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Warum das rechte Ohr von Shamil Borchashvili so wegsteht

Von Reinhold Pühringer  04. November 2021 00:07 Uhr

Warum das rechte Ohr von Shamil Borchashvili so wegsteht
Judoka Borchashvili brach sich 2018 den Knorpel im Ohr.

WELS. Vom Knorpelbruch zum Blumenkohlohr: Zwischen Entstellung und Statussymbol

"Das Judo-Ohr", so nennt es Shamil Borchashvili, "habe ich seit einem Japantrainingslager 2018." Damals brach dem Olympia-Dritten der Knorpel in seinem rechten Ohr. Wer genau hinschaut, kann die Folgen heute noch erkennen. Nicht nur, dass Teile der Ohrmuschel einen Wulst bilden, steht diese rechts ein wenig ab. "Als der Bruch ganz frisch war, war es extrem schmerzhaft", schildert der 26-Jährige, der es sich anfangs vor jeder Einheit punktieren, also mit einer Spritze aussaugen ließ, damit es nicht zu sehr anschwillt. Es dauerte lange, bis der Schmerz nachließ. Heute spüre er nichts mehr.

Während das Judo- oder Blumenkohlohr, wie es Mediziner nennen, bei Otto-Normalbürgern praktisch nicht vorkommt, ist es in Zweikampfsportarten keine Seltenheit. "Es entsteht bei großer mechanischer Einwirkung", erklärt Ronald Ecker, Sportarzt aus Marchtrenk.

Münze aufs Ohr und draufhauen

Durch eine Vielzahl von Schlägen wird der an und für sich flexible Knorpel im Ohr zusehends steif und kann deshalb in weiterer Folge brechen. "Die Entsorgung des entstandenen Blutergusses funktioniert im Ohr allerdings sehr schlecht", erklärt Ecker, warum der Wulst mehr oder weniger dauerhaft ist. Die Blumenkohlohren "wachsen" beim Mediziner sogar zu Hause, da er deswegen Sohnemann Thomas (18) – Mitglied des Judo-Nachwuchsnationalteams – unlängst behandelte.

Schläge oder – wenn man so will – einen Satz heiße Ohren gibt es freilich nicht nur auf der Judo-Matte. Auch im Ringen (dort ist es als Ringer-Ohr bekannt), Jiu-Jitsu oder Rugby tritt diese Verletzung gehäuft auf. Also überall dort, wo Sportler mit ihrem Kopf oft Kontakt zum Gegner haben. Ein Blick zu einigen extremen Ausformungen zeigt, dass Borchashvilis Ohr vergleichsweise harmlos ist. Je nach Sportart finden sich Beispiele, die hierzulande als Entstellung gelten würden. Dies sei aber eine Kulturfrage, wie Hilde Drexler weiß. "In Ländern wie beispielsweise Japan, dem Iran oder Russland ist das ein Statussymbol. Das geht sogar so weit, dass sich manche eine Münze aufs Ohr legen und dann draufschlagen, um so ein Ohr zu bekommen", sagt die Judo-Olympiateilnehmerin von 2012, die selbst stolze Trägerin von Blumenkohlohren ist.

Borchashvili, der am Samstag mit dem Grand Slam in Baku (Aze) seinen ersten internationalen Einsatz seit seinem Olympia-Coup in Tokio hat, denkt ähnlich darüber, dennoch will er sich nach seiner aktiven Karriere das Ohr operativ korrigieren lassen: "Aber nicht, um es wegmachen zu lassen, sondern dass es wieder so anliegt wie das andere."

Artikel von

Reinhold Pühringer

Redakteur Sport

Reinhold Pühringer
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