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Die Auferstehung des Rafael Nadal

29. Januar 2022 00:05 Uhr

Die Auferstehung des Rafael Nadal
Geballte Kraft: Rafael Nadal kämpfte sich in das Finale der Australian Open. Die Chance auf den 21. Grand-Slam-Titel lebt.

MELBOURNE. Im Dezember war ungewiss, ob der Spanier je wieder Profi-Tennis spielt. Morgen greift er in Melbourne nach einem Rekord-Titel.

Dass die Australian Open mit dem Versuch eines Mannes enden, seinen 21. Grand-Slam-Titel zu holen, daran hatten nach dem bizarren Schauspiel rund um die letztlich verweigerte Einreise von Novak Djokovic nicht mehr viele geglaubt. Nicht einmal Rafael Nadal selbst. Für den Spanier geht es nach seinem gestrigen 6:3, 6:2, 3:6, 6:3 im Halbfinale über Matteo Berrettini morgen (9.30 Uhr live auf Eurosport) aber tatsächlich um die alleinige Spitzenposition in der ewigen Bestenliste der meisten Major-Siege. In den Weg stellt sich Daniil Medwedew, der Stefanos Tsi-tsipas mit 7:6(5), 4:6, 6:4 und 6:1 die Grenzen aufzeigte.

13 Jahre nach seinem bisher einzigen Melbourne-Titel hat Nadal nun recht unverhofft die Chance nachzulegen. "Vor eineinhalb Monaten wusste ich nicht, ob ich es schaffe, wieder auf die Tour zurückzukommen, weil wir das Problem nicht lösen konnten", spielte der 35-Jährige auf das Müller-Weiss-Syndrom an. Dabei verformt sich das Kahnbein im Fuß, was Nadal monatelang außer Gefecht setzte. Erst im Dezember hatte er sich mit einer Exhibition in Abu Dhabi zurückgemeldet. Zu allem Überdruss fing sich der Mallorquiner dort eine Coronainfektion ein.

Die Auferstehung des Rafael Nadal
Daniil Medwedew

Harte Monate liegen hinter Nadal, der die Dinge nun ein wenig anders – ein wenig entspannter – sehe: "Es ist ein Geschenk, einfach hier zu sein und Tennis zu spielen. Am Ende des Tages, ich bin ehrlich, ist es für mich wichtiger, wieder die Chance zu haben, Tennis zu spielen als den 21. Titel zu gewinnen."

Der Stier hat noch Kraft

Der Sieg über Berrettini war Nadals 500. auf Hartplatz sowie sein 50. Erfolg bei einem Major über einen Top-Ten-Spieler. Dabei hatte er sich nach dem Fünf-Satz-Krimi im Viertelfinale gegen Denis Shapovalov als "zerstört" bezeichnet. Gegen den Kandier war Nadal im dritten Satz wegen Magenproblemen körperlich eingebrochen. Vor diesem Hintergrund spielte es dem Altstar in die Karten, als der Regen die Temperatur vor dem Halbfinale von 32 auf 22 Grad senkte.

Hitzig waren indes einige Wortmeldungen Medwedews bei dessen Sieg über Tsitsipas. Der an Nummer zwei gesetzte Russe beschwerte sich bei Schiedsrichter Jaume Campistol, dass dieser das unerlaubte Coaching vom Vater des Griechen ahnden solle. "Du bist so schlimm, Mann", sowie "Wie kannst du so schlecht sein im Halbfinale eines Grand Slams?", schimpfte Medwedew in Richtung des Unparteiischen. Im vierten Satz machte der amtierende US-Open-Sieger den Sack zu. Unmittelbar nach dem ersten Major-Titel seiner Karriere gleich wieder in ein Grand-Slam-Finale einzuziehen, war mit Andy Murray (2013 in Melbourne) erst einem Spieler im modernen Tennissport gelungen.

Djokovic hat für Dubai genannt

Gewinnt Medwedew das Endspiel, wird er Novak Djokovic an der Weltranglistenspitze ablösen. Geht die Partie an Nadal, ist dieser vor dem Serben und Roger Federer alleiniger Grand-Slam-Rekordhalter. Eine Ausgangslage, bei der "Djoker" nur verlieren kann. "Ich denke, Novak wird dieses Match auch anschauen", sagte Medwedew gestern grinsend.

Djokovic legte nach seiner Ausweisung aus Australien eine Nachdenkpause in seiner Heimat ein. Wie gestern bekannt wurde, wird er beim ATP-Turnier in Dubai von 14. bis 26. Februar auf die Tour zurückkehren wird. Das Event in den Emiraten hat der nicht geimpfte 34-Jährige bisher fünf Mal gewinnen können.

Linz-Semifinalistin Danielle Collins träumt von der Sensation in Melbourne

Unverhofft kommt oft. Danielle Collins hat ihre Erwartungen bei den Australian Open in Melbourne längst übertroffen und sensationell das Finale erreicht. Heute (9.30 Uhr, ServusTV) ist die 28-Jährige allerdings krasse Außenseiterin gegen Lokalmatadorin Ashleigh Barty, die Tennis-Weltranglistenerste stürmte ohne Satzverlust in das Endspiel und könnte Australien den ersten Heim-Grand-Slam-Titel seit 1978 – damals triumphierte Chris O’Neill – bescheren. „Ich werde rauskommen und es mit einem großen Grinsen im Gesicht genießen“, betonte Barty, die nach außen hin keinerlei Druck verspürt. Zwei Major-Triumphe hat die 25-Jährige schon auf dem Konto, 2019 siegte sie bei den French Open, im Vorjahr in Wimbledon.

Collins ist für österreichische Tennisfans keine Unbekannte. Die Nummer 30 der Welt schlug im November 2021 beim Upper Austria Ladies in der Linzer TipsArena auf, dort stoppte sie erst im Semifinale eine Verletzung. Gegen Landsfrau Alison Riske musste Collins beim Stand von 5:7 aufgeben. Riske sollte sich einen Tag später die Trophäe auf der Gugl sichern. Diesmal ist Collins topfit und bereit, die hochfavorisierte Barty zu ärgern. Einmal ist ihr das schon ganz ausgezeichnet gelungen. Im Head-to-head führt zwar Barty 3:1, das jüngste Kräftemessen am 24. Februar 2021 in Adelaide ging aber an Collins, die mit 6:3, 6:4 die Oberhand behielt. Heute werden die Karten neu gemischt.

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