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Walter Mayer im OÖN-Interview: „Jetzt hauen sie sich Hundeblut hinein“

Von Christoph Zöpfl   18. Januar 2011 00:04 Uhr

„Jetzt hauen sie sich Hundeblut hinein“

ANGER. Während Doping-Dealer Stefan Matschiner mit seinem gestern veröffentlichten Enthüllungsbuch Schlagzeilen und vermutlich Gewinn macht, wartet Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer immer noch auf seinen Prozess. Für ihn gilt alles, nur nicht die Unschuldsvermutung. Die OÖN haben ihn besucht.

OÖN: Herr Mayer, Sie waren im Frühjahr 2009 fünf Wochen lang in Untersuchungshaft. Wissen Sie schon, wann der Prozess stattfindet?

Mayer: Nein, aber ich habe jetzt wieder von einem Freund gehört, dass der Herr Holzner, der Chefermittler der Soko Darabos, beim Skifahren erzählt hat, dass es im März so weit sein wird.

OÖN: Sie meinen die Soko Doping?

Mayer: Ja, aber ich sage Soko Darabos dazu.

OÖN: Fühlen Sie sich als Justizopfer, weil in dieser Geschichte schon so lange nichts mehr weitergeht?

Mayer: Ich kann mich nicht als Justizopfer fühlen, weil prinzipiell muss ich sagen, alles was ich mit der Justiz erlebt habe ... da wäre ich mit mir viel strenger gewesen. Meine Dummheit mit dem Autounfall in Kärnten (Mayer beging nach seiner Flucht aus Turin 2006 betrunken Fahrerflucht), da bin ich besser ausgestiegen, als ich es mir erträumt hätte. Da hätte ich das Gefängnis verdient.

OÖN: Haben Sie Angst vor dem Doping-Prozess?

Mayer: Nein, im Gegenteil. Ich bin froh, wenn er kommt, weil ich die Öffentlichkeit nützen will, um einige Sachen klarzustellen. Bisher wurde ich ja nur vorverurteilt.

OÖN: Kann es sein, dass sich jemand anderer vor diesem Prozess fürchten muss?

Mayer: Was allen sicher inzwischen klar sein wird, ist, dass Walter Mayer das Doping-Gesetz nicht einmal im Ansatz verletzt hat. Und das ist ihr Problem.

OÖN: Sie rechnen also mit einem Freispruch?

Mayer: Wenn die Sache nicht geschoben ist, ja.

OÖN: Was, glauben Sie, hat sich im österreichischen Sport seit dem Skandal von Turin 2006 verändert?

Mayer: Im internationalen Vergleich haben wir wieder einen Schritt zurück gemacht. Der österreichische Sport ist vielleicht sauberer geworden. Auf internationaler Ebene wird weitergemacht wie immer. Der Armstrong fährt munter die Tour de France, und der Hoffi (Christian Hoffmann) ist jetzt schon ein Jahr lang suspendiert und sein Fall wird gar nicht behandelt. Das ist eine Ungerechtigkeit, die mich ärgert. Wenn Minister Darabos behauptet, die Sportregeln wären auf der ganzen Welt die gleichen, sieht man, wie ahnungslos er ist. Sie sind vielleicht gleich, werden aber ganz anders gehandhabt. Wir haben einen Sport- und Verteidigungsminister, der alles verteidigt, außer Österreich.

OÖN: Was passiert, wenn die Doping-Proben von Turin noch einmal aufgemacht und auf Mittel wie CERA, Dynepo und Biosimilar geprüft werden?

Mayer: Das war meine Anregung. Aber nicht nur die Proben nach den Medaillengewinnen, sondern die Einstiegsproben. Wenn man das machen würde, würde Österreich ganz klar die Medaillenwertung gewinnen. Die Gerüchte sagen, dass Deutschland Dynepo hatte, die Russen Biosimilar und die Italiener CERA.

OÖN: Und die Österreicher?

Mayer: Gar nichts, die hatten nur die Infusionen.

OÖN: Haben Sie mit dem Spitzensport abgeschlossen?

Mayer: Nein, er interessiert mich immer noch. Ich habe viel Wissen und beobachte Tendenzen. Zum Beispiel, um wie viel die deutschen Langläufer seit Turin schwächer geworden sind. Die sind halt noch nicht neu strukturiert.

OÖN: Ist Sport gesund?

Mayer: Sport ist Kulturgut und eine schöne Sache. Aber der Hochleistungssport ist gesundheitsschädigend. Egal, ob mit oder ohne Doping.

OÖN: Trotzdem haben Sie Ihren Sohn Marc zum Langlaufsport gebracht.

Mayer: Das war aus heutiger Sicht betrachtet mein größter Fehler.

OÖN: Was würde ein Sportminister Walter Mayer machen?

Mayer: International alle so aufmischen, damit der Spitzensport ungeschönt als das verkauft wird, was er ist: ein Wettkampf von Gladiatoren. Ich würde gewisse Mittel freigeben, bis zu gewissen Grenzwerten darf jeder machen, was er will. Das wäre die gesündeste Variante. Jetzt hauen sich Sportler Hundeblut hinein, das ist belegbar, aber alle tun, als wenn nichts wäre. Die bemühen sich gar nicht, Wachstumshormone nachzuweisen, das System ist verlogen. Es will auch die Soko Darabos nicht wissen, dass Sportler in Österreich um 30.000 Euro Wachstumshormone gekauft haben.

OÖN: Gibt es in Österreich ein organisiertes Doping-Netzwerk?

Mayer: Verglichen mit dem, was im Weltsport läuft, sind wir niemand. Die großen Nationen haben gewisse Medikamente fünf Jahre bevor diese auf den Markt kommen. Das ist Fakt, und keiner kann was dagegen machen.

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