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Fußball International

Glasner-Club Frankfurt nach Elferkrimi Europa-League-Sieger

Von nachrichten.at/apa   18. Mai 2022 23:57 Uhr

Europacupsieger: So schön jubelten die Frankfurter

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SEVILLA. Oliver Glasner ist seit gestern der erste Oberösterreicher, der einen Europacupsieg erringen konnte. Eintracht Frankfurt bezwang die Glasgow Rangers in einem dramatischen Spiel im Elfmeterschießen.

Was für eine Dramatik! Als Rafael Borre um 23.55 Uhr den entscheidenden Elfmeter zum 5:4-Sieg für Eintracht Frankfurt im Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers ins linke Kreuzeck gehämmert hatte, war auch ein Stück österreichischer Fußball-Geschichte perfekt. Oliver Glasner ist seit gestern der erste Oberösterreicher, der einen Europacupsieg erringen konnte – und der einzige österreichische Trainer nach Ernst Happel, der zuletzt 1983 den Europapokal der Meister gewann. Während in Sevilla alle Dämme brachen, blieb der Riedauer in der Sekunde des Triumphes fast stoisch ruhig – und schüttelte sofort die Hand seines Gegenübers, Rangers Trainer Giovanni van Bronckhorst. Danach meinte er nur: „Es ist unglaublich. Mir fehlen die Worte – und das kommt sonst nicht sehr oft vor.“

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Oliver Glasner und seine Frankfurter haben es geschafft! 

Lockerheit bis zur letzten Sekunde vor dem Anpfiff – das hatte Oliver Glasner auch gestern am Spieltag durchgezogen. So manche positive Nachricht, die am Nachmittag nach Sevilla geschickt worden war, wurde noch umgehend beantwortet.

Es war richtig heiß im mit 44.000 Zuschauern restlos ausverkauften Estadio Ramon Sanchez Pizjuan – und das nicht nur wegen der 32 Grad Celsius auf dem Spielfeld. Am Nachmittag herrschte noch einmal Gänsehautstimmung, als bei der Besprechung ein knapp zweiminütiges Video von Frankfurts Weg ins Finale gezeigt wurde, das mit dem Triumph über den großen FC Barcelona seinen Höhepunkt gefunden hatte.

Und Glasners Plan schien auch von der ersten Minute an aufzugehen. Von Nervosität war bei Eintracht Frankfurt keine Spur zu sehen. Die Hessen übernahmen von der ersten Minute weg das Spielgeschehen. Gestoppt nur von einer fünfminütigen Unterbrechung, als Sebastian Rode von Glasgows John Lundstram mit dem Stollen auf der Stirn getroffen wurde, und seine blutende Wunde lange behandelt werden musste.

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Sebastian Rode spielte danach mit Turban weiter. 

Bitterer Wiederbeginn

Nach der Pause wurde es zuerst richtig bitter. Da stolperte mit dem Brasilianer Tuta ausgerechnet der Ersatz von Martin Hinteregger vor dem 0:1 über die eigenen Beine. Glasgow-Rangers-Stürmer Joe Aribo, der bis dahin kein einziges Tor in dieser Europa-League-Saison erzielt hatte, nützte den Fehler –und brachte die Rangers in Führung. Tuta musste danach noch dazu verletzt ausgetauscht werden (57.).

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Joseph Ayodele-Aribo traf zum 1:0 für die Rangers. 

Doch Eintracht Frankfurt fand nach einigen Schock-Minuten rasch die richtige Antwort. Nach einer Kostic-Flanke von links spitzelte Rafael Borre den Ball aus wenigen Metern zum 1:1 ins Tor (69.). Damit rettete er die Eintracht hochverdient in die Verlängerung.

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Der 1:1-Ausgleich von Rafael Borre. 

Die Hitze machten den Mannschaften zunehmend zu schaffen. Eine zwingende Chance ergab sich im intensiven Vergleich mit kleinen Vorteilen für Frankfurt auf beiden Seiten keine mehr. Es ging in die Verlängerung. Dort öffnete Bassey mit einem Ausrutscher Borre den Weg zum Tor, der Rangers-Verteidiger rettete aber selbst. Hüben wie drüben machten sich deutlich Verschleißerscheinungen bemerkbar. Die Blauen hatten noch eine Riesenchance, Frankfurts Kevin Trapp rettete in der 118. Minute sensationell mit einer Fußabwehr gegen Ryan Kent.

