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EURO 2021

So feierte Österreichs Nationalteam den EM-Aufstieg 

Von nachrichten.at   22. Juni 2021 07:03 Uhr

Teamchef Franco Foda
Ausgelassene Emotionen bei Teamchef Franco Foda

Österreichs Fußball-Nationalteam ist nach dem 1:0-Sieg über die Ukraine und dem damit verbundenen EM-Aufstieg ins Achtelfinale wohlbehalten im  Teamcamp in Seefeld angekommen. 

Es überraschte wenig, dass der ÖFB-Teambus mit gut gelaunten Passagieren um 1.07 Uhr Früh im Teamcamp in Mösern ankam. Schon aus der Entfernung war trotz geschlossener Fenster unüberhörbar, dass laute Musik gespielt wurde. David Alaba oder Marko Arnautovicsangen laut Austropop-Hits von Rainhard Fendrich wie "Weus'd a Herz host wia a Bergwerk" oder "Strada del Sole" bzw. die STS-Klassiker "Großvater" und "Fürstenfeld".

Zuvor holte Busfahrer Stefan Kutsenits den ÖFB-Tross am Flughafen Innsbruck ab, wo der Flug von Bukarest kommend nach 1:43 Stunden um 0.19 Uhr aufsetzte. Siegtorschütze Christoph Baumgartner gab nach seiner Auswechslung Entwarnung. Der Kopf bereitet keine großen Schmerzen mehr. Wohl auch deshalb, weil er und seine Mannschaftskollegen fast jeden Ton trafen.

Gut gelaunt zeigte sich auch Aleksandar Dragovic: "Jetzt darf man noch ein Bier trinken. Aber dann liegt der ganze Fokus auf Italien." ÖFB-Teamchef Franco Foda, der die Siegerfaust beim Verlassen des Busses in die Höhe streckte, drückte an diesem Abend auch ein Auge zu, noch bevor im Hotel Nidum das "Abendessen" serviert wurde. Das Training am Dienstag wurde von 11 auf 17 Uhr nach hinten verlegt.

„Haben zum zweiten Mal Geschichte geschrieben“

Der Blick war schon kurz nach der Rückkehr wieder nach vorne gerichtet:  Österreichs Fußball-Nationalspieler sind sich der Hürde, die sich am Samstag (21.00 Uhr/live ORF 1) im EM-Achtelfinale in London vor ihnen aufbaut, bewusst. Die Italiener haben sich mit drei eindrucksvollen Siegen in der Gruppenphase zu einem Turnierfavoriten entwickelt. 30 Partien sind sie bereits ungeschlagen. Die überzeugende Leistung im Gruppenfinale am Montag gegen die Ukraine (1:0) lässt das ÖFB-Team allerdings von einer Überraschung träumen. "Wir wissen schon, dass Italien wahrscheinlich die beste Mannschaft in dem Turnier ist, was das komplette Paket betrifft mit Defensive und Offensive", meinte ÖFB-Torhüter Daniel Bachmann, der in Bukarest in seinem erst fünften Länderspiel ein sicherer Rückhalt war. "Italien ist überragend im Moment. Aber wenn wir so spielen wie hier offensiv in der ersten und defensiv in der zweiten Hälfte, glaube ich, dass wir jeder Mannschaft das Leben schwer machen können."

Das Stadion, in dem am Samstag gespielt wird, übt auf den England-Legionär einen besonderen Reiz aus. "Es gibt keine größere Fußball-Bühne als das Wembley-Stadion in London", sagte Bachmann, mit Watford in der vergangenen Saison in die Premier League aufgestiegen. Für ihn hätte der Spielort Vor- und Nachteile: Wegen der Ein- und Ausreisebestimmungen in Großbritannien können seine Frau und seine Kinder vor Ort sein - seine Eltern wie alle anderen ÖFB-Fans, die aus Österreich anreisen müssten, nicht.

