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Black Wings

Keine Sorge, die Black Wings sind zu retten

Von Alexander Zambarloukos  25. März 2020 14:38 Uhr

Auf die treuen Fans der Black Wings ist seit Jahren Verlass.

Ein ausufernder Kommentar zur Krise des Linzer Eishockey-Topklubs: Warum Präsident Peter Freunschlag bei allem Respekt ein „Auslaufmodell“ ist und Plan B mit dem Team Egger, Zauner, Matausch, Perthaler die bessere Variante wäre

„Ich bin gegen die von den OÖNachrichten unterstützte Hetze gegen Peter Freunschlag. #bringbackhockey“, schreibt der langjährige Hallensprecher des EHC Liwest Black Wings Linz auf Facebook. Gerold Rachlinger, der sich in der Saison 2018/19 mit Eishockey-Manager Christian Perthaler überworfen hat, soll an dieser Stelle durchaus Gehör finden. Den Vorwurf einseitiger Berichterstattung wollen wir freilich so nicht auf uns sitzen lassen.

Der ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Klubchef und Bauunternehmer Freunschlag (“Technisches Büro Freunschlag“), der bei der jüngsten Vorstandssitzung in seiner Doppelfunktion als Präsident und Kassier die drei „Vizes“ Karl Egger, Peter Zauner und Peter Matausch in der „Causa Perthaler“ (dabei ging es um die von Freunschlag forcierte Beschneidung dessen Kompetenzen im sportlichen Bereich) überstimmt hat, bekommt von den OÖN sehr wohl die Möglichkeit, seine Position zu erklären. Zum Beispiel am Montag nach einem mehr als 40-minütigen Gespräch. Auch seine Briefe und Presseaussendungen via Black-Wings-Homepage wurden und werden von uns nicht negiert, sondern auf nachrichten.at in voller Länge veröffentlicht.

Natürlich hat Freunschlag zu Beginn des Interviews die Schärfe der Berichterstattung kritisiert, das ist sein gutes Recht, wir leben ja in einer Demokratie, in der Meinungsäußerungsfreiheit niemals beschnitten werden darf. Das Gespräch verlief (wie viele in der Vergangenheit auch) sachlich, man hatte den Eindruck, dass Freunschlag mit offenen Karten spielte. In so einem Streit unter Vorstandsmitgliedern steht dann aber oft Aussage gegen Aussage, mittlerweile sind hinter den Kulissen Anwälte involviert, die Statuten und Rechtslage prüfen.

Nein, es macht keinen Spaß

Unsere Aufgabe ist es, Wortspenden zu publizieren und auch richtig einzuordnen (was zugegeben nicht immer leicht fällt). Die OÖN hatten mit Freunschlag immer ein korrektes Verhältnis, vereinsinterne Unstimmigkeiten waren uns schon vor der Eskalation bekannt. Es lag uns aber fern, während der Saison Unruhe in den Klub zu bringen. Das hätte der Mannschaft geschadet, die vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und nach zwischenzeitlichem Formtief auf einem blendenden Weg war. Ich erinnere an die 3:0-Führung gegen Meister KAC in der Play-off-Viertelfinalserie. Wenn du das letzte Match einer Saison, das war das 3:2 in Klagenfurt am 8. März, gewinnst, bist du normalerweise Champion. Aber in diesem Jahr ticken die Uhren anders, die Welt befindet sich im Krisenmodus.

Braucht es da noch eine zusätzliche Baustelle, die sich aktuell bei den Black Wings auftut? Überhaupt nicht. Glauben Sie mir, es macht keinen Spaß, sich mit vereinsinternen Querelen auseinanderzusetzen oder Menschen weh zu tun. Wir würden auch lieber über begeisternde Eishockeyspiele mit tausenden Fans berichten, aber das funktioniert jetzt nicht. Aus Gründen. Leider.

