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Wie sexy muss Leistungssport eigentlich sein?

Von Valerie Hader  28. Juli 2021 00:04 Uhr

Wie sexy muss Leistungssport eigentlich sein?
Viel nackte Haut bei den sportlichen Wettkämpfen – für manche zu viel

Knappe Höschen, enge Trikots: Outfits der Athletinnen polarisieren – auch bei Olympia.

Es geht um ein paar Zentimeter Stoff: Weil sie in längeren Hosen als vorgeschrieben gespielt haben, wurde das Team der norwegischen Beachhandballerinnen vom Europäischen Verband zu 1500 Euro Strafe verpflichtet. Nun hat sich die Sängerin Pink eingeschaltet und will das Bußgeld übernehmen.

Damit ist der Fall zwar erledigt – aber nicht das Thema. Denn seit auch die deutschen Turnerinnen in langen Leggings auftraten, stellen sich viele die Frage: "Wie sexy muss Spitzensport eigentlich sein?"

Die Optik spielt eine große Rolle

Fest steht: Es gibt Kleiderregeln für verschiedene Sportarten, die von den jeweiligen Weltverbänden vorgeschrieben werden. Und die auch Sinn ergeben, weil sie funktional sind und Vorteile bringen. Klar ist aber auch: Seit es TV-Übertragungen und Internet gibt, spielt die Optik eine immer größere Rolle.

"Natürlich ist das auch wichtig, aber die Athletinnen sollten sich zuallererst wohlfühlen", sagt die frühere Hochspringerin Sigrid Kirchmann, die 1992 Fünfte bei Olympia in Barcelona und 1993 WM-Dritte in Stuttgart wurde. "Bei aller Freizügigkeit dürfen aber die Grenzen nicht überschritten werden. Die Leistung sollte im Vordergrund stehen ", sagt die 55-Jährige, die heute in ihrem Heimatort Kirchdorf in der HAK Sport und Geografie unterrichtet.

"Das Problem sind nicht die knappen Outfits, sondern die Reaktionen darauf", sagt die Präsidentin des österreichischen Leichtathletik-Verbands (ÖLV), Sonja Spendelhofer. "Viele Sportler haben ja eine tolle Figur und die können sie ruhig zeigen. Wenn aber nur der Körper im Vordergrund steht anstelle der Leistung, läuft es in die falsche Richtung", sagt die mehrfache Staatsmeisterin im Diskuswerfen und Kugelstoßen.

In der Leichtathletik funktioniere das Ganze aber ohnehin gut, "denn bei uns darf jeder tragen, was er will – in einem gewissen Rahmen natürlich. Aber in einem Sack kann man ja ohnehin nicht laufen und springen." Einzige Ausnahme: Das Nationalteam-Dress ist vorgegeben. "Aber auch da gibt es verschiedene Varianten – von engen bis zu lockeren T-Teilen. Das kann sich jeder aussuchen", sagt ÖLV-Präsidentin Spendelhofer. "Denken Sie nur an Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger. Den wird sicher niemand in ein hautenges Oberteil zwingen."

Ab 16 Grad spielt man im Bikini

Wie es sich anfühlt, im Bikini vor Publikum zu stehen, weiß Beachvolleyballspielerin Eva Freiberger. "Am Anfang war das schon eine Überwindung, aber je älter und selbstbewusster man wird, desto leichter fällt es", sagt die 32-Jährige Linzerin, die zwar (noch) nicht bei Olympia, aber bei Profi-Turnieren auf der ganzen Welt antritt.

Die Diskussion um zu viel nackte Haut begleitet sie seit langem. "Vor Jahren wurde deshalb die Kleiderordnung aufgehoben. Zumindest zum Teil, denn eine Regel gibt es noch. Wir dürfen nur in langen Sachen spielen, wenn es unter 16 Grad hat." Probleme habe sie damit keine – zumindest in Österreich. "Hier ist man sehr auf den Sport fokussiert. Aber in Korea zum Beispiel ist es uns schon passiert, dass die männlichen Zuschauer ihre Zooms total auf uns gerichtet haben. Das war unangenehm."

Und wie wichtig ist Sexyness, um Firmen zu beeindrucken? "Ich glaub nicht, dass ein knapperes Höschen noch mehr Sponsoren anzieht", sagt Freiberger. Auch der Schriftzug eines Erotikversands auf ihrem Dress ließe sich mit der Sportbegeisterung des Sponsors erklären. "Aber natürlich passt das irgendwie schon zusammen."

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