Lade Inhalte...

Heraf: "Wir sind dort, wo wir hingehören"

Von Raphael Watzinger   03.April 2021

Heraf: "Wir sind dort, wo wir hingehören"
Heraf bereitete sein Team auf zehn Endspiele vor.

15 Jahre nach seinem drei Spiele dauernden Kurzzeit-Intermezzo beim FC Pasching ist Andreas Heraf zurück in der Fußball-Bundesliga. Der 53-Jährige ist im Kampf um den Klassenerhalt der große Hoffnungstrainer bei der SV Guntamatic Ried. Vor dem heutigen Start in die Qualifikationsgruppe daheim gegen Hartberg (17 Uhr) spricht Rieds Neo-Trainer über den Abstiegskampf, Disziplin und seine Zeit als langjähriger Nachwuchsteamchef.

OÖNachrichten: Wie war Ihre erste Woche als Ried-Cheftrainer?

Andreas Heraf: Es war eine sehr intensive Woche. Viele Dinge mussten noch geklärt werden, ich habe einige Stunden im Büro verbracht. Der Job bleibt aber derselbe, hat sich nicht verändert. Ich war für diesen Fall der Fälle immer vorbereitet, habe mich auch während meiner Zeit ohne Klub daheim immer weitergebildet.

Vorgänger Miron Muslic wollte im Abstiegskampf eine intensive Spielweise mit Pressing einführen. Wie ist Ihr Zugang?

Es gibt Gründe, warum wir unten drinnen sind. Einige Dinge haben nicht funktioniert, wie man es sich gewünscht hätte. Wir haben in der vergangenen Woche in jedem Bereich die Hebel angesetzt. Das beinhaltet den Spielaufbau, das Verhalten, wenn der Gegner den Ball hat, Pressingsituationen oder Standards. Im Fußball kann man sich nicht nur auf eine Sache konzentrieren.

Gegen die Teams in der Qualifikationsgruppe ist im Grunddurchgang in zehn Spielen nur ein Sieg gelungen. Das ausgerechnet gegen den heutigen Gegner Hartberg. Trotzdem kann man sich jetzt nicht mehr neu erfinden. Ist die Zeit der Experimente vorbei?

Ich weiß nicht, ob vor mir experimentiert wurde. Eines ist klar: Jetzt haben wir keine Zeit mehr dafür. Normalerweise verwende ich gern solche Statistiken, weil Zahlen in einer gewissen Form auch die Wahrheit abbilden. Fakt ist mit Sicherheit, dass wir zu wenige Siege eingefahren haben. Gegen wen wir gewinnen werden, ist mir jetzt aber relativ egal. Ich glaube schon, dass in unserer Gruppe die Möglichkeit höher ist zu punkten als gegen Salzburg oder Rapid. Wir sind dort, wo wir hingehören – und auf uns warten jetzt zehn Endspiele.

Disziplin ist Ihnen sehr wichtig – passend dazu gibt es eine lustige Anekdote mit Ihrem Vater, der Sie nach einer Reise mit dem Nachwuchsnationalteam nicht gerade willkommen geheißen hat bei der Rückkehr.

Einmal habe ich in meiner Karriere einen Blödsinn gemacht. Ich war immer extrem diszipliniert, habe nie geraucht oder Alkohol getrunken – deswegen kann ich mich an diese eine Nacht noch sehr gut erinnern, obwohl es schon Jahrzehnte zurückliegt. Es war bei der Jugendnationalmannschaft in Kroatien, ich hatte Geburtstag und bin damals mit dem Ernst Mader am Abend aus dem Hotel abgehauen. Wir haben uns mit dem Leintuch abgeseilt und sind in eine Disko gegangen, wurden aber dort erwischt. Am nächsten Tag wurden wir heimgeschickt. Mein Vater hat damals am Südbahnhof auf mich gewartet und es überhaupt nicht verstanden. Er hat mich mit einer Ohrfeige empfangen.

Eine andere Charaktereigenschaft: Sie sind ein geradliniger Typ, lassen sich nicht verbiegen. Ihr Kurzzeit-Intermezzo als Bundesligatrainer in Pasching endete nach drei Spielen mit einem 0:1 in Tirol – weil der damalige Präsident Franz Grad angeblich mit der Aufstellung nicht zufrieden gewesen sein soll …

Ob das dem Herrn Grad damals nicht gefallen hat, weiß ich gar nicht. Als Trainer habe ich aber immer so entschieden, wie ich es für richtig gehalten habe. Sonst kann es ja eh ein anderer machen. Ich glaube, wir haben damals mit Fünferkette gespielt, die zu dieser Zeit noch überhaupt nicht so wirklich zum Einsatz gekommen ist. Im Nachhinein gesehen kann man auch sagen, dass ich meiner Zeit damals schon voraus und auf dem richtigen Weg war (schmunzelt). Heute hat praktisch jede Mannschaft schon einmal mit Dreier- oder Fünferkette gespielt.

Als langjähriger Nachwuchsteamchef kennen Sie jeden Jahrgang in Österreich. Wer war der beste Spieler, den Sie je trainieren durften?

Ich habe mir von Hermann Stadler einmal den eigentlich jüngeren David Alaba ausgeliehen. Natürlich konnte man sein enormes Potenzial schon damals sehen. Der für mich beste Spieler, den ich länger trainieren durfte, war aber ganz klar Christoph Baumgartner. Er hat unfassbare Fähigkeiten und ist auch menschlich sehr weit. Das lässt er nicht nur bei Hoffenheim, sondern auch im Nationalteam mittlerweile aufblitzen.

Überraschungen möglich

Wie wird Andreas Heraf die SV Guntamatic Ried heute in das Spiel gegen Hartberg schicken? „Es wird defensiv und offensiv Überraschungen geben“, sagt dazu Sportkoordinator Wolfgang Fiala, ohne auf nähere Details einzugehen. Allerdings dürfte sich mit Stürmer Filip Borsos ein Spieler aufgedrängt haben, der bis dato noch gar nicht im Kader gestanden ist. Hingegen stand Kapitän Thomas Reifeltshammer beim gestrigen Trainingsmatch nicht in der „Einser-Garnitur“ – auch wenn das für das heutige Spiel noch nichts bedeuten muss. In der Außenverteidigung kamen im Training meist Julian Wießmeier und Manuel Kerhe zum Einsatz. Sicher zurück in der Startelf wird Stefan Nutz sein, der zuletzt unter Herafs Vorgänger Miron Muslic meist nur Ersatz gewesen ist.

copyright  2021
07. Mai 2021