Es geht uns um die Black Wings

Warum die OÖN ziemlich offensiv berichten, hat einen einzigen Grund: Es geht uns um die Black Wings, die hinter dem Fußball-Bundesliga-Spitzenreiter und Europa-League-Fighter LASK das zweite große Zugpferd im Land Oberösterreich sind. Das hätten wir auch so formuliert, wenn wir nicht Medienpartner des Vereins wären. Die Linz-AG-EisArena ist das „Wohnzimmer“ für bis zu 4865 Fans, die auch in Zukunft mit Eishockey-Spitzensport bestens unterhalten werden sollen.

Um das zu ermöglichen, laufen aktuell die Drähte heiß. Es gibt Rettungsszenarien, die uns durchwegs positiv stimmen, dass das wieder was wird mit starken Black Wings. All das zweifellos unter dem Damoklesschwert der Corona-Epidemie und deren Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmer. Aber das ist kein spezifisches Problem des EHC, das betrifft alle. Vielleicht wird es so sein, dass die Budgets heruntergefahren werden müssen, was aber nichts daran ändern wird, ehrlichen, leidenschaftlichen und immer noch hochwertigen Sport zu liefern.

Der Gegenwind wird eisiger

Die Black Wings werden sich verändern. Das kann mit Peter Freunschlag sein, aber auch ohne ihn. Vielleicht sind seine Worte (“Weil ich hafte, muss ich das Letztwort haben“) auch als Hilferuf zu verstehen. Frei nach dem Motto: „Ich fühle mich allein gelassen, ich kann das Paket nicht stemmen.“ Seine Verdienste um den Verein sind unbestritten. Seit 2005 (nach dem Konkurs) ist er an Bord, seit 2008 als Präsident an der Spitze (mit dem Titel 2011/12 als Höhepunkt). Er hat viel Geld in den Verein gesteckt, man munkelt von in Summe 1,5 Millionen Euro. Aber der größte Geldgeber während dieser Ära ist er bei allem Respekt bei Weitem nicht.

Schon länger gibt es Abnützungserscheinungen und Diskussionsstoff, der Gegenwind wird eisiger. Was auf keinen Fall Beschimpfungen in sozialen Netzwerken rechtfertigt. Untergriffige Wortspenden setzen Freunschlag am meisten zu.

Dennoch - und da sind wir wieder beim Recht auf Meinungsäußerung - steht es Sponsoren und (ehemaligen) Mitarbeitern zu, ihren Unmut zu äußern. Wenn es sein muss, auch über Medien. Josef Stockinger, Generaldirektor des Premium-Sponsors „Oberösterreichische Versicherung“, hat ziemlich deutliche Worte zu Freunschlags Alleingang gefunden, „Jacky“ Wedam, der mit seinem Gastro-Team sechs Jahre für die Verpflegung im VIP-Bereich des Klubs verantwortlich zeichnete, zog einen Schlussstrich. „Wegen des Präsidenten“, sagt er. Dass damit der Eindruck einer einseitigen Berichterstattung entsteht, ist nur menschlich und alles andere als erheiternd für Freunschlag. Wer wäre nicht gekränkt, wenn er so etwas über sich lesen müsste?

Papier ist geduldig

Aber es geht in erster Linie nicht um die Person Freunschlag, sondern um das Black-Wings-Schiff, das wieder in ruhigere Gewässer geführt werden soll. Freunschlags Plan, den Verein zu öffnen und zu demokratisieren, wie er schreibt, mag sich ganz nett lesen, Papier ist jedoch geduldig. Daraus geht nicht hervor, wie er die erhoffte Entlastung (in finanziellen Angelegenheiten) bekommen kann. Es ist durchaus okay, ehemalige Black-Wings-Spieler mit Positionen auszustatten. Aber die Namen, die da durch den Raum geistern - Gregor Baumgartner, Markus Peintner, dazu die ohnehin schon längst involvierten „Urgesteine“ Philipp und Robert Lukas - werden als potenziell Haftende nicht in Frage kommen.

