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Fußball Unterhaus

So verhindert der Verband Legionärs-Mannschaften

Von Harald Bartl und Günther Mayrhofer   22. November 2012 00:04 Uhr

Nächste Niederlage für Dietach: Es muss ein Strafraumstürmer her!

LINZ. Mit der neuen „Verbandsspielerregelung“ werden Spieler bevorzugt, die seit 5 Jahren in Österreich gemeldet sind.

Ein riesiges Echo gab es auf die OÖNachrichten-Geschichte zum Ende der Ausländerbeschränkung im Fußball-Unterhaus, welche der ÖFB am 14. Dezember beschließen wird. Der oberösterreichische Verband ist jetzt gefragt. Präsident Willi Prechtl verrät die Strategie, wie man sich vor einer Legionärsflut schützen will.

 

OÖNachrichten: Wie reagiert der Verband, um elf Legionäre in einer Mannschaft im Unterhaus verhindern zu können?

Prechtl: Es ist angedacht, eine „Verbandsspielerregelung“ einzuführen. Das heißt: Von den 16 Spielern auf dem Spielbericht müssen 14 seit fünf Jahren beim ÖFB gemeldet sein. Damit ist garantiert, dass wie bisher bis auf zwei Akteure ausschließlich Akteure auf dem Platz stehen, die wirklich bereits lange in Österreich sind.

Hält das auch vor Gericht?

Unsere Rechtsexperten sagen Ja. Das Recht ist für jeden gleich. Wenn ein Österreicher zum Beispiel in den vergangenen Jahren im Ausland gespielt hat, dann gilt das für ihn genauso. Es liegt also keine Diskriminierung vor.

Hat Sie dieses Kippen der Ausländerbeschränkung mit 14. Dezember persönlich überrascht?

Nein, es war klar, dass wir uns früher oder später den EU-Gesetzen anpassen müssen. Und Oberösterreich hat ja in den vergangenen Jahren mit der Stammspieler- und der E-24-Regelung eine Vorreiterrolle im Fußball-Unterhaus eingenommen. Diese gibt es ja sonst kaum in Österreich. Das kann ja jeder Landesverband für sich entscheiden.

Ihr Hauptziel bei der neuen Regelung?

Mir ist ganz wichtig, dass wir eines stoppen: Dass Vereine eine halbe oder ganze Mannschaft voller Spieler hat, die am Wochenende mit dem Bus Hunderte Kilometer nach Oberösterreich fährt, um bei uns Fußball zu spielen. All jene, die hier bei uns aufwachsen und in ihrer Heimatregion Fußball spielen, sollen und müssen dieses Recht auch haben. Es gibt keine bessere Integrationsmöglichkeit als den Fußball.

Haben Sie schon ein Echo der Vereine?

Ich spüre eine starke Unterstützung. Die meisten Funktionäre wissen um die Wichtigkeit ihrer Verantwortung. Wir müssen dem Nachwuchs aus dem Ort eine Chance geben. Deshalb werden alle Regelungen gut angenommen, die Spieler aus der Region schützen.

Gibt es auch andere Möglichkeiten, um negative Ausreißer etwa mit weniger Förderungen zu bestrafen?

Wir haben ein genaues Auge darauf. Wer viel Geld hat, um teure Spieler zu holen, der braucht auch keine Förderungen für die Infrastruktur.

 

Reaktionen aus dem Unterhaus

Umfrage: Spieler, Funktionäre und Trainer zur neuen Ausländer-Regelung

Die Gleichberechtigung finde ich gut. Es wird in Zukunft trotzdem ungerecht, weil jene Vereine, die über mehr Geld verfügen, es leichter haben werden. Ein Ausländer hat nur dann Sinn, wenn er der Mannschaft hilft.“
Kiril Chokchev, Gmunden-Spieler, ist seit 2003 in Österreich, ist Inhaber einer Reinigungsfirma. Der Bulgare trainiert die Fußballer der Fußball-HAK in Bad Ischl

Die Regelung führt sicher zu mehr Legionären. Nachwuchs und Kampfmannschaft drohen auseinanderzudriften. Ich glaube, dass dadurch die Nachwuchsarbeit für die Vereine unattraktiv wird. Erfüllen die Vereine dann noch die soziale Funktion?“
Klaus Gstöttner, seit 2002 bei Gallneukirchen, ein Verein, der in der Kampfmannschaft auf Legionäre verzichtet.

Ich habe kein Problem, wenn mehr Ausländer spielen, solange sie das Niveau in der jeweiligen Liga steigern. Es wird immer schwieriger, gute österreichische Spieler zu finden. Auch junge Spieler aus dem BNZ spielen meist zumindest eine Klasse höher. Jeder Verein muss für sich selbst wissen, wie weit er selbst geht. Wir schaffen es in Schärding trotzdem immer noch, ausschließlich mit Österreichern zu spielen.“
Christian Hartinger, Trainer des SK Schärding in der Landesliga West    

Wir werden es nicht ausnützen, dass zukünftig mehr Legionäre spielen dürfen. Man muss versuchen, durch Regelungen den Einsatz junger Österreicher zu forcieren.“
Oliver Grünwald, Vorwärts-Steyr-Sektionsleiter

 

Legionäre im Herbst

1303 Nicht-Österreicher spielten im Herbst oberösterreichischen Unterhaus– von den Kampfmannschaften hinab bis zu den Nachwuchsteams. Dazu kamen noch 4384 Spieler mit ausländischer Staatsbürgerschaft, die Österreichern gleichgestellt sind, da sie hier im Nachwuchs begonnen haben.

 

Die Zeit der Klagen ist nicht vorbei

RIED. Seit Jahren beschäftigt sich der Rieder Fußball-Ehrenpräsident und Arbeitsrechtler Peter Vogl mit dem Thema. Eines ist für ihn sicher: Es wird auch weiterhin Klagen rund um die Gleichstellung von Ausländern im Sport geben.

„Die geplante Neuregelung sieht auf den ersten Blick jedenfalls danach aus, als ob sie sich ebenfalls diskriminierend gegenüber ausländischen Fußballern auswirkt. Wer wird denn von der fünfjährigen Vorlaufzeit wirklich betroffen sein? Faktisch trifft es fast ausschließlich ausländische Spieler. Allerdings kenne ich noch keine Details“, erklärt der Innviertler Rechtsanwalt. Das betrifft auch den Profibereich. Vogl: „Regelungen, die auf den ersten Blick nicht diskriminierend sind, sich tatsächlich aber diskriminierend auswirken, werden früher oder später wieder juristisch unter Beschuss kommen. Das kann sogar für Förderprogramme wie den Österreicher-Topf gelten.“ Dieser wurde als Anreiz geschaffen, damit Bundesliga-Klubs vermehrt Österreicher einsetzen. Wer sich nicht daran hält, bekommt keinen Anteil vom TV-Geld.

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