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Reich und Arm: In Linz prallen zwei Karate-Welten aufeinander

Von Roland Vielhaber   29. Oktober 2016

Reich und Arm: In Linz prallen zwei Karate-Welten aufeinander
Der erfolgreichste Karate-Kämpfer der Welt, Rafael Aghayev

LINZ. Die Heim-WM: Der Superstar der Szene, Rafael Aghayev aus Aserbaidschan, greift nach seinem 5. WM-Titel – Österreichs Asse schlagen sich trotz überschaubarer Mittel stark.

Die Autogramm-Stunde in der TipsArena war für 14 Uhr angesetzt. Doch der Superstar der Karate-Szene ließ Dutzende Fans auf sich warten. Dann endlich kam er: Rafael Aghayev (31) aus Aserbaidschan. Der Mann, der heute nach seinem fünften WM-Titel im Kumite greift. Einer, der ausgesorgt hat. Im Gegensatz zu Österreichs Assen. Mit Alisa Buchinger, Bettina Plank und Kristin Wieninger hat trotzdem ein Trio Medaillenchancen – dank unglaublicher Disziplin und großartigem Einsatz, trotz teils sehr überschaubaren finanziellen Möglichkeiten.

Einblick in Aghayevs Leben hat kaum jemand. 500.000 Euro soll der zehnfache Europameister von seinem Heimatland allein für den Sieg bei den European Games in Baku kassiert haben. Für WM- oder EM-Titel erhält er angeblich Luxus-Autos oder Häuser sowie ein fürstliches Monatsgehalt, wird in Karate-Kreisen erzählt. Und dass er so viele Sponsoren haben soll, dass er sie selbst nicht aufzählen kann. Aghayev selbst hüllt sich dazu in Schweigen.

"Fix ist, dass er mit seinem Stil und seinen Erfolgen den Karatesport geprägt er", sagt Österreichs Kumite-Nationaltrainer Manfred Eppenschwandtner. Und dass Österreich mit 14.000 Aktiven in der Karate-Welt in der David-Rolle sei: "Im Iran gibt es drei Millionen Karatekas, in Indonesien sogar acht Millionen." Und Japan sei sowieso das Mutterland dieses Sportes: "Dort ist die interne Quali oft härter als das Großereignis selbst." Die Athleten fänden entsprechend große Unterstützung.

"Wir können schon stolz sein"

Die rot-weiß-roten Sportler halten mit Einsatz dagegen. Wer erfolgreich sein will, betreibt enormen Aufwand. Zwei Mal pro Tag wird trainiert. Viele Athleten wie Bettina Plank wechseln den Wohnort (Linz statt Feldkirch), um bessere Möglichkeiten vorzufinden.

Oft geht es finanziell an die Grenzen. "Siehst du irgendein Pickerl auf meinem Kampfanzug?", antwortet Plank mit einer Gegenfrage, als sie auf Sponsoren angesprochen wird. "Ohne Anstellung beim Bundesheer wäre eine Karate-Karriere nicht möglich", fügt sie hinzu. Das sagt auch Thomas Kaserer: "Als ich eine EM-Medaille gewonnen habe, habe ich 350 Euro Prämie bekommen." Alisa Buchinger findet wenigstens Unterstützung bei einem Salzburger Getränkehersteller.

"Insgesamt können wir schon stolz sein, was wir mit unseren Mitteln erreichen", sagt Eppenschwandtner. "In Zentren wie in Salzburg und Wels wird richtig gut gearbeitet", sagt OK-Chef Ewald Roth. Nachsatz: "Reich wird bei uns mit Karate aber keiner."

 

Karate-WM

16 Entscheidungen gibt es insgesamt bei dieser Karate-Weltmeisterschaft (Kata und Kumite) in Linz. Die letzte Weltmeisterschafts-Medaille für Rot-Weiß-Rot gewann die Salzburgerin Alisa Buchinger vor zwei Jahren in Bremen, davor blieb Österreich 16 Jahre lang ohne einen Stockerplatz.

Der WM-Fahrplan, heute: Start ab 9.30 Uhr; 12.26 Uhr: Alisa Buchinger (–68 kg, Finale); 15.30 Uhr: Kristin Wieninger (Kata um Bronze) 16.15 Uhr: Bettina Plank (–50 kg um Bronze). Sonntag: Ab 9 Uhr: Bronzemedaillen-Kämpfe; ab 12 Uhr Finali; 13.30 Uhr: Mendy Swoboda (Para-Kata).

ORF Sport+ überträgt an beiden Tagen live aus der Linzer Tips-Arena.

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