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Thiem: „Es war nicht gut genug, das muss ich akzeptieren“

Von Alexander Zambarloukos aus Paris   22. Mai 2022 14:55 Uhr

Früher Abschied aus Paris: Thiem scheiterte wie im Vorjahr in der ersten Runde.

Der 28-jährige Lichtenwörther übt sich nach der Auftaktniederlage bei den French Open weiterhin in Geduld. Änderungen in seinem Team sind nicht angedacht, auch wenn der Stachel der Enttäuschung tief steckt

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem erschien sichtlich gezeichnet im rappelvollen Press Room 2 unter dem Court Philippe Chatrier. Sein Blick ging nach der klaren Drei-Satz-Niederlage gegen Hugo Dellien in der ersten Runde der French Open ins Leere. Der 28-Jährige weiß, dass noch unglaublich viel Arbeit auf ihn wartet. Er macht jetzt einen Schritt zurück und wird zwei Challenger-Turniere in Italien bestreiten. Zunächst Anfang Juni in Perugia und anschließend in Parma. Ab 27. Juni steht dann das nächste Grand-Slam-Turnier, der Rasen-Klassiker in Wimbledon, auf der Agenda.

„Es war nicht genug, das muss ich akzeptieren. Es ist eine sehr schmerzvolle Niederlage, aber nichts Unerwartetes geschehen. Das Match war nicht gut, überhaupt nicht gut“, erläuterte der US-Open-Champion von 2020. „Es gibt null physische und auch keine mentale Probleme, was die Angst anbelangt. Im Training ist die Vorhand schon zwingend, aber im Match ist es anders. Da ist die Anspannung größer, die Nervosität, das ist Gift für meine Vorhand. Ich vermisse das Gefühl. Es passieren sehr, sehr viele Fehler.

Thiem scheiterte bei French Open in Runde eins

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„Es wird ein paar Monate dauern“

„Viele Dinge passen nicht. Meine Schläge sind nicht druckvoll genug, nicht nur die Vorhand. Das erste Service tut dem Gegner nicht weh, die Rückhand ist nicht lang genug, nicht schnell genug. Manchmal treffe ich dumme Entscheidungen - vor allem in Schlüsselsituationen. Es ist, was es ist. Es wird Zeit brauchen, bis es wieder gut ist.“

Wie soll der Schritt zurück an die Spitze gelingen? „Ich habe erst vor sechs oder sieben Wochen mit konstantem, intensivem Training begonnen. Das ist zu wenig. Ich muss geduldig sein“, sagte Thiem. „Ich mache nichts anders im Training als vor drei Jahren, weil ich damit sehr erfolgreich wurde. Das ist der Weg zurück auf die Spur. Es wird noch ein paar Monate dauern, bis ich die Top-Spieler wieder schlagen kann.“

Der 28-jährige Lichtenwörther hat seit Mitte Mai 2021 kein Match gewonnen, das nagt an der Psyche. „Ein Sieg würde sehr helfen. Aber um ehrlich zu sein: Ich war in allen Matches, die ich seit dem Comeback bestritten habe, ziemlich weit weg von einem Erfolg.“

Könnte ein Mentaltrainer helfen? „Daran habe ich nicht gedacht. Ich hatte nie einen. Ich war aber auch noch nie in einer Situation, wie ich jetzt bin. Ich muss 100 Prozent arbeiten. Es war natürlich leichter, als ich viel gewonnen habe. Das ist keine Frage. Grundsätzlich bin ich für alles offen, was mich weiterbringt“, sagte Thiem.

„Alle sind hungrig und heiß auf Siege“

Die besondere Aura von Roland Garros hat Thiem keine Flügel verliehen. „Die Stimmung auf dem Court war gut, aber das wird mir nicht helfen, dass ich besser spiele. Ich hätte mir erhofft, dass es schneller geht. Es wäre aber unrealistisch gewesen, das zu erwarten. Es ist bitter, wieder nach einer Niederlage hier zu sitzen und dieselben Sätze herunterzuleiern.“ 

Thiem war zehn Monate mit einer am 22. Juni erlittenen Handgelenksverletzung außer Gefecht. „Ich habe auch bei anderen Pausen immer länger gebraucht, um zurückzukommen. Das ist schon so, seit ich jung war. Es kann sein, dass sich andere Spieler da leichter tun.“

Die Lobeshymnen von Dellien (“Er schafft es sicher wieder“) prallen von Thiem ab. „Alle sind richtig hungrig und heiß auf Siege. Es ist wurscht, wer auf der anderen Seite ist. Das Level und die Dichte sind sehr, sehr hoch. Wenn ich da nicht voll auf der Höhe bin, wird‘s gegen jeden Einzelnen schwer. Es ist klar, dass ich Nummer drei der Welt war. Das hilft mir nicht, wenn jemand anderer einen großen Namen auf seiner Abschussliste hat.“ Dellien hatte vom größten Erfolg in seiner Karriere gesprochen.

Thiem weiß, dass die Vorhand nicht so funktioniert, wie sie soll. „Sie schaut ein bisschen anders aus. Das ist nicht Absicht. Es kommt letztlich darauf an, was rauskommt. Wenn ich meine Vorhand von vor sieben, acht Jahren mit jener von vor drei Jahren vergleiche, hat sie sich auch verändert. Und sie hat funktioniert.“

Könnte es zu Veränderungen im „Team Thiem“ kommen? „Sicher nicht, ich bin sehr zufrieden. Das wäre extrem unfair meinem Umfeld und auch mir gegenüber, wenn ich mir Gedanken machen würde. Dafür war die Zeit einfach viel zu kurz.“ Aktuell soll ihn konsequente, harte Arbeit zurück an die Spitze befördern. „Wenn ich am Ende des Jahres noch immer ohne Sieg dastehe, muss ich mir etwas in meinem Spiel überlegen.“ 

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