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Fußball International

Kein Verfahren gegen Platini nach 15-stündigem Verhör

Von nachrichten.at/apa   19. Juni 2019 17:42 Uhr

Ex-UEFA chief Michel Platini

PARIS. Abgekämpft, müde und mit zerzausten Haaren verließ Michel Platini tief in der Nacht nach dem Verhör-Marathon die Anti-Korruptions-Behörde in Nanterre.

Mehr als 15 Stunden hatten die Ermittler den Ex-Fußball-Star und Ex-UEFA-Präsidenten vernommen. "Ich bin gekommen und wurde in Gewahrsam genommen. Das tut weh. Es war viel Lärm um Nichts", sagte Platini am Mittwoch.

Die Fahnder hatten viele Fragen. Natürlich ging es um die ominöse Vergabe der WM 2022 nach Katar, aber auch um den Zuschlag der Endrunde 2018 nach Russland und das EM-Turnier 2016 in Frankreich. Und da galt der 63-Jährige in der Tat als interessanter Gesprächspartner, war er doch in allen Vergabeprozessen als hoher Sportfunktionär direkt involviert.

Ermittlungstechnisch hat Platini bei der seit 2016 geführten Untersuchung wegen Korruption, Verschwörung und aktiver sowie passiver Bestechung im Fußball weiter den Status eines Zeugen, wie auch sein Anwalt William Bourdon gegenüber der Nachrichtenagentur AFP betonte. Aktuell läuft gegen den früheren Ausnahme-Fußballer kein Verfahren, dies bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Paris.

Auch zu EM 2016 befragt

Dem Ruf des ohnehin noch bis Oktober 2019 für alle Fußballaktivitäten gesperrten Platini dürfte die Anhörung aber schwer geschadet haben. Dass es bei der Befragung nicht nur um die Katar-WM ging, war durchaus beachtlich. Die Ermittler interessierten sich auch für die Euro 2016 in Frankreich. Platinis Heimatland hatte 2010 denkbar knapp mit 7:6 Stimmen gegen die Türkei gewonnen.

Zur Abstimmung in Genf war sogar der damalige französische Staatschef Nicolas Sarkozy gekommen. Wie die Sportzeitung "L'Equipe" berichtet, war Sarkozy vor der Wahl dank Platini - zu der Zeit als UEFA-Chef verantwortlich - den wahlberechtigten Exekutivmitgliedern vorgestellt worden, während der türkische Präsident Abdullah Gül im Saal Platz nahm.

Platini und Sarkozy sollen seit 1999 ein gutes Verhältnis gepflegt haben, das am 23. November 2010 in dem berühmten Dinner im Elyseepalast gipfelte. Auch Tamim bin Hamad, der damalige Kronprinz und heutige Emir des Emirats Katar, gehörte der illustren Runde an. Diesbezüglich wurden am Dienstag auch Sophie Dion, eine frühere Sport-Beraterin von Sarkozy und der frühere Elysee-Generalsekretär Claude Gueant vernommen.

Ex-FIFA-Chef Blatter erhebt Vorwürfe

Für den früheren FIFA-Chef Joseph Blatter ist klar: An diesem Abend, wurde der Zuschlag für die WM 2022 in Katar besiegelt. "Platini hat 2010 seine Meinung geändert und Katar unterstützt, weil es der französische Präsident Sarkozy von ihm wollte", sagte Blatter. Zusammen mit Platinis Stimme seien drei weitere europäische Vertreter ins Katar-Lager geschwenkt. Das Ende ist bekannt: Katar erhielt völlig überraschend mit 14:8 Stimmen gegenüber den USA den Zuschlag.

Ganz nebenbei soll bei dem Abendessen auch der milliardenschwere Einstieg des Emirats beim französischen Hauptstadt-Club Paris Saint-Germain besprochen worden sein. Sarkozy habe ihm nichts aufgezwungen, rechtfertigte sich Platini, der sich in früheren Zeiten gerne als Fußball-Romantiker gegeben hatte. Er habe sich dafür eingesetzt, dass die WM in einem Land stattfinde, in dem sie noch nie war, betonte er.

Das Medienecho in seiner Heimat ist für Platini verheerend. Korruption, Vettern-Wirtschaft und die Verletzung von Ämtern seien bei internationalen Sportveranstaltungen heutzutage an der Tagesordnung, schrieb die linksorientierte Tageszeitung "Liberation" und fügte hinzu: "So viel zu Werten und Vorbildern."

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