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Motorsport

Spielberg ist immer für eine Überraschung gut

Von Alexander Zambarloukos  01. Juli 2020 00:05 Uhr

Spielberg ist immer für eine Überraschung gut
Die Premiere

SPIELBERG. Die Formel 1 im Rückspiegel: Nicht nur Niki Lauda hatte bei seiner Triumphfahrt 1984 Glück im Unglück.

"Austria first" – frei nach US-Präsident Donald Trump genießt Spielberg nach der coronabedingten Zwangspause das Privileg, die Formel-1-Saison mit 112-tägiger Verspätung einzuläuten. Noch dazu mit einem Renn-Doppel am Sonntag (15.10 Uhr, ORF 1) und am 12. Juli. Wer eine Reise in die Vergangenheit des Grand Prix von Österreich unternimmt, kommt zu dem Schluss, dass es sich empfiehlt, das Unerwartete zu erwarten. In der Steiermark wurden spezielle Geschichten geschrieben.

1 Die Premiere: Vielleicht war es die Last des riesigen Lorbeerkranzes, die Lorenzo Bandini maximal ein gequältes Lächeln entlockte. Dabei hätte der Italiener allen Grund zum Jubeln gehabt, entschied er doch 1964 den ersten Grand Prix auf österreichischem Boden (Fliegerhorst Hinterstoisser bei Zeltweg) für sich. Es sollte der einzige Sieg des damals 28-jährigen Ferrari-Piloten bleiben. Der gebürtige Libyer nutzte die Gunst der Stunde, elf der 20 Rennfahrer schieden aus – darunter die Favoriten Graham Hill, John Surtees und Jim Clark. Bandini verunglückte am 7. Mai 1967 beim Rennen in Monte Carlo in der 82. von 100 Runden, drei Tage später erlag er seinen schweren Verbrennungen.

2 Der Heim-Triumph: "Ich bin in der Bosch-Kurve ausgerollt. Von da runterzuhatschen, das war mir aber zu weit. Also habe ich im Getriebe herumgestochert und tatsächlich noch einen vierten und einen fünften Gang gefunden." So hört sich normalerweise nicht die Analyse eines Siegers an. Es waren die Worte des dreimaligen Weltmeisters Niki Lauda (1975, 1977, 1984) nach seinem Triumph am 19. August 1984. Der 2019 verstorbene "Niki Nazionale" ist bis heute der einzige Österreicher, der sein Heimrennen gewonnen hat. Dank kräftiger Mithilfe von Nelson Piquet (Bra), der – salopp formuliert – darauf vergaß, Laudas ramponierten McLaren zu überholen. "Der Piquet hat geglaubt, ich spiele mit ihm, weil ich so langsam fahre. Das war mein Glück, denn das Rennen hätte er mit dem Linken gewonnen", sagte Lauda und bedankte sich artig bei seinem Rivalen. Piquets Reaktion ist nicht druckreif.

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Heim-Triumph

3 Kein tierisches Vergnügen: Als Stefan Johansson 1987 im freien Training seinen McLaren über eine Kuppe vor der Jochen-Rindt-Kurve jagte, traute der Schwede seinen Augen nicht. Ein verirrtes Reh war gerade drauf und dran, es sich auf dem Asphalt gemütlich zu machen. Damit unterschrieb es sein Todesurteil. Johanssons Bolide touchierte das Tier mit der linken Fahrzeugseite. "Dieses Geräusch werde ich nie vergessen. Hätte ich das arme Reh nur 30 Zentimeter weiter in der Mitte des Wagens erfasst, wäre ich bestimmt am Kopf getroffen worden. Das hätte ich nicht überlebt."

4 Die Stallorder: Vorne der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, dahinter das Stockerl mit den beschämt dreinschauenden "Ferraristi" Michael Schumacher und Rubens Barrichello – der Grand Prix 2002 ging als Rennen der Schande in die Historie ein. Barrichello war einem scheinbar sicheren Sieg entgegengefahren, ehe ihn die Ferrari-Box zurückpfiff: "Rubens, let Michael pass for the championship", lautete die unmissverständliche Regieanweisung. Barrichello gehorchte zähneknirschend und ließ Schumacher an sich vorbeiziehen. Der Deutsche sollte dann auch den fünften seiner insgesamt sieben WM-Titel holen. "Ich habe an diesem Tag viel gekotzt – vor Wut", sagte Barrichello einmal. Die Fans reagierten damals mit einem gellenden Pfeifkonzert, Ferrari bekam eine Geldstrafe in der Höhe von einer Million Dollar aufgebrummt. Die Stallorder wurde (zwischenzeitlich) verboten.

Spielberg ist immer für eine Überraschung gut

5 Der "Mister Spielberg": Red-Bull-Star Max Verstappen war 2018 und 2019 nicht zu stoppen. Im Vorjahr krönte der "fliegende Holländer" eine grandiose Aufholjagd. "Es ist unglaublich, vor diesen Fans zu siegen", betonte der 22-Jährige und blickte mit funkelnden Augen auf eine "orange Wand" mit 22.000 Schlachtenbummlern aus seiner Heimat. Darauf muss der coole Max heuer verzichten.

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Redakteur Sport

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