Piche, Marc-Andre Dorion, Patrick Spannring und Kevin Moderer endete. Flügelstürmer Fabio Hofer konnte nicht gehalten werden und übersiedelte in die Schweiz (Ambri-Piotta), ein nachvollziehbares Upgrade. Der mit diesem Abgang verbundene Geschwindigkeitsverlust konnte lange nicht kompensiert werden, zuletzt entpuppte sich diesbezüglich Hunter Fejes als Glücksgriff.  Joel Broda, den etliche Fans gerne länger in Linz gesehen hätten, stand bei Ward nicht mehr hoch im Kurs.

Die interne Transferaufteilung 2018/19 verlief so: Perthaler suchte die Österreicher (David Kickert, Marco Brucker, Daniel Woger, Valentin Leiler, Moritz Matzka) aus, Ward war überwiegend für die Legionäre zuständig. Ein gern gesehener "Fischteich" war die heimische EBEL. Jene Imports, die anderswo funktionierten, hätten auch in Linz einschlagen sollen: Kevin Kapstad (vom KAC), Aaron Brocklehurst (von den Vienna Capitals) und Jordan Hickmott (vom Villacher SV), der die Erwartungen leider nicht erfüllen konnte.

Aus dem Ausland kamen Troy Rutkowski, Dragan Umicevic (der erst in der vergangenen Saison zum Faktor wurde) und Bracken Kearns, die späte Center-Notlösung für den gebürtigen Linzer Lukas Haudum, der bereits unterschrieben hatte, dann aber von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machte und sich doch noch für ein weiteres Jahr in Schweden entschied.

Der Versuch, Haudum 2019 nach Linz zu lotsen, ging in die Hose. Der "Lokalmatador" entschied sich für den KAC, dessen finanzielles Volumen größer ist. Wobei man betonen muss: Haudums Forderungen waren keineswegs unverschämt. 

Schaut man sich generell die Budgets in der Liga an, so stehen Red Bull Salzburg und die Klagenfurter über allen anderen Klubs. Dahinter folgen - so munkelt man in der Szene - in etwa gleichauf die Vienna Capitals und die Black Wings, die in der vergangenen Saison rund 4,5 Millionen zur Verfügung hatten.

An ein paar tausend Euro scheiterte der Verbleib von Verteidiger Erik Kirchschläger in Linz, das hat weder Perthaler noch Ward zu verantworten. Kirchschläger wechselte nach Graz.

Je größer der Druck in dieser Saison wurde, desto mehr gab der Trainer selbigen an seine Spieler direkt weiter. Ward war rückblickend gesehen ein akribischer Arbeiter als Trainer und ein Taktikfuchs, dessen Spielsystem aber aus physischen Gründen von der Mannschaft nicht umgesetzt werden konnte. Folgerichtig ernteten die Black Wings sehr viel (berechtigte) Kritik.

Vor allem, als das Team selbst unter Ward-Nachfolger Tom Rowe den Sprung in die Pick-Round erstmals verpasste und über die Qualification Round um das Playoff kämpfen musste. Auch diese Phase der Meisterschaft war keine besonders rühmliche, die gezeigten Leistungen im Viertelfinale gegen die Graz 99ers entschädigten aber einigermaßen für viel Enttäuschendes.

Nach einem deutlichen 3:7 im ersten Spiel entwickelte sich eine ganz enge Serie, in der den (von vielen Verletzungen gebeutelten) Black Wings sogar ein Auswärtssieg im Grazer Bunker gelang, man letztlich aber durch eine 2:3-Niederlage nach Verlängerung vor eigenem Publikum in Spiel 6 den Aufstieg ins Halbfinale verpasste.

Fazit: Die Saison 2018/19 wurde mit 25 Siegen und 27 Niederlagen im Grunddurchgang abgeschlossen. Zum dritten Mal in der Bundesliga-Geschichte bilanzierten die Linzer damit negativ, nur in den Spielzeiten 2004/05 und 2010/11 gab es noch mehr Niederlagen. 

Black Wings gewannen auch Spiel 3 beim KAC

2019/20: Aufwärtstrend deutlich erkennbar

Wieder stand ein Umbruch bevor. Zehn gingen, 13 kamen (inklusive jener, die während der Saison zum Verein stießen: Hunter Fejes, Jeff Glass, Steve Oleksy), Diesmal überließen Perthaler und Freunschlag die Hand über die Import-Spieler aber nicht nur dem Trainer.

Bei der Kaderzusammenstellung oder zumindest in der Frage, welche Spieler in Linz gehalten werden sollen, sollen auch die Co-Trainer Mark Szücs, Jürgen Penker und Philipp Lukas ein Wörtchen mitzureden gehabt haben. Zumindest war das der Plan und der Wunsch von Freunschlag, das Scouting auf breitere Beine zu stellen, um "Fehlgriffe zu reduzieren".

Die Letztverhandlungen mit den Spielern (bzw. deren Agenten) führte seit gut einem Jahr Freunschlag persönlich, wegen des angespannten Verhältnisses zu Perthaler war Letzterer in Sachen Kaderplanung 2020/21 zuletzt gar nicht mehr in sportliche Agenden involviert. Trotzdem wurde der eine oder andere Vertrag (man spricht von Stefan Gaffal und Dragan Umicevic) mittlerweile verlängert.

