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Black Wings

Black-Wings-Krise: Trainer Tom Rowe geht als Gentleman

Von Alexander Zambarloukos  08. April 2020 14:41 Uhr

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Tom Rowe ist (im Moment) nicht mehr Black-Wings-Coach.

LINZ. Die OÖN trafen den 63-jährigen US-Amerikaner, der am Sonntag in seine Heimat zurückkehren wird, zum Interview.

Heute, 10 Uhr: Begegnung mit Tom Rowe in Schlagdistanz zu den Promenaden-Galerien, in denen der OÖN-Newsroom zuhause ist. Die Sonne scheint, der US-Amerikaner sitzt entspannt auf einer Parkbank, er liest ein Buch. Wir begrüßen einander mit dem klassischen „Ellbogen-Check“ in Corona-Zeiten und sprechen 75 Minuten. 1,5 Meter voneinander getrennt. So soll es sein.

Rowe hat die jüngsten Turbulenzen beim oberösterreichischen Eishockey-Topklub EHC LIWEST Black Wings Linz mit Sorgenfalten verfolgt, am Dienstag wurde er von Gregor Baumgartner, dem von Klubpräsident Peter Freunschlag installierten General Manager, kontaktiert. 

Es war ein vernünftiges Gespräch gewesen, das nach einer gewissen Vorlaufzeit (auch des gegenseitigen Kennenlernens) schnell auf den Punkt gebracht wurde. Baumgartner ließ Rowe wissen, dass seine Handlungsmöglichkeiten wegen der ungewissen Zukunft der Vereinsgestaltung eingeschränkt seien und man möglicherweise einen anderen Weg auf der sportlichen Ebene einschlagen werde.

„Wenn er nicht mehr involviert ist, bin ich draußen“

Rowe hörte sich das an und machte Nägel mit Köpfen: „Das richtet sich jetzt nicht gegen Sie (Baumgartner, Anm.), aber aus Loyalität zu Christian Perthaler (dem gekündigten Manager, Anm.) muss ich ganz klar sagen: Wenn er nicht mehr in sportliche Agenden involviert ist, bin ich draußen.“

Das heißt: Stand jetzt ist der US-Amerikaner nicht mehr Trainer der Black Wings. Sein Vertrag läuft aus und hätte sich nur verlängert, wenn sein Team das Play-off-Halbfinale erreicht hätte. Ein Sieg trennte ihn davon, der EHC führte zum Zeitpunkt des Corona-bedingten Abbruchs 3:0 in der Best-of-7-Serie gegen den KAC. „Manchmal spielt das Leben so. Es ist, wie es ist“, sagte Rowe.

Ist damit die Tür endgültig zu? „Ich habe Linz lieb gewonnen und die Zeit hier genossen. Ich weiß nicht, wie sich die Dinge hier entwickeln. Ich bin 63. Manche sagen, das ist alt. Aber ich sehe das nicht so. Ich strotze vor Energie und will weiterhin Coach sein. Wo das sein wird, wird man sehen. Ich habe meinen Agenten angewiesen, Optionen auszuloten.“ Eine davon könnten - unter gewissen Umständen - wieder die Black Wings werden. Man wird sehen, was sich hinter den Kulissen tut.

„Ich denke, dass wir das Potenzial für ein Meisterteam hatten“

Rowe ist ein erfahrener „Fuchs“ in der Branche, seit 1991 bekleidete er diverse Funktionen im operativen Geschäft - bis hin zum NHL-Cheftrainer und -General Manager bei den Florida Panthers (2016/17). Über die Black Wings spricht er nur in den höchsten Tönen: „Das war die beste Kabine, die ich je hatte. Keine Gruppenbildungen, alle an einem Strang ziehend - ich denke, dass wir das Potenzial für ein Meisterteam hatten. Die Fans haben mich begeistert, es war ein grandioses Umfeld. Ich habe es genossen.“

Die Vater-Sohn-Sache mit dem Präsidenten Peter Freunschlag, der seinen Junior Stefan gerne in der Kampfmannschaft sehen würde (die OÖN berichteten), wurde ebenfalls thematisiert. Ganz sachlich. „Ich wusste nicht, dass wir Coaches vor einem Jahr deswegen rausgeworfen werden sollten. Aber es tut jetzt auch nichts zur Sache“, sagte Rowe.

Er folge stets seinem Credo: „Als Trainer geht es mir darum, Spiele zu gewinnen und nicht darum, ja nicht gefeuert zu werden.“

Wie sieht Rowe Stefan Freunschlags Rolle?

Wie sieht der US-Amerikaner selbst die Rolle des 23-jährigen Stefan Freunschlag: „Ich halte ihn für einen smarten Jungen. Natürlich gilt das Leistungsprinzip. Er ist Teil der Mannschaft, ich habe ihm vor der Sommerpause 2019 gesagt, dass er hart an seiner Physis arbeiten muss. Und ja, es wurde besser. In der Vorbereitung hat er seine Chancen bekommen, dann hat er sich leider verletzt und fiel länger aus“, erläuterte Rowe: „Als er wieder fit war, war es schwierig, wieder hineinzukommen.“

„Wenn er in diesem Team spielt, dann sehe ich ihn nicht in der vierten Linie, sondern als Drittlinienstürmer. Aber dafür musst du richtig gut sein, um jemand anderen hinauszuspielen.“ Dafür hat es dann nicht gereicht. Deshalb war Freunschlag zuletzt bei den Steel Wings, der zweiten Mannschaft, in der Alps Hockey League im Einsatz.

Wie charakterisiert Rowe den Spieler Stefan Freunschlag? „Er denkt gut mit, kann Spielzüge kreieren und auch im eins gegen eins - wenn er es nicht übertreibt - bestehen. Deshalb von den Anlagen dritte Linie. In der vierten Linie musst du abgesehen vom guten Eislaufen, diesbezüglich ist er unterer Durchschnitt, Schüsse blocken, Unterzahlsituationen meistern. Als solchen Spielertyp sehe ich ihn nicht, da sind andere, die dann auch gespielt haben, besser.“ Und damit hat es sich.

Heimkehr mit einem mulmigen Gefühl

Am Sonntag fliegt Rowe, der am Rand der rund 120.000 Einwohner zählenden Stadt Charleston in South Carolina zuhause ist, zurück in die Vereinigten Staaten. Zuletzt war er immer wieder mit der amerikanischen Botschaft in Kontakt.

„Ich reise schon mit einem etwas mulmigen Gefühl zurück. Zum Glück bin ich nicht in New York, dort sieht man, was das Krisenmanagement von Donald Trump angerichtet hat. Eine Bekannte hat mich angerufen und gesagt: ,Könnt ihr nicht den österreichischen Kanzler einfliegen lassen, damit er ihm zeigt, wie das funktioniert‘“, erzählte Rowe.

„Sebastian Kurz macht das wirklich herausragend. Wäre meine Frau Bernice bei mir und nicht in Charleston, würden wir sicher zunächst in Österreich bleiben.“

Nach der Rückkehr in die Heimat wird sich Rowe in eine 14-tägige Quarantäne begeben, dafür hat er sich extra ein Appartement angemietet. Was danach kommt, wird man sehen.

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Artikel von

Alexander Zambarloukos

Redakteur Sport

Alexander Zambarloukos

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