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Thiem gibt sich bis Jahresende Zeit

Von Alexander Zambarloukos, Paris   23. Mai 2022 00:04 Uhr

Thiem gibt sich bis Jahresende Zeit
Dominic Thiem hadert mit seinen Schlägen. Es gibt keine Fortschritte.

Tennis: Der Lichtenwörther scheiterte in der 1. Runde der French Open sang- und klanglos. Das Trainerteam ist unantastbar, der Sturz aus den Top 350 der Welt unvermeidbar.

Um 13.10 Uhr war der Spuk vorüber und Dominic Thiem nach nur 2:02 Stunden ohne Satzgewinn bei den mit 43,6 Millionen Euro dotierten French Open ausgeschieden. Wie im Vorjahr fiel der Vorhang beim Tennis-Lieblingsturnier des 28-jährigen Lichtenwörthers, der am 13. Juni 180 Punkte vom Paris-Viertelfinale 2020 verlieren und damit aus den Top 350 der Welt fallen wird, in Runde eins. Der bolivianische Sandplatzspezialist Hugo Dellien zeigte Thiem beim 6:3, 6:2, 6:4 schonungslos die aktuellen Grenzen auf.

"Geduld" ist das im Moment meistgebrauchte Wort bei den seltenen Medienterminen des ehemaligen US-Open-Champions, der nach der elften Niederlage en suite einen Schritt zurückmachen und vor Wimbledon (ab 27. Juni) zwei Challengerturniere in Italien (zuerst Perugia/6. Juni, dann Parma/13. Juni) bestreiten wird.

Thiems Blick bei der Pressekonferenz im rappelvollen Saal zwei geht ins Leere, die maßlose Enttäuschung ist greifbar, das Interesse an seiner Person trotz des Stotter-Comebacks nach zehnmonatiger Pause wegen einer schweren Handgelenksverletzung ungebrochen. Die Medienwelt will wissen: Was ist los mit einem der Superstars der Szene – mit jenem Mann, der 2018 und 2019 hier in Roland Garros ins Finale einzog?

Thiem scheiterte bei French Open in Runde eins

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"Das wäre extrem unfair"

Thiem gibt Durchhalteparolen aus, sein Betreuerteam um Coach Nicolas Massu steht nicht zur Disposition. "Sicher nicht, ich bin sehr zufrieden. Das wäre extrem unfair meinem Umfeld und auch mir gegenüber, wenn ich mir Gedanken machen würde. Dafür war die Zeit einfach viel zu kurz", betonte der 17-fache ATP-Turniersieger.

Stand jetzt gehe es nur über harte, konsequente Arbeit. "Wenn ich am Ende des Jahres noch immer ohne Sieg dastehe, muss ich mir etwas in meinem Spiel überlegen", sinnierte Thiem. Er brauche nach Pausen eben länger als andere. "Das war schon als Junger so. Ich muss es erwarten können, auch wenn es extrem bitter und frustrierend ist, wieder nach einer Niederlage hier zu sitzen und dieselben Sätze runterzuleiern."

Das französische Publikum hätte Thiem liebend gerne auf dem erst 2019 eröffneten schmucken Court Simonne-Mathieu – mit einem Fassungsvermögen von 5000 Zuschauern das drittgrößte Stadion auf der Anlage hinter einer Glasfassade im Botanischen Garten – zum Sieg getragen. Doch dafür fehlte einfach viel. Viel zu viel.

"Allez, Dominic"-Anfeuerungsrufe machten die Runde – bis klar war, dass nicht einmal ein Blumentopf zu gewinnen sein würde. Dann feierten sich die bis zu 3500 Fans selbst – mit der "Welle".

Die Statistik zeichnet ein erschreckendes Gesamtbild: Thiem fabrizierte 42 unerzwungene Fehler, er hatte keine einzige Breakchance, obwohl Dellien nicht zu den überragenden Aufschlägern im ATP-Zirkus gehört. Das muss zu denken geben.

"Ich vermisse das Gefühl"

Fortschritte sind bestenfalls im Training zu erkennen. "Ein Sieg würde sehr helfen. Aber um ehrlich zu sein: Ich war in allen Matches, die ich seit dem Comeback bestritten habe, ziemlich weit weg von einem Erfolg. In den Partien ist die Anspannung größer, die Nervosität – das ist Gift für meine Vorhand. Ich vermisse das Gefühl. Es passieren sehr, sehr viele Fehler", gestand Thiem. "Meine Schläge sind nicht druckvoll genug, nicht nur die Vorhand. Das erste Service tut dem Gegner nicht weh, die Rückhand ist nicht lang genug, nicht schnell genug. Manchmal treffe ich dumme Entscheidungen – vor allem in Schlüsselsituationen. Es ist, was es ist."

Würde ein Mentaltrainer helfen? "Daran habe ich nicht gedacht. Ich hatte nie einen. Ich war aber auch noch nie in einer Situation wie jetzt. Es war natürlich leichter, als ich viel gewonnen habe – keine Frage. Grundsätzlich bin ich für alles offen, was mich weiterbringt."

Ofner wehrte sich nach Kräften

Sebastian Ofner hatte sich zum zweiten Mal nach 2017 (3. Runde in Wimbledon) für den Hauptbewerb eines Grand-Slam-Turniers qualifiziert, in der ersten Runde war aber Olympiasieger Alexander Zverev (1,98 m) eine Nummer zu groß.

Thiem gibt sich bis Jahresende Zeit
Sebastian Ofner hatte gegen Alexander Zverev das Nachsehen.

Der Weltranglistendritte aus Hamburg behielt vor gut 5000 Zuschauern auf dem Court Suzanne Lenglen mit 6:2, 6:4, 6:4 die Oberhand. Der Trostpreis für den 26-jährigen Steirer, der an hartnäckigen Fersenproblemen laboriert, sind 62.000 Euro brutto.

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