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Dominic Thiem: "Das beste Match, das ich je gespielt habe"

Von nachrichten.at/apa   13. November 2019 12:17 Uhr

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Bild 1/10 Bildergalerie: Thiem wies den "Djoker" in die Schranken

LONDON. Dominic Thiem war nach seiner großartigen Performance gegen Turnierfavorit Novak Djokovic bei den ATP-Finals in London selbst von der Qualität des Spiels begeistert.

Dominic Thiem ist zum vierten Mal bei den ATP Finals der acht besten Spieler der Saison dabei. Doch was er in den ersten beiden Gruppenspielen in London abgeliefert hat, ist schon jetzt außergewöhnlich. Nach dem 7:5,7:5 über Roger Federer schlug Thiem auch noch Topfavorit Novak Djokovic nach epischem Kampf 6:7(5),6:3,7:6(5). Er ist eindeutig auf dem nächsten Level angekommen.

Zwei Siege in Folge über zwei der "big three", also die Tennis-Legenden Federer, Djokovic und Rafael Nadal, sind Thiem noch nie gelungen. Und es gelingt auch auf Grand-Slam-Niveau fast niemandem. Das schon jetzt in London vor 17.500 Fans in der O2-Arena und Millionen vor den TV-Geräten gewonnene Selbstvertrauen ist unbezahlbar für Thiems Zukunft.

Keiner weiß das besser als Thiem selbst. "Sicher ist das für mich ein unfassbares Zeichen. Es gibt mir sehr viel Selbstvertrauen, dass ich mir selber bewiesen habe, dass ich zwei solche Riesenspieler in Folge schlagen kann. Das ist sicher wichtig auch im Hinblick auf das nächste Jahr." Denn der Schlüssel zum Grand-Slam-Titel, das wurde nicht nur von ihm das ganze Jahr über betont, sind zwei Siege gegen diese Allzeitgrößen.

ATP Finals
Der Serbe Novak Djokovic fand kein Rezept gegen Dominic Thiem.

"Ein absoluter Klassiker"

Viel Lob gab es auch vom Verlierer. „Ich glaube nicht, dass ich viele Partien erlebt habe, wo mein Gegner so auf jeden Schlag draufgeht. Er war unglaublich“, sagte der fünffache London-Sieger Djokovic nach einer Partie, die die Zuschauer immer wieder von den Sitzen riss.

Thiem gab das Kompliment postwendend zurück: „Immer wenn die absoluten Superstars lobende Worte finden, ist es was ganz Besonderes. Aber ich glaube, das war heute echt ein besonderes Match. Nicht nur von mir, sondern von beiden. Ein absoluter Klassiker. Sicher eines der besten Matches, die beim Finale in den letzten Jahren gespielt worden sind. Dass so etwas passiert, da ist eine Riesenleistung von beiden Spielern nötig. Das ist halt das Bittere im Tennis und für mich heute das Schöne, dass es kein Unentschieden gibt, sondern ein Spieler verlieren muss.“

Video: Die besten Ballwechsel der Partie Thiem gegen Djokovic.

Gruppensieg in "Hammergruppe"

Der 26-jährige Niederösterreicher ist schon vor dem letzten Match in Gruppe "Björn Borg" am Donnerstag (15.00 Uhr MEZ/live ServusTV, Sky) gegen Matteo Berrettini (ITA-8) Pool-Sieger. Er spielt dann am Samstag als erster Halbfinalist aus Österreich überhaupt beim auch gemeinhin als "Masters" bekannten ATP-Showdown gegen den Zweiten der Gruppe "Andre Agassi".

Thiem hat bereits 400 ATP-Zähler sicher, für den dritten Gruppensieg gäbe es weitere 200. Die würde er schon noch gerne mitnehmen, auch wenn er als erster Fixstarter im Halbfinale natürlich auch nicht bis an die Grenzen gehen muss. "Ich werde auf jeden Fall alles geben am Donnerstag. Das ist ganz klar. Wenn ich die 200 Punkte noch mache, dann bleiben die das ganze Jahr stehen", erklärte Thiem. Allerdings ist der Weltranglisten-Fünfte froh, keinen Qualifikationsdruck für das Semifinale mehr zu haben. "Das Match heute hat sehr viel Kraft gekostet, dass heißt, wenn es möglich ist, werde ich nicht noch einmal 2:45 Stunden spielen. Ich werde auch schon ein bisserl das Auge auf dem Halbfinale haben."

"Das ist ganz großes Kino"

Begeistert war nicht zuletzt sein Manager Herwig Straka, der nach dem verlorenen Auftaktsatz im Tiebreak gegen Djokovic gar nicht mehr auf Thiem gewettet hätte. "Das war Werbung für Dominic Thiem in eigener Sache. Hier vor diesem Weltpodium, wo die Besten der Welt spielen, so ein Match abzuliefern, das ist dann schon ein wahrer Champion. Wenn man zur richtigen Zeit die Spiele gewinnt, gegen Roger und jetzt auch gegen Novak und das auch hintereinander, das ist ganz großes Kino."

Straka erkennt sogar den Ansatz einer Wachablöse. "Was in beiden Matches schön zu sehen war, ist, dass jetzt die Gegner beginnen, Respekt zu haben. Das war etwas, was wirklich neu ist", erklärte der Steirer. Er habe in beiden Spielen des Lichtenwörthers das Gefühl gehabt, dass beide Spieler extrem hohen Respekt haben. "Novak hat im dritten Satz am Anfang wirklich nervös gewirkt. Das ist ein tolles Signal und schon ein bisserl etwas wie die Wachablöse."

Was jetzt kommt, ist Draufgabe

Die vielleicht beeindruckendste Botschaft ist, dass nun entweder der 20-fache Grand-Slam-Sieger Federer oder der 16-fache Major-Champ Djokovic am Samstag im Halbfinale zuschauen müssen. Thiem hat aus der "Hammergruppe" tatsächlich den Gruppensieg davongetragen.

Der zweifache French-Open-Finalist muss sich freilich nach diesen Auftritten auch Fragen zum möglichen Titel gefallen lassen. "Es wäre der größte Titel meiner Karriere. Ich glaube, dass dieses Turnier fast auf dem gleichen Level wie ein Grand-Slam-Turnier ist, weil es so schwer zu gewinnen ist. Du musst hier nur Top-Ten-Spieler schlagen", sagte Thiem, als auch in London schon der Mittwoch begonnen hatte.

Straka sieht den Titel "noch weit weg": "Aber die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass Spieler gewonnen haben, die nicht in den Top 3 waren. Möglich ist vieles." Auch der Turnierdirektor in Wien weiß, was die zwei Erfolge über zwei Superstars en suite wert sind. "Sie sind ein toller Bonus, den er in die Vorbereitung mitnehmen kann."

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