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Fußball International

Jose Mourinho – der Gast auf der Gugl ist ein "Special One"

Von Harald Bartl  02. Dezember 2020 00:04 Uhr

Jose Mourinho
2010: Jose Mourinho nach dem Champions-League-Sieg mit Inter Mailand gegen den FC Bayern München.

LINZ. Europa League: Vom Übersetzer bei Sporting Lissabon zum Rekordtrainer in Europa – eine einzigartige Karriere.

Ganz egal, wie die morgige Aufstellung der Tottenham Hotspurs beim Europa-League-Spiel gegen den LASK (18.55 Uhr, Puls 4) in der Linzer Raiffeisen-Arena aussehen wird: Der Star des Teams sitzt auf der Bank. Denn kein Fußballer – inklusive 120-Millionen-Euro Stürmer Harry Kane – wird je all jene Erfolge erreichen können, die Tottenhams Startrainer Jose Mourinho (57) bereits gefeiert hat. Man kann zum extravaganten Portugiesen stehen, wie man will – die Erfolge sprechen für sich und ihn.

Als Trainer mit zwei verschiedenen Klubs die Champions League (Pokal der Landesmeister) zu holen, ist außer ihm nur Ernst Happel, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes und Carlo Ancelotti gelungen. Sowohl mit dem FC Porto (2004) als auch mit Inter Mailand (2010) gewann er zudem in einer Saison das Triple aus Meisterschaft, nationalem Cup und Champions League. Das hat sonst noch keiner geschafft. Gleiches gilt für den Rekord, Meistertitel in England, Spanien und Italien gefeiert zu haben.

Vor allem aber ist Mourinho (verheiratet, zwei Kinder) einst aus dem Nichts aufgetaucht. Er schaffte es an die Spitze, ohne eine wirkliche Spielerkarriere gehabt zu haben. Als Trainerlegende Sir Bobby Robson 1993 Trainer bei Sporting Lissabon wurde, agierte Mourinho in erster Linie als Dolmetscher für den Engländer und wuchs langsam auch in die Rolle des Assistenten auf dem Spielfeld hinein. Robson nahm ihn später zum FC Porto und dann auch zum FC Barcelona mit, bei dem das Duo unter anderen Mourinhos späteren großen Trainer-Rivalen, Pep Guardiola, trainierte. 1997 musste Robson gehen, Mourinho durfte auch unter Nachfolger Louis van Gaal bleiben. Der Niederländer forcierte Mourinho und setzte ihn auch als Trainer in Barcas B-Mannschaft ein.

"Gott – und dahinter: ich"

Um als Cheftrainer durchzustarten, zog es Mourinho in die portugiesische Heimat zurück. Bei Benfica Lissabon noch gescheitert, verhalf er dem FC Porto aus dem Nichts zu europäischem Glanz. Dem UEFA-Cup-Sieg 2003 folgte im Jahr darauf der Champions-League-Triumph.

Den Hang zur Exzentrik hatte er schon damals. Als Torhüter Vitor Baia mit einem Gegner das Trikot tauschte, zerriss Mourinho das Leiberl. "Wenn ich einen einfachen Job gewollt hätte, dann wäre ich beim FC Porto geblieben. Schöne blaue Stühle, der Champions-League-Pokal, Gott – und direkt hinter dem lieben Gott: ich." Er entschied sich für die große, europäische Karriere. Beim FC Chelsea wurde er zum "Special One". Mit acht Titeln (davon drei Meistertitel, der letzte in seiner zweiten Ära 2015) wurde er zum erfolgreichsten Trainer der Klubgeschichte.

Bei Inter Mailand vollbrachte er 2010 ein wahres Wunder. Die Triple-Mannschaft war weit weg vom Glanz des FC Barcelona, der im Halbfinale eliminiert wurde. Doch die Spieler gingen für ihren Trainer durchs Feuer, Mourinho nutzte alle psychologischen Tricks. Er setzte die Schiedsrichter unter Druck – sein Betrugsvorwurf, indem er bei einem Spiel mit den Händen eine "Handschellen-Geste" zeigte, ist legendär. Sein Ausspruch "Zeru tituli" (null Titel) an die Trainer der Konkurrenz, die bei Inters Triple leer ausgingen, wurde auf Trikots gedruckt zum Verkaufsschlager.

Zwei Mal ist er gescheitert: Bei Real Madrid schaute trotz des Starensembles rund um Cristiano Ronaldo nur ein Meistertitel (2012) heraus. Bei Manchester United ist trotz des Europa-League-Titels 2017 der Traum geplatzt, an die Erfolge des großen Sir Alex Ferguson anschließen zu können.

Jose Mourinho – der Gast auf der Gugl ist ein "Special One"
2011: Kein Champions-League-Titel mit Real Madrid trotz Cristiano Ronaldo

Auch Sabitzer auf der Liste

Das Aus in Manchester öffnete dafür die Türe bei Tottenham. Im Vorjahr, als er den Klub übernahm, lagen die Spurs nahe an der Abstiegszone. Dank Mourinho treffen die Londoner heute als Tabellenführer der Premier League in Linz ein. Im Winter wird noch einmal kräftig eingekauft. Auch der Österreicher Marcel Sabitzer soll sich auf der Wunschliste befinden, um ebenso am Schluss ganz oben zu stehen.

Es wäre Mourinhos neunter Meistertitel.

  • All or Nothing: Tottenham Hotspur. "Amazon Prime" ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen.

Tottenhams Kurztrip

Siegen und fliegen – das ist Tottenhams Plan für die Europa-League-Partie in Linz. Auf das übliche Abschlusstraining auf der Gugl verzichten die Hotspurs wie berichtet nach der Ankunft heute um 17 Uhr auf dem Flughafen Hörsching. Der Rückflug ist morgen für 23 Uhr angesetzt – also etwas mehr als vier Stunden nach dem Anpfiff der Partie.

Mehr Regenerationszeit ist der Grund für den Kurztrip: Am Sonntag empfängt Tottenham im Derby Arsenal. Gegen den emotionell größten Rivalen in London soll die Tabellenführung in der Premier League verteidigt werden. Abwehrchef Toby Alderweireld wird die Reise nach Linz wegen einer Verletzung ebenso wie Erik Lamela nicht mitmachen.

Jose Mourinho – der Gast auf der Gugl ist ein "Special One"
2017: In Manchester wurde er trotz des Europa-League-Titels nicht glücklich.

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Harald Bartl

stellvertretender Ressortleiter Sport

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