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Fußball International

Platini unter Korruptionsverdacht

Von OÖN   19. Juni 2019 00:04 Uhr

Platini unter Korruptionsverdacht
Der ehemalige UEFA-Präsident und Weltklasse-Fußballer Michel Platini wurde verhaftet.

PARIS. Hat der ehemalige UEFA-Präsident seine Stimme für die WM 2022 in Katar "verkauft"?

Was steckt genau hinter der Einvernahme des bis Oktober 2019 für alle Fußballaktivitäten gesperrten Michel Platini? Der ehemalige Weltklassespieler und Langzeitpräsident des europäischen Fußballverbands UEFA ist gestern von der französischen Polizei in Paris in Gewahrsam genommen worden. Laut französischem Recht darf der 63-Jährige bis zu 48 Stunden lang für Befragungen festgehalten werden.

Hintergrund für die Einvernahme in den Räumlichkeiten der Anti-Korruptionsabteilung im Pariser Vorort Nanterre sei eine Ermittlung zu der umstrittenen Vergabe der WM 2022 an Katar, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf namentlich nicht genannte Justizquellen. Es bestehe der Verdacht der "aktiven und passiven Korruption", hieß es.

Ein Mittagessen mit Folgen?

Katar hatte in einer skandalumwitterten Abstimmung 2010 mit 14:8 Stimmen gegen die USA den Zuschlag für die WM 2022 bekommen. Platini war in die Kritik geraten, nachdem 2014 bekannt geworden war, dass er sich neun Tage vor der Abstimmung zu einem Mittagessen mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar im Élysée-Palast getroffen hatte. Diese Zusammenkunft am 23. November 2010 steht offenbar auch im Zentrum der aktuellen Ermittlungen.

Es soll dabei um den Kauf des Fußballvereins Paris Saint-Germain sowie um weitere Investitionen aus Katar gegangen sein. Platinis Sohn Laurent wurde wenige Wochen später zum Europa-Chef einer katarischen Investorengruppe. Im Gegenzug sollte Platini bei der Abstimmung nicht für die USA, sondern für Katar stimmen.

Platini hatte stets betont, seine Stimme sei von Anfang an fix für Katar gewesen. Der Zusammenhang dieser Ereignisse ist Gegenstand der Ermittlungen. Bisher konnte Platini strafrechtlich nichts nachgewiesen werden. "Ich habe nichts falsch gemacht", ließ der Franzose über seinen Anwalt William Bourdon verlauten.

Platinis Langzeitsperre als Sportfunktionär hat mit der WM-Vergabe an Katar nichts zu tun. 2015 wurde er beschuldigt, illegal zwei Millionen Schweizer Franken vom damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter erhalten zu haben. Platini rechtfertigte den Erhalt des Geldes stets mit Konsulententätigkeiten zwischen 1999 und 2002, die jedoch bis zum Jahr 2011 nie abgerechnet worden seien. Platini wurde im Jahr 2015 von der FIFA-Ethikkommission für acht Jahre von allen Fußballämtern gesperrt. Diese Sperre wurde später auf vier Jahre reduziert.

Am Dienstag wurden auch Vertraute von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy befragt. Die frühere Sportberaterin Sarkozys, Sophie Dion, befand sich wie Platini in Polizeigewahrsam. Zudem wurde der Sarkozy-Vertraute Claude Guéant, der 2010 Generalsekretär des Élysée-Palastes gewesen war, verhört.

Platini galt vor seiner Sperre als Favorit auf die Nachfolge von Blatter als FIFA-Präsident. Nach seinem Ausschluss setzte sich überraschend sein ehemaliger enger Vertrauter Gianni Infantino bei der Wahl durch.

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