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Japanische Muskelspiele

Von Reinhold Pühringer 22. August 2019 09:25 Uhr

Japanische Muskelspiele
Filzmoser und die zurückgetretene Olympiasiegerin Matsumoto

TOKIO. Judo: Ab Sonntag gibt die WM in der wohl "japanischsten" aller Olympia-Sportarten einen Vorgeschmack darauf, was die Welt bei den Sommerspielen 2020 erwartet

Der 11.000 Zuschauer fassende Nippon Budokan glich dieser Tage noch einer Baustelle. Mit einem Videowürfel wurde die Halle im Herzen Tokios für die am Sonntag beginnende Judo-WM "aufgepimpt". Dass die für die Sommerspiele 1964 erbaute Arena – also die Tradition – einen ordentlichen Schuss Hightech verpasst bekommt, kann als Sinnbild verstanden werden, was die Welt bei Olympia 2020 erwartet. 

Diesen Sommer geht eine Vielzahl an "Olympic Test Events" in Japans Hauptstadt über die Bühne. Die Judo-WM ist allerdings mehr als die bloße Simulation des Ernstfalls. Sie ist der Barometer dafür, ob das stolze Japan bei Olympia seine große Stärke demonstrieren kann. Schließlich gibt es keine "japanischere" Sportart unter dem Banner der fünf Ringe als Judo. 145-mal WM-Gold im ewigen Medaillenspiegel – das zweitplatzierte Frankreich hat 52 – belegt das eindrucksvoll.

Experten à la Prohaska

Der öffentliche Fokus auf die Heim-Titelkämpfe ist entsprechend groß. "Die Nationalteamkämpfer sind ständig im Fernsehen", schildert Sabrina Filzmoser, die am Dienstag in der Klasse bis 57 Kilo um eine Medaille und Big Points in der Olympia-Qualifikation kämpft. Die Welserin, die sich bereits seit Anfang der Woche in Japan akklimatisiert, berichtet von Homestorys, Plakaten, Werbespots, Shows oder Kampfsituationen, die nachgestellt und von einer Reihe von "Judo-Prohaskas" fachkundig analysiert werden.

Der Aufwand, der im Judo betrieben wird, ist enorm. Während in Österreich etwa Verband, Heeressportzentrum und Vereine die tragenden Säulen des Spitzensports sind, sind es in Japan abseits der Nationalmannschaft Universitäten und Firmenteams. Konzerne wie Komatsu oder Park24 finanzieren für Marketing- sowie Prestigezwecke Profimannschaften. Deren Betreuung lassen sie sich einiges kosten. "Ich habe am ersten Tag beim Firmenteam von JR mittrainiert. Da waren drei Physiotherapeuten, ein Arzt und neben der Haupttrainerin vier Assistenztrainer in der Halle", spricht Filzmoser von paradiesischen Zuständen. Somit hat jeder einzelne japanische WM-Starter eine ganze Horde an Betreuern und Sportwissenschaftlern hinter sich.

Strenge Geheimhaltung

Auf dieser Struktur setzen der nationale Verband und der staatliche Sportapparat auf. Als deren Hightech-Zentrum gilt Ajinomoto in Tokio, eine Trainingsanlage mit angeschlossenem Spital sowie Institut für Sportwissenschaft. Die dort erarbeiteten Neuerungen gelten als gleichermaßen zukunftsweisend wie streng geheim. Derartig geheim, dass Japans Judo-Verband mit Soichi Hashimoto sogar einen Weltmeister vorübergehend suspendierte, weil er einem Unbefugten Zutritt verschaffte.

Japans Öffnung im traditionsbeladenen Judo hin zur Forschung erfolgte allerdings erst vor einigen Jahren. Ausgang war die "Blamage" von London 2012, als das stolze Mutterland in seiner Domäne erstmals ohne Männer-Gold blieb. "Die danach eingesetzte jüngere Führung hat sehr viel professionalisiert und individualisiert", sagt Filzmoser. Weshalb eine Wiederholung der Schmach von 2012 getrost ausgeschlossen werden kann.

Daniel Allerstorfer sagt für die WM ab

Für Daniel Allerstorfer kommt die Judo-WM nach seiner Schulterverletzung noch zu früh. „Im Training habe ich noch Schmerzen“, begründete der Mühlviertler seine WM-Absage. Damit reduziert sich Österreichs Aufgebot auf zwölf Kämpfer, darunter die beiden Welser Sabrina Filzmoser und Debütant Shamil Borchashvili. Gemäß ihrer Weltranglisten-Position gelten die Niederösterreicherin Michaela Polleres (4.) und der Wiener Stephan Hegyi (11.) als größte ÖJV-Hoffnungen.

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