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Die Nacht der Emotionen in Gmunden

Von Alexander Zambarloukos  21. Dezember 2021 00:04 Uhr

Die Nacht der Emotionen in Gmunden
"Heimkehrer" Enis Murati im Duell mit Daniel Köppel (re.)

GMUNDEN. Standing Ovations für den Ex-Kapitän und ein herzlicher Empfang für den operierten Coach.

Auch wenn Basketball-Meister Gmunden im Superliga-Schlager gegen Titelfavorit BC Vienna mit 74:94 das Nachsehen hatte, klang Stolz bei den Verlierern durch. Stolz auf die 900 Fans, die bei der Rückkehr in die Volksbank-Arena nach dem Lockdown ein vorbildliches und herzliches Verhalten an den Tag legten.

Enis Murati, der 16 Jahre lang das Trikot der Swans getragen hatte, erschien zum ersten Mal als Gegner am Traunsee und spielte nach Startproblemen eine tragende Rolle mit 16 Punkten, vier Rebounds und sechs Assists. Kaum jemand hat ihm das übel genommen. Der 33-jährige Ex-Kapitän der Swans wurde an seiner ehemaligen Wirkungsstätte mit Standing Ovations und dem Transparent "Enis Murati Basketballgott" empfangen. Der einzige Seitenhieb waren die Dollarzeichen, die die Augen seines Konterfeis zierten. Der österreichische Nationalspieler verdient beim BC Vienna deutlich mehr als zuvor in Gmunden.

Doch in dieser Sonntagnacht ging es nicht um Geld, sondern um pure Emotionen, die sogar den oft aneckenden Wiener Manager Petar Stazic Strbac nicht kaltließen. "Ich will mich beim Gmundner Publikum bedanken, es gab keinen einzigen Buhruf gegen Enis", betonte der Macher im Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky.

Murati selbst hatte die eine oder andere Träne in den Augen – das lag auch an der Freude über das Wiedersehen mit Coach Anton Mirolybov. Die beiden wuchsen auf dem Weg zu Gmundens Meistertitel 2020/21 zusammen.

Nicht nur für Murati und die Fans war es ein Comeback, sondern auch für den finnischen Trainer, der nach zwei schweren Operationen in der Halle auftauchte.

Die Nacht der Emotionen in Gmunden
Coach Anton Mirolybov und Stephon Jelks (re.)

Dass der 44-Jährige wieder an Bord sein kann, ist für alle Swans so etwas wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Mirolybov, der im Juni mit der Diagnose Darmkrebs konfrontiert wurde, ist jetzt krebsfrei. Der Finne strotzt auch schon wieder vor Tatendrang. In der Pause analysierte er das Gesehene mit seinem Assistenten Aleksi Koskinen, nach dem Match diskutierte er mit US-Legionär Stephon Jelks. Es gibt einiges aufzuarbeiten vor dem Derby am Stefanitag (19 Uhr) auswärts gegen die Raiffeisen Flyers Wels.

"Der Coach war schon immer ein Kämpfer", sagte Murati: "Ich bin so stolz auf ihn, wie er sich jetzt durchfightet, und froh, so einen Menschen zu kennen." Als er das aussprach, zitterte die Stimme. Die Gesamtsituation schien den Routinier zu überwältigen. "Ich wusste nicht, was auf mich zukommen würde. Ich kann allen Swans nur Danke sagen."

Auch die Welser "Korbjäger" dürfen heute (18.30 Uhr) im Alpe-Adria-Cup-Match gegen Sibenik ihre treuen Fans wieder begrüßen. Ein Comeback von Kapitän Davor Lamesic, der an den Folgen einer Corona-Erkrankung laboriert, ist aktuell nicht absehbar.

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Alexander Zambarloukos

Redakteur Sport

Alexander Zambarloukos

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