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Motorsport

Nach Ferrari-Fiasko in Brasilien erteilte das Team den Fahrern einen Maulkorb

Von OÖN   19. November 2019 00:04 Uhr

Nach Ferrari-Fiasko in Brasilien erteilte das Team den Fahrern einen Maulkorb
Sebastian Vettel und Charles Leclerc bugsierten sich in Interlagos gegenseitig von der Strecke und lieferten sich danach im Boxenfunk ein Schreiduell.

INTERLAGOS. Nach dem selbst verschuldeten Doppelausfall steht das Stallduell vor einer Eskalation

Nachdem sich die beiden Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc beim Formel-1-Grand-Prix von Brasilien gegenseitig aus dem Rennen befördert hatten, durften sie danach nicht mehr mit der Presse reden.

Die Teamleitung von Ferrari ist einmal mehr gefordert. Das schon vielfach hitzig geführte Stallduell zwischen dem monegassischen Jungstar und dem viermaligen Weltmeister am Sonntag droht immer mehr zu eskalieren. "Die Dummheit", titelte die italienische Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" nach dem Doppelausfall in Interlagos in großen Lettern.

Die Schuldfrage für die Berührung auf der Strecke, die sowohl Leclerc als auch Vettel sechs Runden vor Schluss aus dem Rennen bugsierte, ist vorerst ungeklärt. Mattia Binotto nahm beide Streithähne in die Pflicht. "Ich denke, den Fahrern sollte in erster Linie das Team leidtun", betonte der Ferrari-Teamchef. "Es war ein kleiner Unfall mit großen Folgen."

Vettel war beim Überholen auf der Geraden minimal nach links geschwenkt, es kam zur Berührung. Am Boliden von Leclerc brach die Radaufhängung, Vettel schlitzte sich den linken Hinterreifen auf. Es folgte ein Schreiduell auf dem Boxenfunk, bei dem die internationale Regie Schimpfwörter aussparen musste. "Mein Gott, muss das sein?", fluchte Vettel. "Was zur Hölle?", fragte sich auch Leclerc. Die Rennkommissäre werteten die Aktion als normalen Rennunfall, sahen von einer Bestrafung ab.

Die Atmosphäre bei Ferrari ist schon seit Saisonbeginn angespannt. Leclerc hat früh deutlich gemacht, dass er sich mit der Nummer-zwei-Rolle nicht begnügen wird. Der 22-Jährige gilt als große Zukunftshoffnung. Vettel, der wegen eigener Fehler zusehends in die Kritik gerät, hat den zehn Jahre jüngeren Monegassen sportlich nicht im Griff.

Auch nach der fünften Saison mit Vettel im Cockpit steht Ferrari ohne WM-Titel da. Die Übermacht von Mercedes ist zu groß, dazu scheint Red Bull mit Brasilien-Sieger Max Verstappen die Lücke geschlossen zu haben. Die Nervosität wird zusehends größer. Auf welches Pferd sie in Zukunft setzen werden? Vettels Vertrag läuft nur noch bis Ende 2020, jener von Leclerc ist bis 2022 befristet.

Nur ein Sieg würde noch helfen

Durch seinen dritten Saisonsieg schob sich Verstappen in der Fahrer-WM hinter dem Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Valtteri Bottas an Leclerc vorbei auf Rang drei. Vettel kann nur noch mit einem Sieg in den Emiraten an Leclerc vorbeiziehen. WM-Endrang fünf wäre für den 32-Jährigen der schlechteste seiner Ferrari-Ära.

Pressestimmen nach dem Brasilien-GP

„Rotes Harakiri! Vettel und Leclerc versenken sich gegenseitig.“
Gazzetta dello Sport, Italien

„Dieses Fiasko hatte sich abgezeichnet. Wie können diese beiden Alphatiere in ein Haus passen?“
Mail, Großbritannien

„Wenn sich Ferrari-Chef Binotto weiter weigert, einen der beiden Fahrer zur Nummer eins zu machen, wird er große Kopfschmerzen bekommen.“
Süddeutsche, Deutschland

„ Was beim italienischen Rennstall abgeht, ist einfach nicht mehr normal.“
Sport, Spanien

„Max Verstappen gewann ein Rennen, das er mehr als jeder andere verdiente.“
Marca, Spanien

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