Video: Ex-Nationalteamspieler Marc Janko analysiert im ZiB-Interview den sensationellen EM-Aufstieg Österreichs: 

"Jetzt haben wir zum zweiten Mal Geschichte geschrieben für den österreichischen Fußball", erklärte Bachmann. Dem ersten EM-Sieg des ÖFB-Teams gegen Nordmazedonien (3:1) folgte der erstmalige Einzug in die K.o.-Phase eines Kontinentalturniers. "Das werden wir genießen. Dann werden wir uns auf das Spiel am Samstag vorbereiten und hoffentlich ins Viertelfinale einziehen." Dort ginge es am 2. Juli in München mit Belgien gegen einen weiteren Topfavoriten - oder einen noch zu ermittelnden Gruppendritten.

Xaver Schlager wollte noch nicht zu weit vorausdenken. "Jetzt freuen wir uns einmal über diesen Sieg", sagte der Mittelfeld-Dynamo, der gegen die Ukrainer eine enorm starke Partie zeigte. "Das ist noch nicht das Ende. Wir sind jetzt im Turnier in einer K.o.-Phase", erklärte der Wolfsburg-Legionär vor der nächtlichen Rückreise ins Teamquartier nach Seefeld. Dort wird am Dienstag regeneriert - ehe die Vorbereitung auf Italien beginnt.

"Jeder hat gesehen, dass die eine super Gruppenphase gespielt haben, lange ungeschlagen sind", sagte Schlager. "Im Endeffekt ist es Vergangenheit, das tut nichts mehr zur Sache." Es sei nur ein Spiel, in dem alles passieren könne. "Mit Verstecken werden wir nicht weit kommen. Das werden wir nicht machen." Ähnlich sah es ÖFB-Kapitän David Alaba, der als Linksverteidiger den ukrainischen Offensivstar Andrij Jarmolenko abmontierte: "Wir sind hier um zu träumen. Mal sehen, was da alles geht. Wir haben gesehen, wie Italien in der Gruppenphase gespielt hat, aber in Wembley, das wird großartig." Alaba hat das Stadion in bester Erinnerung, gewann er dort doch 2013 die Champions League.

Foda mit Freudentänzen

In der Stunde seines größten Triumphes als österreichischer Fußball-Teamchef hat Franco Foda seinen sachlich-nüchternen Wesenszug beiseitegelegt. Unmittelbar nach dem 1:0 über die Ukraine und dem damit verbundenen Einzug ins EM-Achtelfinale gegen Italien vollführte der Deutsche am Montag auf dem Rasen der Bukarester Arena Nationala Freudentänze, machte vor den mitgereisten heimischen Fans die Welle und umarmte seine Spieler und sogar ÖFB-Präsident Leo Windtner. Das große Ziel, die rot-weiß-rote Auswahl erstmals in eine EURO-K.o.-Phase zu führen, wurde erreicht. Damit will sich Foda aber nicht begnügen - der Coach spekuliert mit einer Überraschung am Samstag im Wembley-Stadion, auch wenn Italien bisher von allen Endrunden-Teilnehmern den vielleicht stärksten Eindruck hinterlassen hat. "In einem Spiel ist alles möglich. Wenn du im Achtelfinale bist, willst du natürlich auch ins Viertelfinale", sagte Foda.

Kurz nach dem Schlusspfiff war der Teamchef von seinen Gefühlen überwältigt. "Die Emotionen waren großartig, das sind die schönen Momente im Fußball", erzählte Foda, bedankte sich überschwänglich bei seinem Betreuerstab und allen ÖFB-Mitarbeitern und hob die historische Bedeutung des Erfolgs hervor: "Wir wollten Geschichte schreiben, das war immer schon unser Thema." Nach dem 3:1 über Nordmazedonien, dem ersten Sieg der ÖFB-Mannschaft überhaupt bei einer EM, gelang nun auch der Einzug in die K.o.-Phase - und das mit einer durchaus beeindruckenden Leistung. "Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie aufgetreten ist. Man hat von der ersten Minute an gespürt, dass wir gewinnen wollen", erklärte Foda.