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Drama in der 118. Minute: Ryan Kent scheitert aus wenigen Metern an Kevin Trapp. 

Die Entscheidung musste somit vom Punkt fallen. Die ersten drei Schützen beider Teams traten souverän auf. Lenz, Hrustic und Kamada trafen für Frankfurt, für die Rangers waren Tavernier, Davis und Arfield erfolgreich. Danach trat der extra für das Elferschießen in der 117. Minute eingewechselte Ramsey an und scheiterte an Trapp.

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Aaron Ramsey schießt zentral, Trappe wehrt mit dem Fuß ab. 

Damit war Frankfurt im Vorteil: Kostic und Borre behielten die Nerven, verwandelten ihre Elfmeter souverän und machten Frankfurt damit zum Sieger der Europa League. Und so konnten die Frankfurter mit den Oberösterreichern Oliver Glasner, Michael Angerschmid und Ronny Brunmayr Europacup-Geschichte schreiben – und nach dem Triumph sprachlos sein.

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Kollektiver Frankfurt-Jubel nach dem entscheidenden Elfmeter. 

Reaktionen: "Wir sind alle die Helden"

Oliver Glasner (Trainer): "Jeder hat alles herausgepresst. Wir sind zurückgekommen. Das entschädigt für alles. Jetzt gibt es ein paar Tage Feiern. "Es war eine brutale Anspannung, ein Schlagabtausch von beiden Mannschaften. Wir waren beide gefühlt stehend k.o. Die Jungs haben im Elferschießen die Nerven bewahrt, ich wusste, dass er einen hält. Wir sind wieder zurückgekommen nach dem Rückstand. Ich bin so stolz auf die Mannschaft, unglaublich. Ich werde heute einmal auch die Sau rauslassen, morgen auch und vielleicht übermorgen. Wenn es nicht mehr geht, werde ich in den wohlverdienten Urlaub gehen. Es war eine Wahnsinnssaison mit einem schwierigen Start. Dass wir hier dann als Europa-League-Sieger stehen, ich kann es gar nicht glauben."

Martin Hinteregger (Abwehrspieler/im Finale nicht dabei): "Was war das für ein Spiel heute. Noch im Elfmeterschießen zu gewinnen, das passt zu diesem Spiel. Es ist unglaublich, was hier heute geliefert wurde. Die Reise geht weiter in der Champions League."

Kevin Trapp (Tormann): "Wir sind alle die Helden, schau dir das an. Es gibt nicht einen Helden, wir alle sind es."

Sebastian Rode (Kapitän): "Unglaublich diese Mannschaft. Wir haben es einfach verdient. Wir sind unglaublich glücklich, jetzt mit den Fans feiern zu dürfen. Es stand so viel auf dem Spiel. Ich war direkt wieder bei Bewusstsein, insofern war es okay."

Ansgar Knauff (Mittelfeld): "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe im Elfmeterschießen fast einen Herzinfarkt bekommen. Wir wussten vorher, dass er einen hält. Es ist einfach nur schön, wir haben es geschafft."

Eintracht Frankfurt - Glasgow Rangers Endstand 1:1 (0:0,1:1) n.V., 5:4 i.E.

Sevilla, Estadio Ramon Sanchez-Pizjuan, 43.000, SR Vincic/SLO 

Tore: 0:1 (57.) Aribo, 1:1 (69.) Borre

Elfmeterschießen:

  • 0:1 - Tavernier trifft
  • 1:1 - Lenz trifft
  • 1:2 - Davis trifft
  • 2:2 - Hrustic trifft
  • 2:3 - Arfield trifft
  • 3:3 - Kamada trifft
  • 3:3 - Ramsey scheitert an Trapp
  • 4:3 - Kostic trifft
  • 4:4 - Roofe trifft
  • 5:4 - Borre trifft                  

Eintracht: Trapp - Toure, Tuta (59. Hasebe), N'Dicka (100. Lenz) - Knauff, Rode (90. Jakic), Sow (106. Hrustic), Kostic - Lindström (70. Hauge), Kamada - Borre

Rangers: McGregor - Tavernier, Goldson, Bassey, Barisic (117. Roofe) - Lundstram, Jack (74. Davis) - Wright (74. Sakala/117. Ramsey), Kamara (91. Arfield), Kent - Aribo (101. Sands)

Gelbe Karten: Keine bzw. Aribo, Wright

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