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„Es wird alles versucht, das Turnier in Linz zu spielen“

Von OÖN-Sport   08. Mai 2020 14:40 Uhr

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Österreichs Nummer eins im Damen-Tennis: Barbara Haas

30 Jahre Upper Austria Ladies Linz: Tennisdirektorin Sandra Reichel kämpft um jenes Event, das für Österreichs Nummer eins, Barbara Haas, ein Saison-Höhepunkt wäre

Die Vorbereitungen für das 30-Jahr-Jubiläum des Tennisturniers „Upper Austria Ladies Linz“ (11. bis 18. Oktober 2020) sind für den Veranstalter bedingt durch die Corona-Pandemie eine Herausforderung der besonderen Art. 

Turnierdirektorin Sandra Reichel ist in ständigem Kontakt mit der Politik sowie der Spielerinnenvereinigung WTA, um die Voraussetzungen für die Durchführung des Linzer Jubiläums-Turniers zu schaffen. „Wir führen derzeit viele Gespräche und prüfen alle Optionen. Es wird alles versucht, um das Turnier in Linz zu spielen. Wir haben ja auch noch fünf Monate Zeit bis es losgehen soll," sagte Reichel. 

Barbara Haas; Österreichs Nummer eins und aktuell 137. der Weltrangliste (im Einzel), würde sich riesig darüber freuen, wenn es noch heuer mit einem Auftritt beim Linzer Event klappen würde. Die 24-Jährige aus Weyer hat einiges zu erzählen.

Wie verbringen Sie aktuell die Zeit ohne Tennisturniere?

Barbara Haas: Ich bin daheim, wie viele andere Menschen auch. Natürlich absolviere ich mein tägliches Trainingsprogramm, um mich körperlich fit zu halten in dieser Selbstisolation. Wegen einer leichten Verletzung im Handgelenk kann ich derzeit nicht Tennis spielen, hoffentlich nächste Woche wieder. Meine Wohnung ist so sauber wie noch nie, und ich koche gerne und viel. Hauptsächlich vegetarische Kost, weil ich mich gesund ernähren will, aber gestern habe ich mir selbst eine Pizza gemacht. Und mein Kaiserschmarrn ist der Beste.

„Dinge, die man als normal erachtet, wieder schätzen zu lernen“

Wann waren Sie zuletzt so lange am Stück in Ihrer Heimat Oberösterreich? Können Sie dieser Zeit auch etwas Positives abgewinnen?

Das war im Jahr 2013. Da hatte ich eine hartnäckige Bindehautentzündung, die ein paar Monate gedauert hat. Was nehme ich Positives mit? Ich hatte Zeit, um einen Reset zu machen. Um Dinge, die man als normal erachtet, wieder schätzen zu lernen. Und ich habe mich mal richtig ausgeschlafen. Ich genieße es in den eigenen vier Wänden. Die Zeit ist bisher recht schnell verflogen.

Wie ärgerlich ist es, dass diese Pause ausgerechnet jetzt kam? Vor nicht allzu langer Zeit hatten Sie mit Platz 133 im WTA-Ranking Ihre beste Karriereplatzierung erreicht. Nach den Achtelfinal-Teilnahmen bei den Thailand-Open und beim 125.000er in Indian Wells waren Sie gerade auf dem Weg unter die Top 100 der Welt.

Im Oktober 2019 war es mein Ziel, unbedingt in Indian Wells und in Miami dabei zu sein, denn dort hatte ich zuvor noch nie gespielt. Ich habe mich dann unglaublich darüber gefreut. Klar war die verordnete Zwangspause kurzzeitig ein Schock, aber „Was wäre gewesen, wenn“ bringt mir nichts. Ich muss die Zeit positiv nützen, um körperlich und mental gut vorbereitet zu sein, wenn die Turniere beginnen. Wann immer das sein wird. Ich hoffe, so schnell als möglich.

Wie schwer ist die finanzielle Belastung für Sie durch die lange Zwangspause, von der man noch nicht weiß, wann sie endet? Die Profispielerinnen sind schließlich alle selbständig und leben ausschließlich von den Preis- und Sponsorengeldern.

Zum Glück habe ich verlässliche Partner wie die Energie AG, die Sporthilfe. Und auch das Autohaus Senker unterstützt mich. Ich bin wirklich sehr froh darüber, denn bei den Turnieren habe ich extrem hohe Ausgaben. Im Moment natürlich viel weniger.

