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„Wir haben ein Riesenproblem“

Von Von Christoph Zöpfl   29. Mai 2009 00:04 Uhr

„Wir haben ein Riesenproblem“
Prävention statt Resignation

LINZ. Andreas Schwab (56), Geschäftsführer der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), sieht keinen Grund, nach dem Outing von Ex-Rad-Profi Bernhard Kohl seine Arbeit zu hinterfragen. Die OÖN erreichten ihn im Urlaub in Schottland.

OÖN: Bernhard Kohl hat am Montag erzählt, er sei bei rund 200 Doping-Tests hundert Mal gedopt gewesen, aber nur zweimal erwischt worden. Hat da ein Doping-Test überhaupt noch einen Sinn?

Schwab: Sicher. Es fahren auch im Straßenverkehr viele alkoholisiert, weil sie nicht erwischt werden. Soll man deswegen die Alkoholkontrollen einstellen?

OÖN: Im Gegensatz zum Doping funktioniert da aber der Kontrollmechanismus.

Schwab: Ich gebe zu, wir haben ein Riesenproblem mit der Analyse. Von 220.000 Kontrollen der WADA (Anm.: Welt-Anti-Doping-Agentur) sind nicht mehr als zwei Prozent positiv. Marion Jones (Anm.: Die US-Leichtathletin gab vor Gericht systematisches Doping zu) wurde während ihrer Karriere rund 160 Mal kontrolliert und war immer negativ. Sie ist dann erst über eine Falschaussage vor Gericht gestolpert. Wir unternehmen große Anstrengungen auf dem Gebiet der Forschung, um auch neue Substanzen nachweisen zu können.

OÖN: Glauben Sie, dass – wie von Kohl behauptet – der gesamte Ausdauersport doping-verseucht ist? Kann man als sauberer Sportler überhaupt noch Weltklasse sein?

Schwab: Ich bin der Meinung, dass es in einigen Bereichen noch Potenziale gibt, die ein Sportler ausschöpfen kann. Die Sportmedizin, die Trainingswissenschaft, die mentale Betreuung oder die Lebensweise – wer hier alle Möglichkeiten optimiert, kommt auch ohne Doping irrsinnig weit.

OÖN: Bis in die Weltklasse?

Schwab: Ja, natürlich.

OÖN: Auf die Treffsicherheit der Kontrollen kann die WADA offensichtlich nicht setzen. Was ist dann die schärfste Waffe der Doping-Jäger?

Schwab: Die Aufklärung und die Prävention. Du kannst nur hoffen, dass die jungen Sportler so schlau sind, dass sie für Ruhm und Ehre nicht Leben und Gesundheit aufs Spiel setzen. Schauen Sie sich nur die Lisa Hütthaler an (Anm.: Die 25-jährige Triathletin hat jahrelangen Doping-Missbrauch gestanden). Sie hat katastrophale gesundheitliche Werte. Die hat ihren Körper zerstört und weiß heute nicht, ob sie jemals ein Kind bekommen kann. Wissen Sie, welche Lebenserwartung Tour-de-France-Profis der letzten zwanzig Jahre haben? Eine Untersuchung gibt denen 52 Jahre. Das ist ein Wahnsinn.

OÖN: Sie setzen notgedrungen bei den jungen Sportlern an. Und was ist mit den älteren?

Schwab: Die sind eh schon verloren, wenn sie da drinnen im System sind und glauben, dass es anders nicht geht. Die sagen, der Schwab soll eine Ruhe geben, der Schwab kennt sich nicht aus. Aber der Schwab kennt sich aus, glauben Sie mir. Ich bin mit dieser Szene groß geworden (Anm.: Schwab war 1976 bei Olympia in Innsbruck als Bobfahrer am Start).

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