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Vor dem Sprung in die Erstklassigkeit

GRAZ. Tennis-Davis-Cup: Nach dem krankheitsbedingten Ausfall des Australiers Millman ist Österreich ab heute in Graz leichter Favorit. Publikumsmagnet Thiem startet um 11 Uhr.

Thiem sagt gerne Ja zu A(ustria)

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem spielt in Graz auf. Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/ELSA

Aufschlag Dominic Thiem. Österreichs Tennis-Star eröffnet heute (11 Uhr, ORF Sport+) auf dem schmucken und mit 6000 Zuschauern ausverkauften Centre Court im Grazer Messegelände das Davis-Cup-Weltgruppen-Play-off gegen Australien. "Keine Frage, ich will vorlegen und meine gute US-Open-Form ausspielen", betont der 25-jährige Weltranglistenachte vor dem Duell mit dem etwas jüngeren Jordan Thompson (24), der im ATP-Ranking nur auf Position 111 zu finden ist.

Im Anschluss trifft Dennis Novak (WRL-Nr. 133) auf Alex de Minaur (WRL-Nr. 38). Und was ist mit John Millman (WRL-Nr. 37), der kürzlich in Flushing Meadows mit einem Sieg über Roger Federer sensationell ins Viertelfinale vorstieß? Der Shooting-Star ist erkrankt, sein Ausfall steigert die rot-weiß-roten Aufstiegschancen.

Verregnetes Geduldspiel droht

Thiem fokussiert sich auf seine eigenen Stärken. Auf Sand ist der French-Open-Finalist eine Macht und im ATP-Zirkus der "Kronprinz" des großen Rafael Nadal: "Natürlich ist das mein Lieblingsbelag. Aber mein Anspruch muss es sein, auch auf Hartplatz, auf Rasen und in der Halle stark und dominant aufzutreten. Da bin ich – glaube ich – auf einem guten Weg", sagte Thiem, der sich heute vielleicht in Geduld üben muss.

Das hat vor allem mit der bescheidenen Wetterprognose zu tun. Die Meteorologen kündigen für die steirische Hauptstadt Regenschauer und vereinzelt Gewitter an. "Darauf habe ich keinen Einfluss, es ist wie es ist", zuckt der "Dominator", der am Mittwoch im Training bei knapp 30 Grad noch mit nacktem Oberkörper auf die Bälle "Marke Roland Garros" eingedroschen hat, mit den Schultern. "Die Bedingungen hier sind wirklich geil, ein bisschen ähnlich wie in Paris." Keine Konstante ist Thiems Gegenüber Thompson, der in der bis dato einzigen Begegnung bei den Australian Open 2017 in Runde zwei mit 2:6, 1:6, 7:6 (4), 4:6 das Nachsehen hatte.

"Leidensgenossen"

Novak und der erst 19-jährige De Minaur, der heuer in Nottingham (auf Rasen) seinen ersten ATP-Challenger-Titel erobert hat, stehen einander zum ersten Mal auf dem Platz gegenüber. Der australische Rookie ist bereits mit der speziellen Davis-Cup-Atmosphäre vertraut. Im Februar lieferte sich De Minaur (auf Sand) ein episches Duell mit dem Deutschen Alexander Zverev, der erst nach 3:54 Stunden mit 7:5, 4:6, 4:6, 6:3 und 7:6 (4) gewann.

Auch Thiem hatte in einem denkwürdigen Krimi das Nachsehen, nur ist die Erinnerung noch frischer. Vor neun Tagen unterlag der Niederösterreicher im US-Open-Viertelfinale Nadal im Tiebreak des fünften Satzes. Hat diese Niederlage Narben hinterlassen? "Nein, überhaupt nicht", kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Die Leistung hat ja gepasst." Heute soll das wieder so sein. Auf dem Weg zum wichtigen 1:0 ...

 

Thiem sagt gerne Ja zu A(ustria)

Dominic Thiem hat eine positive Tennis-Davis-Cup-Bilanz. Von seinen neun Einzeln gewann der 25-Jährige sechs, im Doppel entschied er eine von drei Partien für sich. "Es ist immer eine Ehre, für Österreich spielen zu dürfen. Ich bin wirklich sehr gerne ein Teamplayer", sagte der Lichtenwörther, der 2014 in der Slowakei (1:4) debütiert hatte. Damals noch ohne Erfolg. Thiem verlor sein Single gegen Norbert Gombos in vier Sätzen, im Doppel hatte er an der Seite von Alexander Peya in fünf das Nachsehen.

