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Nationalteam

Für die WM muss Österreich mehr als die Pflicht erfüllen

Von Günther Mayrhofer  30. Juni 2021 00:04 Uhr

Für die WM muss Österreich mehr als die Pflicht erfüllen
Dänemark (re. Wass) gewann im März in Wien 4:0 und liegt schon fünf Punkte vor Österreich (li. Alaba).

WIEN. Nur der Gruppensieger ist in Katar fix dabei, das ÖFB-Team muss eine Aufholjagd starten.

Die ÖFB-Teamspieler genießen nach einer langen Saison ihren Urlaub. Während ihre Klubkollegen bereits in der Vorbereitung auf die neue Saison schwitzen, hat etwa LASK-Torhüter Alexander Schlager noch Pause. Der 25-Jährige, der unmittelbar vor der Endrunde seinen Stammplatz im ÖFB-Team aus den Händen gleiten ließ, wird erst am 9. Juli wieder in das Mannschaftstraining bei den Athletikern einsteigen.

Teamchef Franco Foda und Sportdirektor Peter Schöttel können in aller Ruhe die Endrunde analysieren. Der Blick zurück wird die wiedergewonnene Abstimmung im Pressing als positive Entwicklung zeigen, gibt aber auch den Auftrag, im Ballbesitz endlich Werkzeuge zu entwickeln. Foda strich die Qualifikation für die Endrunde und das erstmalige Erreichen des Achtelfinales als Erfolge heraus. "Wir haben unser Soll erfüllt", sagte Foda.

Die Pflicht hat er als Teamchef stets erledigt. Bei aller Anerkennung der Entwicklung des ÖFB-Teams während der EM: Wenn 24 der 55 UEFA-Mitglieder bei einer EURO mitspielen dürfen und Österreich in der Weltrangliste auf Platz 16 der europäischen Teams steht, muss das auch der Anspruch sein. Die Kür – ein Ausreißer nach oben gegen ein höher eingeschätztes Team – war noch nicht dabei. Während in Österreich seit Tagen das Ausscheiden gegen Italien gefeiert wird, eliminierte Tschechien die Niederlande, die Schweiz zwang Weltmeister Frankreich in die Knie.

EM-Theater vor fünf Jahren

Kritische Nachfragen zur EM-Analyse wird es in Österreich kaum geben. Das war vor fünf Jahren ganz anders. Was war das für ein Theater, als das enttäuschende EM-Ausscheiden aufgearbeitet wurde! Zu wenig Selbstkritik war dem damaligen Teamchef Marcel Koller und Sportdirektor Willi Ruttensteiner vorgeworfen worden. Das Verhältnis zwischen den Landesverbandspräsidenten und dem Führungsduo war zerrüttet, nach dem Scheitern in der Qualifikation zur WM 2018 bekamen beide, die den ÖFB sportlich in die Neuzeit führten, den Laufpass.

Bei Ruttensteiner lag es nicht nur am sportlichen Abschwung. "Ihm wird fachlich und inhaltlich eine gute Arbeit bescheinigt, aber auf der Ebene der Kommunikation haben sich in den letzten Jahren immer wieder Konflikte entzündet", erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner damals.

Foda wurde von den Landesverbandspräsidenten inthronisiert. Der Deutsche, vor der EM in der Kritik gestanden, hat bei der Endrunde seine Position gestärkt – zumindest nach außen. Es spricht nicht für das Team, dass nun Spieler im "Profil" anonym erzählen, wie sie den Teamchef beeinflusst haben: "Foda präsentiert einen Vorschlag zur taktischen Ausrichtung. Die Spieler nicken diesen dann ab oder erklären ihre Vorstellungen." Nach dem 0:2 gegen die Niederlande hatte Marcel Sabitzer öffentlich kritisiert: "Wir bringen zu wenig Personal nach vorne." Dass ein Trainer seine Idee mit Führungsspielern bespricht, ist nicht abwegig. Der Grat, ob die Spieler zu viel Einfluss nehmen, ist aber schmal.

Schützenhilfe wird benötigt

"Jetzt haben die Kritiker zwei, drei Wochen Pause", sagte der 55-Jährige selbstbewusst – nach dem Aus gegen Italien. Dieses Selbstvertrauen muss seine Mannschaft bei den kommenden Aufgaben zeigen. Am 1. September geht es in der WM-Qualifikation weiter. Auf das Match in Moldawien folgen die Partien in Israel (mit Teamchef Ruttensteiner, 4. September) und Schottland (7. September). Siege sind wie in den weiteren vier Partien Pflicht, wenn man die WM als Gruppensieger erreichen will, nur dieser ist fix in Katar dabei. Nach den verpatzten Spielen im März beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Dänemark fünf Zähler.

Das Gute für Österreich: Es gibt eine zweite und sogar eine dritte Chance. Der Gruppenzweite spielt im März 2022 im Play-off um ein Ticket für die WM in Katar. Wird selbst dieses nicht erreicht, eröffnet der Nations-League-Gruppensieg die Hintertür zum Play-off.

Am Ende werden 13 europäische Teams in Katar am Ball sein. Als 16. der Europarangliste wäre das für Österreich mehr als das Soll.

WM-Qualifikation, Gruppe F

Mittwoch, 1. September, 20.45 Uhr: Moldawien – Österreich
Samstag, 4. September, 20.45 Uhr: Israel – Österreich
Dienstag, 7. September, 20.45 Uhr: Österreich – Schottland
Samstag, 9. Oktober, 20.45 Uhr: Färöer – Österreich
Dienstag, 12. Oktober, 20.45 Uhr: Dänemark – Österreich
Freitag, 12. November, 20.45 Uhr: Österreich – Israel
Montag, 15. November, 20.45 Uhr: Österreich – Moldawien

13 Startplätze sind bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar (21. November bis 18. Dezember) für Europa reserviert. Auf diesen Wegen kann Österreich die Endrunde erreichen:

  • Gruppensieg: Alle zehn Gruppensieger der Qualifikation sind fix in Katar dabei.
  • Gruppenzweiter: Die zehn Zweiten ziehen in das Play-off ein, das im März 2022 ausgespielt wird.
  • Gruppendritter oder schlechter: Neben den zehn Gruppenzweiten sind auch die besten zwei Gruppensieger der vergangenen Nations League im Play-off am Ball. Wenn vier Teams aus dem Quintett Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und Wales ihre WM-Qualifkationsgruppe auf Rang eins oder zwei beenden, bekommt Österreich die WM-Chance über die Hintertür. Die insgesamt zwölf Teams werden in drei Vierergruppen aufgeteilt. In den drei Pools werden jeweils mit Halbfinale und Finale die letzten drei WM-Tickets vergeben.

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Redakteur Sport

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