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Welche Strafen Marko Arnautovic erhalten kann

Von OÖN   16.Juni 2021

Schimpf und Schande: Stellt die UEFA jetzt Arnautovic ins Abseits?
Alabas „Rettungsversuch“ funktionierte nicht, der Ausbruch des „Vulkans“ Arnautovic war nicht zu stoppen.

Muss Österreichs Fußball-Nationalmannschaft im morgigen EM-Qualifikationsspiel in Amsterdam gegen die Niederlande (21 Uhr) ohne Marko Arnautovic auskommen? Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass der ÖFB-Teamstürmer von der Disziplinarkommission des europäischen Fußballverbands UEFA nach einer Anzeige des nordmazedonischen Verbands gesperrt wird. Ein Urteil soll bereits heute fallen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum ist die UEFA überhaupt zwei Tage nach dem Spiel in dieser Causa aktiv geworden?

Nordmazedoniens Verband hat beim Europäischen Fußballverband den Vorfall angezeigt und in einem Brief an die UEFA die "härteste Strafe" für den "nationalistischen Ausbruch" von Arnautovic gefordert.

Was hat Marko Arnautovic genau gesagt oder gemacht?

Laut ausländischer Medien wollen Lippenleser entziffert haben, dass Arnautovic nach seinem Tor zum 3:1 die Mutter seines Gegenspielers Ezgjan Alioski auf obszöne Weise beleidigt hat. Dieser Situation waren mehrere Szenen vorausgegangen, in denen auch Arnautovic einstecken hatte müssen. Dies wurde von ÖFB-Spielern bezeugt. "Ich bin aber der Meinung, dass das, was auf dem Platz passiert, auch dort bleiben soll. Marko war bei dieser Geschichte der Unschuldigste", hatte etwa Stürmer Michael Gregoritsch gemeint. Die Situation schien auch bereinigt, nachdem es nach der Partie auf dem Platz ein Shakehands gegeben und sich Arnautovic auch in der gegnerischen Kabine noch einmal bei Alioski entschuldigt hatte. Alioski: "Das war wirklich fair von ihm. Arnautovic ist als Freund gekommen, wir haben Deutsch geredet und uns am Ende verstanden." Alioski ist in der Schweiz aufgewachsen und gehört der albanischen Minderheit Nordmazedoniens an. Arnautovic soll bei seinem Ausraster auch das Wort "Shiptar" verwendet haben. In der serbischen Sprache ist das eine abwertende und rassistische Beleidigung gegen Albaner.

Wie kann das "Handzeichen" von Arnautovic nach seinem Tor interpretiert werden?

Drei abgespreizte Finger, Daumen und Zeigefinder bilden einen Kreis: In der Tauchersprache bedeutet das soviel wie "Alles okay". Seit 2017 wird dieses Zeichen allerdings auch in einem anderen Kontext gedeutet. Die drei Finger bedeuten W, der Kreis steht für P. Das PW bedeutet "White Power" und wird in der rechtsextremen Szene verwendet. Der Attentäter von Christchurch, der vor zwei Jahren 51 Menschen ermordete, hat diese Geste vor Gericht gezeigt. Arnautovic hat sich noch am Sonntag klar von einer rassistischen Denkweise distanziert. Er habe Freunde in fast jedem Land, meinte er in seiner Rechtfertigung.

Welche Strafe kann Arnautovic erhalten?

Sollte ein Verfahren eingeleitet werden – gestern Nachmittag wurde nur der ÖFB zu einer Stellungnahme zum Brief aus Nordmazedonien aufgefordert – ist von einer Einstellung des Verfahrens, über eine Verwarnung oder Geldstrafe bis zu einer Sperre alles möglich. "Eine Entscheidung soll bis Mittwoch fallen", sagt Thomas Partl. Der Ehrenpräsident des Kärntner Fußballverbands ist auch Leiter der UEFA-Disziplinarkammer. Er wird aber bei diesem Fall aufgrund von Befangenheit selbst nicht tätig werden.

Wer entscheidet, ob es eine Strafe gibt?

Erst entscheidet der Disziplinardirektor, ob überhaupt ein Verfahren eingeleitet wird. Kommt es dazu, wird ein vierköpfiges Gremium der UEFA-Disziplinarkammer ein Urteil fällen.

Gibt es Präzedenzfälle?

Wellen hatte vor allem eine Jubelgeste beim 2:1-Sieg der Schweiz bei der Fußball-WM 2018 über Serbien geschlagen. Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, zwei Spieler der Schweiz mit kosovarisch-albanischen Wurzeln, hatten mit den Händen den Doppeladler geformt, der die albanische Fahne ziert. In Serbien war die Geste als politische Provokation aufgefasst worden. Die beiden Spieler wurden mit einer Geldstrafe von 10.000 Schweizer Franken (rund 8700 Euro) belegt. Gesperrt wurden sie nicht.

(haba/chz)

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22. September 2021