Längst hat sich das Blatt gewendet. Mit Thiem sind die rot-weiß-roten Chancen ungleich höher. Gleiches gilt für das Publikumsinteresse. "Gemma Thiem schau’n" ist in, das Stadion in Graz wird heute aus allen Nähten platzen. "6000 Leute, die nur für uns sind – das ist etwas ganz Besonderes", betonte der 25-Jährige. Auch seinem Kumpel Dennis Novak (Davis-Cup-Einzelbilanz 3 Siege, 2 Niederlagen) ist Feuer und Flamme: "Die Fans sind ganz bestimmt unser großes Plus."

 

Der Verlierer weiß vielleicht erst im Oktober, ob er aufsteigen darf

Der Verlierer weiß vielleicht erst im Oktober, ob er aufsteigen darf

Eine Ära geht zu Ende. Der Tennis-Davis-Cup, der seit dem Jahr 1900 Länderspiel-Atmosphäre in aller Welt serviert, ist als Auslaufmodell abgestempelt worden und liegt in seiner herkömmlichen Form in den letzten Zügen. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die bei der Premiere ihren ersten von insgesamt 32 Titeln in Boston (3:0 gegen die Britischen Inseln) erobert haben, werden als "Rekord-Champion der alten Schule" in die Geschichte eingehen. Von den im Nationen-Ranking zweitplatzierten Australiern (28 Erfolge) können sie – völlig unabhängig vom Ausgang deren Begegnung mit Österreich in Graz – nicht eingeholt werden.

120 Millionen Dollar pro Jahr

Nach 118 Jahren wird der Bewerb auf völlig neue Beine gestellt – und zwar schon 2019. Fußball-Star Gerard Piqué vom FC Barcelona hatte mit der von ihm gegründeten Investment-Gruppe Kosmos einen 25-Jahre-Deal in Aussicht gestellt, der bei der Abstimmung im August die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit (konkret 71,43 Prozent) bekam. 120 Millionen Dollar sollen über diesen Zeitraum jährlich an den Internationalen Tennisverband ITF fließen.

Das Geld hat die Tradition ausgestochen. Bereits im kommenden Jahr wird es keine Weltgruppe mit 16 Teams mehr geben. Stattdessen ermitteln im Februar 24 Nationen mit Heim- oder Auswärtspartie zwölf der 18 Teilnehmer am großen Finalturnier (gegen Saisonende). Schlägt Österreich Australien, ist ein Platz in den Top 24 und damit die Rückkehr in die Erstklassigkeit nach sechs Jahren garantiert.

Unter Umständen könnte sogar eine Niederlage reichen. Und zwar dann, wenn es sich über das Nationen-Ranking ausgeht. Doch das würde der rot-weiß-rote Verband frühestens am Montag erfahren, vielleicht aber auch erst im Oktober. Dann stehen nämlich noch zwei Duelle der Europa-Afrika-Zone I auf dem Programm.

"Der Bewerb ist tot"

Es ist also ein äußerst kompliziertes Prozedere, am neuen Format scheiden sich generell die Geister. Einer der Reform-Befürworter ist Österreichs Nummer eins, Dominic Thiem: "Alle Leute reden von den ganz großen Davis-Cup-Partien, aber das waren vielleicht eine oder zwei. Von den 40 Partien in St. Anton vor 1000 Zuschauern spricht keiner. Der Davis-Cup hat mir in den vergangenen Jahren nicht getaugt."

Einen anderen Zugang zu dieser Causa hat Thiems Betreuer Günter Bresnik: "Erstens mag ich nicht, wenn sich jemand verkauft. Und zweitens mag ich nicht, wenn das Herz von einem Bewerb rausgerissen wird. Das Herz ist das Heim- und Auswärtsspiel. Jetzt gibt es bei diesem Finalturnier keinen Belagsvorteil mehr, eine besondere Heimstärke wird es auch nicht mehr geben. Der Bewerb ist tot. Der heißt noch so, aber er ist tot."

Auch Jürgen Melzer, der morgen im Doppel seinen 75. Einsatz in seinem 35. Länderkampf haben wird, blutet das Herz: "Die Gier hat gegen die Tradition gewonnen. Ich habe Muster vor 17.000 Zuschauern Agassi schlagen gesehen. Und von diesem Tag an war es mein Ziel, diese Dress zu tragen und unsere Farben zu vertreten."

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Artikel Alexander Zambarloukos 14. September 2018 - 00:04 Uhr
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