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Jubiläum: 1000. Formel-1-Grand-Prix am Sonntag in China

10.April 2019

Die aktuellen Grand-Prix-Piloten halten eine Art „Spielkonsole“ in der Hand. Reset-Knopf für einen zweiten Versuch gibt es keinen.

Es hätte sicher traditionsreichere Strecken wie Silverstone oder Monza gegeben, aber im Fahrplan des US-amerikanischen Formel-1-Vermarkters Liberty ist kein Platz für eine sentimentale Extra-Tour im Sinne der Tradition. Also wird der Shanghai International Circuit, eine Retortenstrecke der Neuzeit, am Wochenende der Schauplatz eines historischen Formel-1-Rennens sein. Beim Grand Prix von China wird am Sonntag zum tausendsten Mal in einem Formel-1-Rennen um den Großen Preis gefahren. Grund genug, einen Blick in den Rückspiegel zu werfen.

Der Beginn: Als am 13. Mai 1950 im englischen Silverstone der erste Große Preis in der Königsklasse stattfand, waren 21 Autos am Start. Vor mehr als 200.000 Zuschauern dominierten die Alfa-Romeo-Piloten das Geschehen. Den Dreifach-Sieg des Teams führte der Italiener Giuseppe Farina an, der davon profitierte, dass sein Verfolger Reg Parnell mit einem Hasen kollidierte und dadurch auf Platz drei zurückfiel. Farina krönte sich später zum ersten Formel-1-Weltmeister.

Die Österreich-Premiere: Das erste Formel-1-Rennen in der Alpenrepublik wurde 1964 zur Belastungsprobe für das Material. Nur neun der gestarteten 20 Autos kamen auf der holprigen Strecke auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg ins Ziel. Als Sieger wurde der Italiener Lorenzo Bandini in einem Ferrari abgewunken. Jochen Rindt gab als erster Österreicher sein Debüt in der Formel 1. Er schied mit einem Lenkungsdefekt aus.

Die Formel Österreich: Mit Rindt, der am 5. September 1970 beim Training in Monza tödlich verunglückte und posthum Weltmeister wurde, begann eine rot-weiß-rote Formel-1-Tradition, die immer noch am Leben ist. Niki Lauda holte drei WM-Titel, mit Gerhard Berger gab es einen weiteren Siegfahrer. WM-Punkte holten auch Karl Wendlinger, Alexander Wurz, Patrick Friesacher und Christian Klien. Der Vorarlberger war am 14. November 2010 beim Finale in Abu Dhabi der bisher letzte Österreicher, der an einem Formel-1-Grand-Prix teilnahm. Die Königsklasse hat aber immer noch einen rot-weiß-roten Anstrich. Sei es durch das Red-Bull-Team mit Helmut Marko als "Scout" oder Mercedes mit Toto Wolff und Niki Lauda am Kommandostand.

Der Zirkusdirektor: Der heute 88-jährige Bernie Ecclestone hat den Formel-1-Zirkus geprägt wie kein anderer. Unter dem 1,59 Meter großen Krösus entwickelte sich die Königsklasse zum Milliarden-Unternehmen. Bis Jänner 2017 blieb Ecclestone, der auch einige Skandale überstand, an Bord, ehe er von den neuen US-Besitzern Liberty Media als Geschäftsführer abgesetzt wurde.

Die Schattenseite: Bei 999 Rennen verunglückten bisher 32 Formel-1-Piloten. Seit den Unfällen von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna vor 25 Jahren in Monza gibt es sehr gute Sicherheitsstandards. Der letzte Unfall-Tote ist Jules Bianchi. Der Franzose raste am 5. Oktober 2014 im Grand Prix von Japan mit seinem Wagen unter einen Bergungskran. Der 25-Jährige lag neun Monate im Koma und starb am 17. Juli 2015. (chz)

Die größten Formel-1-Legenden

Ayrton Senna

Der dreifache Weltmeister (1988, 1990, 1991) gilt aufgrund seines fahrerischen Ausnahmekönnens als schnellster Fahrer der Formel-1-Geschichte. Der tödliche Unfall 1994 in Imola stoppte seine große Karriere, in der er 41 Rennen gewinnen konnte. Senna wird bis heute nicht nur in seiner brasilianischen Heimat verehrt.

Michael Schumacher

Der Deutsche eroberte die Formel 1 im Rekordtempo, gewann sieben Titel (1994, 1995, 2000-2004) und fuhr sich in die Herzen der Ferrari-Fans. Seit einem fatalen Skiunfall Ende Dezember 2013 hat er sich vom öffentlichen Leben zurückgezogen. Sein gesundheitliches Befinden ist ein gut gehütetes Geheimnis.

Niki Lauda

„Niki Nazionale“ kämpft aktuell mit gesundheitlichen Problemen, als Mercedes-Mann war er bis zuletzt mit dem Formel-1-Zirkus verbunden. Der Wiener holte drei WM-Titel (1975, 1977, 1984), mit seinem Feuer-Unfall auf dem Nürburgring schrieb er Grand-Prix-Geschichte. 42 Tage nach seinem „Rendezvous mit dem Tod“ saß er in Monza wieder im Ferrari-Cockpit. Seine Karriere wurde inzwischen verfilmt („Rush“).

Juan Manuel Fangio

Der Argentinier holte 1951, 1954, 1955, 1956 und 1957 den Titel. Bei 51 Starts feierte er 24 Siege. Fangio fuhr unter anderem für Mercedes, Ferrari und Maserati. Er starb 1995 in Buenos Aires im Alter von 84 Jahren an einem Nierenleiden.

Alain Prost

Der „Professor“ galt als härtester Rivale von Senna und gewann vier Titel (1985, 1986, 1989, 1993). Er war eher ein kühler Analytiker als Draufgänger.

Jochen Rindt

Zumindest durch die rot-weiß-rote Brille betrachtet gehört der Deutsche, der bei seinen Großeltern in Graz aufwuchs, zu den großen Formel-1-Legenden. Der charismatische Rindt starb 1970 bei einem Trainingsunfall in Monza und wurde posthum Weltmeister.

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24. Juni 2019