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Fußball International

Stehpartie statt Powerplay

Von Christoph Zöpfl  03. April 2020 00:04 Uhr

Stehpartie statt Powerplay
Willi Ruttensteiner

LINZ. Willi Ruttensteiner kann Israel derzeit nicht den Kick geben.

Während sein Teamchef Andreas Herzog per Privatjet am 17. März Israel fluchtartig verließ, hielt Willi Ruttensteiner als Sportdirektor des israelischen Fußballverbandes noch länger die Stellung, um in der ernsten allgemeinen Verunsicherung die Dinge zu ordnen. Inzwischen ist der 57-Jährige mit einem der letzten Linienflüge von Tel Aviv über Istanbul nach Österreich zurückgekehrt und schließlich im Homeoffice in Wolfern gelandet. Dass die UEFA am Mittwoch beschlossen hat, die Länderspiel-Aktivitäten bis zumindest September zu verschieben, bedeutet für den umtriebigen Macher eine Vollbremsung von hundert auf null. Statt Powerplay ist eher eine Stehpartie angesagt.

"Die Entscheidungen von Regierungen und Verbänden sind alternativlos, sie bedeuten aber, dass mir jetzt ein halbes Jahr weggenommen wird, mindestens", sagt Ruttensteiner, der in seinem zweiten von vier vereinbarten Jahren als Sportdirektor in Israel gerade dabei war, eine Infrastruktur mit neuen Trainingszentren hochzuziehen. Die Finanzierung war bereits gesichert, jetzt wird das Projekt zurückgeworfen. Ruttensteiner: "Bei den öffentlichen Geldern gibt es andere Prioritäten, das ist verständlich." Auch er und seine Mitarbeiter werden wohl demnächst Abstriche bei den Gehältern hinnehmen müssen – am Montag gibt es eine Videokonferenz mit der Verbandsspitze.

Wie es mit Teamchef Herzog weitergeht, ist ungewiss. Sein Vertrag wäre spätestens mit Ende der EURO im Juli ausgelaufen, jetzt sind die Relegationsspiele, in denen Israel noch auf den EURO-Zug aufspringen möchte, von Ende März auf den Herbst verschoben worden. Der Vertrag wird eher nicht automatisch verlängert, bis die UEFA den Länderspielbetrieb wieder aufnehmen kann. Ruttensteiner: "Ich werde mit Herzog demnächst reden und bin sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden. Der ÖFB hat bei Franco Foda ja eine ähnliche Situation."

Achterbahn der Gefühle

In Krisenzeiten wie diesen, in denen der ausgebildete Volksschullehrer gefühlsmäßig "wahnsinnig durcheinandergehaut" wird ("Oft denkt man sich, die Corona-Infektion verläuft bei den allermeisten Menschen eh harmlos, dann sieht man wieder die Bilder aus Italien, wo die Toten auf Lkw abtransportiert werden"), genießt Ruttensteiner den familiären Rückhalt in Wolfern. Seine Frau Ines ist als Schuldirektorin nicht im Homeoffice, Tochter Carmen hat den Studienplatz von der Kepler-Uni in die eigenen vier Wände verlegt. Seine zweite Tochter Julia arbeitet in einer Apotheke in Kottingbrunn und ist dort unmittelbar mit der Corona-Problematik konfrontiert. Ihre im Juni angesetzte Hochzeit wird verschoben. Ruttensteiner: "Wie soll man miteinander tanzen, wenn man Abstand halten muss?" Eine Hochzeit ohne Fest, das wäre so wie ein Fußballspiel ohne Zuschauer – eine Pflichtübung ohne Wow-Momente.

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Artikel von

Christoph Zöpfl

Leiter Sportredaktion

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