Als kleinen Wermutstropfen bewertete Foda die Tatsache, dass die Partie nicht schon früher entschieden wurde. "Das einzige Manko war, wir hätten schon in der ersten Hälfte mehr Tore erzielen müssen. Und in der zweiten Hälfte haben wir die Kontersituationen nicht gut zu Ende gespielt." Als Kritik wollte der Nationaltrainer dies jedoch nicht verstanden wissen - zu groß war die Freude über das eben Erreichte.

Der Auftritt sei "beeindruckend" und "eine Top-Leistung zum richtigen Zeitpunkt" gewesen, gab Foda zu Protokoll, wollte aber nicht von der besten Nationalteam-Leistung unter seiner Führung sprechen. "Wir haben auch in der EM-Qualifikation viele gute Spiele gemacht, sonst hätten wir uns nicht qualifiziert", betonte Foda und nannte in diesem Zusammenhang außerdem den Nations-League-Auswärtssieg im September des Vorjahres gegen Norwegen.

Noch am Montagabend stand fest, dass seiner Truppe auch ein Remis gegen die Ukraine zum Aufstieg gereicht hätte - in diesem Fall wäre man als einer der vier besten Gruppendritten im Achtelfinale gewesen. "Aber wir haben nie darüber gesprochen, dass uns ein Unentschieden genügen würde", beteuerte Foda.

Im nächsten ÖFB-Spiel wird es definitiv kein Remis geben. Österreich bestreitet erstmals seit dem Sieg gegen Uruguay am 3. Juli 1954 in Zürich im Spiel um WM-Platz drei bei einem großen Turnier eine Partie, in der es einen Sieger geben muss. Gegen Italien geht man als klarer Außenseiter ins Spiel. "Im ersten Moment schaut es so aus, als ob die Aufgabe unlösbar wäre, weil die Italiener seit Ewigkeiten kein Match verloren haben. Aber wenn wir so auftreten wie heute und noch eine Schippe drauflegen, haben wir auch die Möglichkeit, gegen Italien bestehen zu können", sagte Foda.

Die "Squadra Azzurra" ist seit 30 Länderspielen ungeschlagen und hat ihre jüngsten elf Partien mit einem Torverhältnis von 32:0 gewonnen. "Irgendwann kommt der Tag, wo auch bei Italien etwas nicht funktioniert", vermutete Foda, Sohn eines Italieners. Der Coach wird von Scouts mit Infos über den vierfachen Weltmeister versorgt, zudem sah er zwei der drei Gruppenspiele Italiens live im Fernsehen. "Ich habe schon einen Plan, wie wir gegen sie spielen können", erzählte der Nationaltrainer.

Keine Zeitung gelesen

Ein mögliches Elfmeterschießen spielt in diesem Plan laut Foda nicht wirklich eine Rolle. Man wolle gegen den großen Favoriten keine Abwehrschlacht abliefern, sondern selbst initiativ werden. "Ich gehe davon aus, dass die Partie nicht 0:0 ausgehen wird", sagte Foda, der gegen Italien wohl wieder auf den wegen einer Kopfverletzung ausgetauschten Goldtorschützen Christoph Baumgartner setzen kann. "Es geht ihm so weit gut. Er hatte Schwindelprobleme, deshalb haben wir uns entschlossen, ihn auszuwechseln", berichtete der Teamchef.

Foda hat nach eigenen Angaben seit zwei Wochen keine Zeitung mehr gelesen, auch nicht nach dem Auftaktsieg gegen Nordmazedonien. "Ich wollte mich einfach von nichts beeinflussen lassen. Aber vielleicht schau' ich morgen rein", schmunzelte der ehemalige Sturm-Graz-Trainer.

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