„Ich bin ein großer Federer-Fan“

Zuletzt hat sich Roger Federer via Twitter dafür stark gemacht, dass es eine Fusion zwischen WTA und ATP geben sollte. Eine Idee, die MatchMaker-Gründer Peter-Michael Reichel schon vor langer Zeit kundgetan hatte. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Finde ich super, dass sich Roger dafür einsetzt! Ich bin ein großer Federer-Fan. Es gefällt mir, wie locker er spielt, wie natürlich und sympathisch er geblieben ist. Roger ist eine beeindruckende Persönlichkeit, keiner kann Tennis besser repräsentieren und vermarkten als er.

Wie ist denn derzeit Ihr Informationsstand zum Weitergang des Tenniszirkus und speziell zum „Upper Austria Ladies in Linz“? 

Ich weiß, dass die WTA unterschiedliche Szenarien überlegt, wie der Turnierplan weitergehen könnte. Im Moment hängt alles in der Luft, vor allem mit den eingeschränkten Reisemöglichkeiten. Wir wissen natürlich alle, dass es einen Riesenaufwand bedeutet, ein Turnier zu organisieren, wieviel Arbeit dahintersteckt. Klar ist nur, dass der Tenniszirkus bis zum 13. Juli gestoppt ist.

„Wir alle vermissen die Matches“

Es wird ja auch die Variante von Geisterturnieren diskutiert. Was würden Sie sagen, wenn das Turnier quasi als Geisterturnier gespielt werden müsste?

Geisterspiele sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir alle vermissen die Matches und wären froh, wieder spielen zu dürfen. Andererseits sorgen die Fans auf der Tribüne für eine besondere Atmosphäre, die wir alle sehr genießen. Umso schöner ist es natürlich, wenn sich das auch finanziell auszahlt, denn bei langen Reisen wie etwa nach Australien fallen für uns schon enorme Kosten an.

Turnierdirektorin Sandra Reichel hat gesagt, dass sie das Turnier, wenn es nur irgendwie möglich ist, ausrichten möchte. Was bedeutet Ihnen persönlich dieses Turnier in Ihrer Heimat? 

Wunderschön, dass es dieses Weltklasseturnier in einer Stadt gibt, in der man wohnt, lebt, trainiert. Für mich ist dieses Heimturnier eine große Herausforderung, und ich freue mich jedes Jahr über die große Unterstützung des Publikums. Es überrascht mich auch sehr, wie viele junge Mädels mich über Social Media kontaktieren.

Wie jung waren Sie, als Sie das erste Mal vom WTA-Turnier in Linz gehört haben? Waren Sie schon als Schulkind oder mit dem ÖTV als Nachwuchsspielerin unter den Zuschauern live dabei, oder haben Sie im Fernsehen zugeschaut?

Wie jung war ich? Zehn oder elf Jahre war ich wohl, als ich mit meinen Eltern aus Weyer nach Linz gefahren bin und mich mein Papa zum Turnier mitgenommen hat. Da ist gerade die Qualifikation gelaufen, es war freier Eintritt, und mir hat`s voll getaugt. Eine schöne Erinnerung für mich, und der Wunsch, hier selbst einmal zu spielen, ist immer stärker geworden. Ja, Tennis im Fernsehen war natürlich auch ein Pflichtprogramm.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an das „Upper Austria Ladies Linz“?

Ein Highlight war im Vorjahr der Einzug ins Doppelfinale mit meiner Schweizer Partnerin Xenia Knoll. Ein Mega-Erlebnis war unser Sieg im Halbfinale gegen die Amerikanerinnen Cori Gauff/Catherine McNally.

„Ich weiß, dass ich mich daheim auf ein Super-Umfeld verlassen kann“

Was haben Sie in der coronabedingten Pause am meisten vermisst? Und welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt, auch im Hinblick auf Ihr späteres Leben? 

Im Tennis habe ich das spezielle Gefühl vor und nach den Spielen am meisten vermisst: Dieser Kick, das Adrenalin, der Matchrhythmus! Abgesehen vom Tennis ist es sehr schade, dass ich meine Großeltern nicht besuchen durfte. Gerade jetzt, wo ich viel Zeit dazu hätte. Eine Zeit, die ich, wie erwähnt, mit viel Kochen genieße. Und wenn ich mal meine Karriere beende, dann weiß ich, dass ich mich daheim auf ein Super-Umfeld verlassen kann. Das ist mir in dieser turbulenten Zeit wieder so richtig bewusst geworden.

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