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Vier Jahre nach Olympia in Sotschi: Was blieb von den Milliarden-Spielen?

Von OÖN-Sport/APA   02. Februar 2018 13:53 Uhr

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sollten der Welt Russlands Stärke demonstrieren.
Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sollten der Welt Russlands Stärke demonstrieren.

SOTSCHI. In knapp einer Woche werden die XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang eröffnet. Rund 11,2 Milliarden Euro kosten auch diese Spiele und sind damit extrem teuer. Doch vor vier Jahren hat Sotschi mit 51 Milliarden wohl einen Allzeit-Rekord aufgestellt. Nie wieder soll die Austragung eines Sport-Events so viel Geld kosten. Was ist aus der Stadt am Schwarzen Meer geworden?

Ein Wintertag in Sotschi, vier Jahre nach den Olympischen Winterspielen in dem subtropischen Ferienort im Süden Russlands. Der weitläufige Olympiapark, Herzstück der Spiele, liegt verlassen. Alexander Scherenow muss mit seiner Elektro-Rikscha lange warten, bis er für 500 Rubel (7 Euro) einen Gast durch die Sportstätten von 2014 kutschieren kann. "Im Sommer kommen mehr Touristen", sagt er.

An Sotschi scheiden sich bis heute die Geister. Russland und sein Präsident Wladimir Putin gaben die Rekordsumme von rund 51 Milliarden Euro für das Prestigeprojekt aus. Die Gigantomanie, mit der die Region zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus zugebaut wurde, hat andere potenzielle Olympia-Ausrichter verschreckt. Auch die Planer in Südkorea versuchten, bescheidener zu sein.

Zudem hat der Skandal um russisches Doping das Bild von Sotschi verdunkelt. Dagegen sehen viele Russen die Winterspiele 2014 weiter als gelungenes großes Fest mit einem verdienten Sieg der Gastgeber in der inoffiziellen Nationenwertung.

Was nur noch Boney M. gelang

Scherenows Elektro-Vehikel surrt auf den eiförmigen Großen Eispalast zu, eine Mehrzweckarena für 12.000 Zuschauer. "Hier wird immer noch Eishockey gespielt", sagt er. Der Klub HK Sotschi, gegründet 2014, trägt hier seine Spiele aus. Manchmal spielt Putin mit prominenten Freunden Eishockey. Außen am Eispalast kündigt ein Banner einen WM-Kampf im Boxen an. Aber der Fremdenführer sagt auch: "Die Halle ist seit damals nur einmal richtig voll gewesen. Da gab es nach dem Hockey ein Konzert von Boney M."

Ähnlich leer stehen die anderen Eishallen. Drei hätten abgebaut und in andere Städte gebracht werden sollen. Doch das war nach den Olympia-Ausgaben selbst Russland zu teuer. Nun betreibt Tennis-Star Jewgenij Kafelnikow in der Eisschnelllauf-Arena ein Trainingszentrum. In der Curling-Halle gibt es Comedy. Aber der Wintersport hat seit 2014 einen Bogen um Sotschi gemacht.

Das Video zeigt Drohnen-Aufnahmen aus dem Jahr 2016:

Einmal im Jahr kreist die Formel-1 durch den Olympiapark, den Rest der Zeit zerschneidet ihre abgesperrte Strecke das Gelände nur. Immerhin wird das für Fußball umgebaute Olympia-Stadion genutzt. In der Fischt-Arena und einem nahen Strandhotel fühlte sich die deutsche Nationalelf schon zum Confederations Cup 2017 wohl. Bei der WM 2018 finden sechs Spiele in Sotschi statt, darunter auch am 23. Juni Deutschland gegen Schweden. Aber danach ist die Zukunft des Stadions ungewiss.

Aus dem Anti-Doping-Labor wurde eine Bar

Mitten im Park steht wie ein großer Schwanenhals die Säule, die 2014 das olympische Feuer trug. Am Ort der Siegerehrungen zeigt Scherenow Erinnerungsplaketten an die Gewinner von Gold, Silber und Bronze. "Hier, da sind die russischen Namen schon weg", sagt er. Ob abgekratzt oder nur verblichen: Wegen mutmaßlichen Dopings hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) mehreren Sotschi-Siegern zwischenzeitlich die Medaillen aberkannt. Letzter Stand aber ist, dass das Internationale Sportgericht CAS die Strafen aufgehoben hat.

In das Anti-Dopinglabor zwei Straßen weiter ist eine Bar eingezogen. Wo damals verdächtige russische Proben ausgetauscht worden sein sollen, gibt es jetzt Cocktails. Sie heißen selbstironisch "Meldonium" und "B-Probe", gemixt aus Sambuca, Tequila und Tabasco.

Trotz der Probleme ist nicht zu übersehen, dass Olympia der Region Sotschi mit ihren 400.000 Einwohnern einen Entwicklungsschub verpasst hat, auch wenn er gewaltsam und teuer war. Die neue Infrastruktur wird genutzt, die besseren Straßen, die Bahnlinie zu den Skigebieten im Tal von Krasnaja Poljana. Und es wird weiter gebaut, auch wenn längst nicht alle Ferienwohnungen im olympischen Dorf verkauft sind.

„Es ist wie in Österreich“

Sotschi ist zu einem Vorort von Moskau geworden, man fliegt zwei Stunden für ein Wochenende mit Wärme und Sonne in den Süden. Putin hat in den letzten Jahren viel Arbeitszeit in seiner Residenz oberhalb der Stadt verbracht und empfängt dort Staatsgäste.

Der Plan ist aufgegangen, im Kaukasus nahe Sotschi Ski-Tourismus anzusiedeln. Die Hotels mit den Großstadtfassaden, das Casino in dem engen Tal des Bergflusses Msymta mögen befremdlich wirken, aber sie stehen nicht leer wie befürchtet. Er komme seit vier Jahren, erzählt ein Skifahrer aus Kaluga südlich von Moskau. "Es ist wie in Österreich. Aber das hier haben ja auch Österreicher gebaut."

Die nordischen Sportarten sind im Kaukasus nicht heimisch geworden. Der Gaskonzern Gazprom hat das Zentrum für Langlauf und Biathlon in ein Ferienresort für Alpin-Ski verwandelt. Ungenutzt, gespenstisch still stehen die Sprungschanzen über dem Dorf Estosadok. War es nötig, dafür eine ganze Bergflanke mit Beton zuzuschütten?

An den Schauplätzen der Alpin-Wettbewerbe oberhalb von Rosa Chutor herrscht reger Skibetrieb, auch wenn in Russland Anfang Februar gar keine Ferien sind. "Jetzt überqueren wir die Damenabfahrt", sagt ein Fahrgast in der Gondelbahn auf halber Strecke zur Aibga-Bergkette. Weit oben in 2.045 m Höhe liegt der Start der Herren-Abfahrt. Die beiden Abfahrtsstrecken, entschärft, aber immer noch als schwarz und schwierig markiert, sind ein Höhepunkt für russische Skifahrer.

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