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Fußball International

ÖFB-Präsident Windtner: Durch Super League droht "Super-Gau"

Von nachrichten.at/apa   20. April 2021 08:58 Uhr

ÖFB-Präsident Leo Windtner

WIEN.  ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht den europäischen Fußball aufgrund des Super-League-Projekts in seiner Existenz gefährdet.

Die geplante Eliteliga müsse unter allen Umständen verhindert werden. "Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte, jetzt muss die UEFA ganz klar Flagge zeigen. Es droht der Super-GAU", sagte der Oberösterreicher. Außerdem meinte Windtner, der sich derzeit wegen des UEFA-Kongresses in Montreux befindet: "Es besteht die Gefahr, dass Fußball-Europa auseinanderbrechen könnte und die vielgerühmte Solidarität geopfert wird. Das würde gerade für kleinere Nationen wie Österreich einen historischen Rückschlag bedeuten. Unsere Clubs hätten nie wieder die Chance, die obersten Sphären zu erklimmen."

Die UEFA und die FIFA wurden längst aktiv: Rekordsieger Real Madrid, Manchester City und Chelsea droht als künftigen Super-League-Mitgliedern der Ausschluss aus der laufenden Champions League. Dies bestätigt der dänische Verbandspräsident Jesper Möller, der auch Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees ist, am Montag in einem Interview mit der Rundfunkanstalt in Dänemark (DR). "Diese Klubs müssen weg, und ich gehe davon aus, dass dies am Freitag geschehen wird", betont Möller.

Sollte dies tatsächlich passieren, würde nur noch ein einziger Semifinalist - Paris Saint-Germain - übrig bleiben. "Wir müssen dann überlegen, wie wir die Champions League (in dieser Saison) beenden", erklärt der Däne mit Verweis auf die außerordentliche Sitzung des UEFA-Exekutivkomitees am Freitag. Ceferin: "Werden alle Sanktionen verhängen, die möglich sind."

Kurz vor Möllers Aussagen hatte auch schon UEFA-Präsident Aleksander Ceferin eine harte Vorgehensweise gegen die abtrünnigen Klubs angekündigt. "Wir werden alle Sanktionen verhängen, die möglich sind", erklärte der Slowene. "Meiner Meinung nach sollten sowohl die Klubs als auch ihre Spieler so schnell wie möglich aus all unseren Bewerben ausgeschlossen werden."

EM ohne Ronaldo?

Auch Nationalteams könnten Verlierer der Super League sein. Zum einen, weil bei den betreffenden Topclubs engagierte Spieler möglicherweise nicht in ihren Landesauswahlen eingesetzt werden dürfen, zum anderen, weil es generell einen Bedeutungsverlust für Nationalmannschaften geben würde, sollten die weltbesten Kicker nicht mehr im Team spielen.

Einen ersten Vorgeschmack könnte es schon bei der EM ab Juni geben. Setzt die UEFA ihre Drohung um, würde etwa Cristiano Ronaldo (Juventus) fehlen. "Aber man muss alles tun, um eine EM ohne Stars zu vermeiden. Die UEFA hat sicher Mittel, um einen entsprechenden Gegendruck aufzubauen", sagte Windtner.

Nach derzeitigem Stand wäre nur ein Österreicher ab Sommer bei einem Super-League-Club engagiert - Valentino Lazaro ist bis Saisonende von Inter Mailand an Borussia Mönchengladbach verliehen. Während viele andere EM-Teilnehmer also im Extremfall ihre Schlüsselspieler verlieren, würde sich der Aderlass im ÖFB-Team in engen Grenzen halten. "Es ist richtig, dass es ein Vorteil für uns sein könnte. Aber wenn jetzt alle mit egozentrischen Szenarien starten, bricht dieses homogene Gefüge endgültig total auseinander", betonte Windtner.

Der Verbandschef hofft inständig auf eine Rücknahme der Pläne. Sollte dies nicht passieren, drohe eine düstere Zukunft. "Wenn der Schritt zur Super League getan wird, wird in den nächsten Jahren ein Heer von Top-Advokaten eine Beschäftigung finden und der endgültige Schritt in den Turbo-Kapitalismus im europäischen Fußball gesetzt", erklärte Windtner und ergänzte: "Es ist klar erkennbar, wer sich bei der Super League in die Reihe stellt - finanziell angeschlagene Clubs oder Clubs mit internationalen Eigentümern."

„Masken wurden fallengelassen“

Mit einer gewissen Verblüffung hat auch Bundesliga-Chef Christian Ebenbauer die am Montag bekanntgewordenen Pläne einer europäischen Fußball-Super-League aufgenommen. Selbst wenn dieses Vorhaben schon seit Jahren durch die Medien geisterte - die dermaßen unverhohlen zur Schau gestellte Gier, mit der viele europäische Topclubs nach noch mehr Geld greifen, hat den Wiener dann doch verwundert. Es gibt aber auch einen positiven Aspekt: "Die Masken wurden fallengelassen", sagte Ebenbaue. Überraschend war für den Liga-Chef vor allem der Zeitpunkt, an dem das Super-League-Vorhaben veröffentlicht wurde - nämlich wenige Stunden vor der Absegnung einer ohnehin schon schwer umstrittenen Champions-League-Reform, an der einige jener Personen mitwirkten, die plötzlich auf die Super-League-Seite umschwenkten. "Schon diese Reform hat einiges an Zündstoff. Aber die Super League geht noch um einiges weiter, sie widerspricht sämtlichen im europäischen Sport gültigen Grundsätzen", meinte Ebenbauer mit Hinweis auf die Super League als gleichsam "geschlossene Gesellschaft" ohne wirklichen Auf- und Abstieg.

Ebenbauer hat aber große Zweifel daran, ob die neue europäische Eliteklasse auch wirklich kommen wird. Was den sportlichen Wert betrifft, fühlt sich der Liga-Vorstand nach eigenen Angaben an die "Harlem Globetrotters" oder einen Showbewerb erinnert. Zudem sinken die Imagewerte der betreffenden Vereine in den Keller. "Der Schaden, den sich diese weltweit bekannten Marken innerhalb eines Tages zugefügt haben, ist enorm. Ich weiß nicht, ob sie das durchhalten."

Viel werde nun von der weiteren Vorgehensweise von UEFA und FIFA abhängen. "Jetzt müssen alle Flagge zeigen. Entweder gibt es eine sofortige Rücknahme der Super-League-Ankündigung, oder die Dachverbände und hoffentlich auch die Ligen werden rechtliche Schritte ergreifen", sagte Ebenbauer.

Ein heimischer Club wird wohl nie in die Gefahr geraten, der Millionen-Versuchung der Super League zu erliegen. "Es ist nicht davon auszugehen, dass ein österreichischer Club eingeladen wird. Aktuell schütteln unsere Vereine aber darüber sowieso nur den Kopf", betonte Ebenbauer.

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