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Franz Grad: "Die Fusion war ein Fehler"

LINZ. Am Sonntag feiert Fußball-Präsident Franz Grad seinen 80. Geburtstag. Im OÖN-Interview spricht er über die Fehler bei der LASK-Fusion, dass er an sich weder Talente noch Fleiß erkennen könne, und seinen stets erneuerten Lkw-Führerschein.

Franz Grad auf einem Archivbild. Bild: Foto Lui

OÖNachrichten: Ein runder Geburtstag ist immer ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken. Sie waren ein Protagonist bei der Fusion des LASK mit dem FC Linz. Würden Sie das heute auch so machen?

Franz Grad: Die Fusion war ein Fehler, das würde ich heute ganz anders machen. Kurz gesagt: Ich war der Brave oder Dumme – sagen S’, wie Sie wollen –, der jahrelang die Schulden des FC Linz bezahlt hat und anderen, darunter auch der Politik, zu leichtgläubig vertraut hat. Mit der Erfahrung von heute würde ich alle anderen vor mir hertreiben. Oder ich hätte den FC Linz gleich an eine Gruppe wie jene übergeben, die dann von selbst mit dem FC Blau-Weiß Linz weiter unten begonnen hat. Die Fusion war sicher die schlechteste Option.

OÖN: Sie sind nicht nur für diese Entscheidung damals stark kritisiert worden. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Ich bin einer, der ordentlich austeilt, da wäre es schon sehr schwach, nicht einstecken zu können. Ich denke aber auch darüber nach, wenn ich selbst kritisiert werde. Eines kann ich auf jeden Fall für mich in Anspruch nehmen: Ich habe für meine Fehler immer selbst bezahlt – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

OÖN: In Pasching haben Sie dafür fast alles richtig gemacht. Von der 2. Landesliga hinauf zur 4:0-Europacup-Gala gegen Werder Bremen – das war einzigartig.

Das war nicht mein Verdienst, sondern jenes des Herrn Zellhofer und des Herrn Eisenköck. Ich habe ihnen nur ein paar Kontakte hergestellt und Geld besorgt.

OÖN: In Pasching haben Sie mit Stadion und Trainingsmöglichkeiten auch etwas hinterlassen…

… das wieder nur dem LASK hilft. Das wollte ich nie. Ich war beim LASK immer sehr misstrauisch, obwohl ich schon in der Jugend jedes Spiel gesehen habe. Eines muss ich aber sagen: Noch nie war der Klub so stabil wie heute.

OÖN: Ihre größte Stärke und Schwäche?

Das gehört zusammen. Ich habe weder ein besonderes Talent noch besonderen Fleiß. Das galt für die Schule, das Studium und auch für den Sport. Ich war in der Leichtathletik-Nationalmannschaft, war über die 800- und 1500 Meter-Distanz richtig gut. Das war mir aber zu anstrengend und ich war auch zu faul, um das zu verfolgen, und bin dann beim 100-Meter-Sprint geblieben. Den einzigen Staatsmeistertitel habe ich in der Staffel geholt. Das passt zu meinem Leben. Ich habe mich in wichtigen Situationen immer auf die richtigen Menschen verlassen. Praktisch alle jener Handvoll, die schon vor 30, 40 Jahren bei den Anfängen meiner Firma dabei gewesen waren, sind nie weggegangen.

OÖN: Sie sind auch heute noch täglich in der Firma anwesend.

Für mich gilt der Grundsatz: "Bist du in der Firma nicht drinnen, dann bist du draußen." Ich bilde mir zumindest ein, dass es gut ist, wenn die Mitarbeiter draußen vor der Tür meinen Smart stehen sehen. Das bin ich ihnen auch schuldig – auch wenn es der eine oder andere sicher als mühsam empfindet, wenn der "Alte" immer da ist. Wenn Sie um 23 Uhr in die Firma kommen, kann es leicht sein, dass Sie mich noch antreffen.

OÖN: Könnten oder dürften Sie einen Ihrer Lkws selbst fahren?

Selbstverständlich, man muss ja eine Ahnung von seiner Arbeit haben, ich hab mir schon beim Studium Geld mit Lkw-Fahrten verdient. Wobei ich der Meinung bin, dass nicht nur bei den L17-Führerscheinen, sondern auch in meinem Alter die Kontrollen sehr streng und in kurzen Abständen erfolgen müssen.

OÖN: Warum sind Sie bei Fußball- OÖ-Ligist Oedt aktiv?

Ich bin in meiner Firma immer gut mit jenen Mitarbeitern gefahren, die im Sport auf einem gewissen Level aktiv sind oder waren. Das kann ich jedem Unternehmer nur empfehlen. Ziel war es, jenen Spielern, die es nicht in den Profifußball geschafft haben, neben der Ausbildung im Unternehmen auch eine Plattform zu geben. Leider haben wir in Oedt nicht die Infrastruktur, die ich mir für die Spieler wünschen würde.

OÖN: Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

So wie immer – mit Sport. Am Samstag gibt es eine Tennispartie mit jenen, die immer mit mir spielen. Ich bin vier Mal pro Woche auf dem Tennisplatz. Rasten hat in meinem Alter keinen Sinn mehr. Die Bälle fliegen aber schon langsamer, da wird aus dem Erlaufen oft schon ein Ergehen.

OÖN: Ein runder Geburtstag hat für Sie keinen Stellenwert – korrekt?

Na gehn S’, das hat bei mir keinen Platz. Ich bin mit dem Erreichten sehr zufrieden. Um beim Tennis zu bleiben: Ich bin jetzt im Tiebreak des Lebens. Ich habe keinen Grund, mich zu beschweren.

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Artikel Harald Bartl 06. Februar 2019 - 10:05 Uhr
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