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"Hicke" zehn Jahre nach Heim-EM mit positiven Erinnerungen

WIEN.  In Österreich machen dieser Tage mit Deutschland und Brasilien die erfolgreichsten Nationalmannschaften der Fußball-Gesichte halt. Vor zehn Jahren hingegen war die gesamte europäische Elite anlässlich der EURO 2008 für drei Wochen in der Alpenrepublik und auch in der Schweiz zu Gast.

Josef Hickersberger

Der ehemalige österreichische Teamchef Josef Hickersberger Bild: Apa

 Das Turnier brachte neben viel Lob für die reibungslose Organisation der Ausrichter den ersten Titelgewinn von Spaniens goldener Generation sowie ein frühes Ausscheiden der Gastgeber-Teams - die Österreicher und die Eidgenossen verabschiedeten sich jeweils bereits nach der Gruppenphase.

Während das Scheitern für die Schweizer einen schweren Schlag bedeutete, kam es für den zweiten Hausherren nicht wirklich überraschend. Aufgrund der damals geringen Anzahl von gestandenen Spielern in Top-Ligen hielten sich die Hoffnungen auf die K.o.-Phase in engen Grenzen. Bestätigt wurden die Befürchtungen durch die Niederlagen gegen Kroatien und Deutschland (jeweils 0:1) sowie das Unentschieden gegen Polen (1:1).

Der damalige Teamchef Josef Hickersberger blickt dennoch gern auf das Heim-Turnier zurück. "In Erinnerung geblieben ist mir die unglaubliche Begeisterung und Stimmung der österreichischen Fans. Da kann man nur dankbar sein, wenn man so etwas erleben darf. Leider gibt es den bitteren Beigeschmack, dass wir es nicht ins Viertelfinale geschafft haben", sagte der 70-Jährige der APA.

Dabei hätte die Möglichkeit eines Triumphes von Cordoba-Ausmaßen bestanden. Mit einem Sieg im letzten Gruppenmatch in Wien gegen Deutschland wäre Österreich in der Runde der letzten acht und der spätere Finalist daheim gewesen. "Aber davon waren wir weit entfernt", gab der in dieser Partie gemeinsam mit DFB-Bundestrainer Joachim Löw auf die Tribüne verbannte Hickersberger zu.

Auf die fehlende Klasse in der damaligen ÖFB-Auswahl wollte sich der Ex-Rapid-Meistermacher nicht ausreden. "Ich würde es als ungerecht empfinden, wenn ich als verantwortlicher Teamchef sage, die Mannschaft hatte zu wenig Qualität. Wir haben es nicht geschafft, das muss man so zur Kenntnis nehmen."

Im Vorfeld der EM stand Hickersberger im Mittelpunkt heftiger Kaderdiskussionen. Am Ende nominierte der Coach Emanuel Pogatetz trotz dessen eineinhalb Jahre zuvor geäußerten heftigen Kritik an "Hicke" und ÖFB sowie Ivica Vastic trotz dessen Alter von 38 Jahren. Mit seinem Elfmeter-Tor im Finish zum 1:1 gegen Polen avancierte der gebürtige Kroate zum einzigen ÖFB-Torschützen bei der EURO 2008 und zum bis heute ältesten EM-Torschützen.

Dafür verzichtete Hickersberger auf den als schwierig geltenden Paul Scharner, damals bei Wigan in der englischen Premier League einer der wenigen österreichischen Legionäre. Marc Janko stand zwar im Großkader, aber nicht im finalen 23-Mann-Aufgebot. "Ich konnte ihn damals nicht einberufen, er war nach einer Verletzung noch nicht fit." In der darauffolgenden Liga-Saison schoss der Stürmer für Salzburg 39 Ligatore. "Ein Janko in der Form ein Jahr später hätte uns das Weiterkommen garantiert, davon bin ich felsenfest überzeugt", erklärte Hickersberger.

Die Entscheidungen von 2008 bereut der gebürtige Niederösterreicher auch rückblickend nicht. "Es gibt kein 'Hättiwari'. Ich habe mich auf diese EM bestens vorbereitet und die Mannschaft war topfit."

Nur eines hätte Hickersberger im Nachhinein gerne anders gemacht, nämlich die Teilnahmen an öffentlichen Auftritten während des Turniers reduziert. "Nachträglich waren die täglichen Pressekonferenzen für mich am schlimmsten. Jeden Tag eine Stunde zu reden, noch dazu live im ORF - unter diesen Umständen würde ich heute zurücktreten. Das war für mich eine Tortur. Dass ich das ausgehalten habe und nicht davongelaufen bin, ist mir nach wie vor ein Rätsel."

Immerhin fiel Hickersberger damals die Aussage ein: "Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." Dafür wurde er mit dem Deutschen Fußball-Kulturpreis 2008 geehrt.

Mit den regelmäßigen Pressekonferenzen war es nach der EURO vorbei. Zwar wünschte sich der damalige ÖFB-Präsident Friedrich Stickler einen Verbleib Hickersbergers, doch dann kam öffentliche Kritik etwa von Peter Svetits auf, und der Teamchef nahm den Hut. "Ich bin aber nicht wegen Svetits zurückgetreten, so wichtig ist dieser Herr nicht. Es war einfach so, dass ein Ziel nicht erreicht wurde. Und ich hatte eine neue Aufgabe in der Hinterhand."

Hickersberger heuerte im Dezember 2008 in Abu Dhabi bei Al Wahda an, gewann mit dem Verein 2010 den Meistertitel in den Vereinigten Arabischen Emiraten und nahm in diesem Jahr als Gastgeber auch an der Club-WM teil. Dort gelang der Vorstoß bis ins Viertelfinale. "Dass ich nach der EURO nach Abu Dhabi gegangen bin, war eine großartige Entscheidung", resümierte Hickersberger.

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Artikel nachrichten.at/apa 04. Juni 2018 - 06:45 Uhr
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