Freunschlag orientierte sich dabei bis zum Engagement von Gregor Baumgartner an einer vorhandenen Spielerliste. Mit dem sich selbst auferlegten Anspruch, nicht mehr so viel Geld für ausländische Spieler ausgeben zu wollen. Bis dato haben die Black Wings noch keine Vertragsverlängerung publik gemacht. 

Wie auch immer: Im Sommer 2019 wurde der Kader verjüngt, die Physis wurde im Vergleich zur Vorsaison deutlich verbessert. Auch der Spielstil war deutlich attraktiver als in der Vorsaison und die taktische Flexibilität größer. Bei Spielen der Black Wings waren in der Regel viele Tore Programm - nicht nur vorne, sondern auch hinten. Das Defensivverhalten der Mannschaft ließ zwischenzeitlich zu wünschen übrig. Da war zwar viel Größe, Wucht und Körper, in Sachen Präzision und Konsequenz war der EHC phasenweise eine "launische Diva".

Das zu Saisonbeginn drittjüngste Team der Liga fuhr zunächst  trotz sechs Auswärtsspielen in den ersten acht Runden vier Erfolge ein - unter anderem in Salzburg und Klagenfurt.

Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember gelangen zwölf Siege aus 16 Spielen, obwohl die Mannschaft teilweise mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte. Am 20. Dezember 2019 hatte man in Graz die Chance, im Fernduell mit Salzburg die Tabellenführung zu übernehmen. Der Kader war erstmals wieder komplett, ein Erfolg blieb nach furiosem ersten Drittel und 2:0-Führung aber aus.

Seit Mitte Dezember, über die heiße Weihnachtszeit bis Ende Jänner gelangen den Oberösterreichern nur vier Siege aus 14 Spielen, der abermalige Gang in die Qualification Round (Rang sieben) war die Folge. Dort nahmen die Linzer Anlauf für die Playoffs, in denen sie punktgenau zur Stelle waren. Auch mit dem Glück des Tüchtigen. Das kann man mit harter Arbeit und funktionierendem Mannschaftsgeist erzwingen. Coach Rowe sprach von der "besten Kabine", die er je hatte. Der Erfahrungsschatz des 63-jährigen Ex-NHL-Managers und -Trainers ist jetzt nicht der kleinste.

Der amtierende Meister Klagenfurt wurde in drei Spielen dreimal besiegt und stand am Rande eines Viertelfinal-Ausscheidens. Dann - wenigen Stunden vor dem Anpfiff zu Spiel 4 - wurde die Meisterschaft aufgrund der Corona-Pandemie für beendet erklärt.

Fazit: Die Black Wings haben heuer 26 Spiele gewonnen (bei 24 Niederlagen) und waren auf dem besten Weg ins Halbfinale. Keine andere österreichische Mannschaft stand zum Zeitpunkt des Abbruchs in einer besseren Position. Auch in diesem Fall kann man eigentlich nicht von einer so schlechten Saison sprechen.

Vorwurf der Abhängigkeit von einem Spielervermittler

Black-Wings-Präsident Freunschlag warf Perthaler im Sky-Podcast nicht nur vor, dass trotz deutlich gestiegenem Spielerbudget die sportlichen Erfolge ausgeblieben seien, sondern auch, dass er den Verein in die Abhängigkeit eines Spielervermittlers gebracht habe.

Das Gros des Kaders 2019/20 kommt von "Unlimited Sports Management" (USM), der Agentur von Patrick Pilloni (zuständig für Imports) und Peter Kasper (zuständig für einheimische Spieler). Dann gibt es noch "TCT-Sports" (Tommy Cijan/Martin Krainz) und auch Ex-Torhüter und Sky-Experte Bernd Brückler.

Dazu kommen noch ein paar überwiegend ausländische in Österreich agierende Vermittler, David Kickert und Rick Schofield gehören zu deren Klientel.

Die Dominatoren auf dem heimischen Markt sind aber USM und TCT. Perthaler selbst pflegt ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis zu Pilloni: "Es ist aus meiner Sicht nichts Verwerfliches, wenn man auf einem Markt, der nicht unendlich viele Optionen hergibt, mit jemandem zusammenarbeitet, dem man vertraut", sagte Perthaler zu den OÖN, nachdem er vor einem Jahr deswegen schon einmal in die mediale Schusslinie geraten war.

Die Zusammenarbeit zwischen Freunschlag und Perthaler hatte keine Aussicht auf konstruktive Fortsetzung. Ersterer kämpft jetzt wie ein Löwe um die Black Wings, Perthaler hatte am Freitag seinen ersten Arbeitstag als Manager des neu gegründeten Eishockey-Vereins Linz.

Interessieren Sie sich für dieses Thema?

Mit einem Klick auf das “Merken”-Symbol fügen Sie ein Thema zu Ihrer Merkliste hinzu. Klicken Sie auf den Begriff, um alle Artikel zu einem Thema zu sehen.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr zum Thema

mehr aus Black Wings

53  Kommentare expand_more 53  Kommentare expand_less