Freunschlag versucht auch, die Fans über eine Vorstandsposition ins Boot zu holen. Ob das wünschenswert ist, sei dahingestellt. Die treuen Anhänger verdienen es, gehört zu werden - keine Frage. Aber man hat im Fußball schon erlebt, wie etwas aus dem Ruder laufen kann, wenn sich Gruppierungen einbilden, dass ihnen der Verein gehört. Siehe Rapid. Im Fall der Black Wings würde so eine Position auch noch formal untermauert werden. Der Verein gehört aber niemandem, er ist größer als jeder Einzelne. Das muss in Stein gemeißelt sein.

Plan B klingt sehr vielversprechend

Wir sehen das so: Bleibt Freunschlag stur und an der Spitze (darüber sagte er „Wenn jemand kommt, der mich entlastet, bin ich der Erste, der eine geordnete Übergabe macht“), werden die Black Wings Schwierigkeiten bekommen. Die Variante „Präsident Freunschlag“ hätte nämlich zur Folge, dass sich die Vizepräsidenten Egger, Matausch und Zauner (bei ihm ist noch nicht klar, ob sein per WhatsApp getätigter Rücktritt Wirksamkeit hat oder nicht) mit sofortiger Wirkung zurückziehen würden. Und mit ihnen auch Manager Perthaler, der einen hervorragenden Draht zum Gros der Sponsoren hat. Klingt bedrohlich, aber keine Sorge: Dieser „Rettungsanker“ bleibt in der Hinterhand. Sie wären bereit zu übernehmen, wenn - sagen wir es einmal so - der Hut brennt. 

Die „Oberösterreichische Versicherung“ ist nicht der einzige Geldgeber, der den Alleingang von Freunschlag missbilligt. So viel wissen wir, das ist keine Erfindung. Zieht sich Freunschlag zurück oder wird er bei einer Mitgliederversammlung abgewählt (auch hier gestaltet es sich nicht einfach, eine Liste aufzutreiben), wäre der Weg frei für Plan B, also die aktuelle Opposition „Egger, Matausch, Zauner, Perthaler“. Damit wären deutlich größere finanzielle Ressourcen verbunden. Allein Eggers Unternehmen „KE KELIT“ soll gerüchteweise das Doppelte von Freunschlag in den Verein investiert haben. Von besagtem Quartett soll übrigens keiner Ambitionen haben, Präsident zu werden. Freunschlag ist sich dessen nicht so sicher, er nimmt an, dass Egger auf diesen Posten als „Frontmann“ spitzt.

„Ich kann garantieren, dass wir einen finden werden“

Egger selbst kann darüber nur lachen: „Ich stehe definitiv nicht als Präsident zur Verfügung. Aber ich kann Ihnen garantieren, dass wir einen aus der Wirtschaft finden werden, der auch das Herzblut für Eishockey mitbringt. Ganz sicher“, sagte der KE KELIT-Chef zu den OÖN. Und nicht nur das. Er ist trotz der Differenzen unverändert bereit, Freunschlag (wenn auch nicht als Präsident) mit ins Boot zu nehmen. „In schwierigen Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten. Ich kann mir schon vorstellen, dass wir uns die Hände reichen.“

Die Vereinsstrukturen bedürfen freilich einer Überarbeitung. Unvereinbarkeiten und Überschneidungen müssen der Vergangenheit angehören. Peter Freunschlag ist aktuell als Präsident, Kassier, Geschäftsführer der beiden Tochtergesellschaften der Black Wings und Eigentümer der SpielbetriebsGmbH eingetragen, seine Frau Andrea Freunschlag ist als Vorstandsmitglied, Rechnungsprüferin und Eigentümerin der Marketing GmbH registriert.

Es braucht eine viel breitere Basis. Zum Wohle des EHC Liwest Black Wings Linz.

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Alexander Zambarloukos

Redakteur Sport

Alexander Zambarloukos
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