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Nicht von der Rolle: Der Radsport sattelt auf die virtuelle Welt um

06. April 2020 00:04 Uhr

Nicht von der Rolle: Der Radsport sattelt auf die virtuelle Welt um
Matt Hayman: Nach Trainingsfahrten in der Garage Roubaix-Gewinner

Profis auf der ganzen Welt liefern sich derzeit von ihrem Wohnzimmer aus Rennen.

Der Wettkampf-Sport ist weltweit wegen der Coronavirus-Pandemie so gut wie auf Eis gelegt. Nur die Radprofis sind im wahrsten Sinn des Wortes nicht ganz von der Rolle. Mit virtuellen Rennserien, bei denen die Fahrer zuhause in den eigenen vier Wänden auf dem Rollentrainer online gegeneinander radeln, nahm die Szene am vergangenen Wochenende als erste Sportart wieder Schwung auf.

Zugegeben, es war gewöhnungsbedürftig, den weltbesten Klassikerfahrern gestern bei der Übertragung im Internet zuzusehen, wie sie mit 500 Watt und mehr den Oude Kwaremont oder den Paterberg, legendäre Anstiege der Flandern-Rundfahrt, hinaufdonnerten. Eines der Monumente des Radsports wurde nach der Absage virtuell von 13 namhaften Profis gegeneinander ausgefahren. Bild und Ton bei der Eurosport-Übertragung ruckelten, Taktik, Windschatten und Glück spielten diesmal keine Rolle, nur die rohe Kraft, die man zuhause isoliert von der Außenwelt auf die Pedale brachte, zählte am Ende.

Nicht von der Rolle: Der Radsport sattelt auf die virtuelle Welt um
Auch Mathieu van der Poel nützt wie viele Asse die Online-Welt.

Nach 32 Kilometern bei der "Lockdown Edition" der Ronde van Vlandeeren hieß der Gewinner Greg van Avermaet. Der Olympiasieger, wie seine Widersacher immer wieder klein im Bild in einem Zimmer seines Hauses bei der schweißtreibenden Arbeit eingeblendet, hatte seinen Spaß. "Es fühlte sich an wie ein Sprint, der nicht mehr aufhört. Aber es war auch ein super Erlebnis", sagte Van Avermaet im Siegerinterview.

Liga auch in Österreich

Auch in Österreich ist das virtuelle Kräftemessen mit der "eCycling League Austria" losgegangen, fünf heimische Profiteams nehmen an der Serie bis Mai teil. Auftaktsieger wurde Bahnspezialist Felix Ritzinger.

Einige Pioniere erkannten schon früher, dass Training auf der Walze nicht nur im Winter viel bringt. Matthew Hayman bereitete sich schon 2016 nach einem Schlüsselbeinbruch vorrangig in seiner Garage auf die Frühjahrsklassiker vor. Prompt gewann er daraufhin Paris-Roubaix. "Ich habe die Kopfsteinpflaster-Passagen dort perfekt simulieren können", sagt der Australier. Der legendäre Stunden-Weltrekordler Graeme Obree, aber auch der große Eddy Merckx bauten bereits Fahrten auf der Rolle, damals noch ohne den unterhaltsamen Online-Modus, in ihr Training ein. Heute sind aktuelle Rad-Topstars wie Mathieu van der Poel Werbeträger für boomende Internet-Plattformen wie Zwift.

Van Avermaet sprach dann gestern aber auch das aus, was wohl viele seiner Kollegen trotz aller Unterstützung durch die moderne Technik denken: "Wir freuen uns schon wieder auf die Rennen draußen." Auf die heißt es aber noch warten. Vorerst bis 1. Juni hat die UCI alle Bewerbe ausgesetzt.

Bis dahin wird der Wettbewerb auf der Rolle fortgesetzt. Auch die zuletzt abgesagte Tour de Suisse soll nun im Juni zu ihrem Termin online in abgespeckter Version mit Profis stattfinden.

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