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Die Ukraine wird keine Fehler verzeihen

Von Günther Mayrhofer   21.Juni 2021

ÖFB-Teamchef Franco Foda wird heute im entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen die Ukraine seiner EM-Formation wohl treu bleiben. Marko Arnautovic wird spielen und dürfte der einzige personelle Wechsel sein. Er muss das Überraschende in das bisher enttäuschende Offensivspiel bringen.

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Leichter wird das Herausspielen von Chancen im Vergleich zum 0:2 gegen die Niederlande nicht, auch wenn die Ukrainer individuell bei weitem nicht so gut besetzt sind wie die Elftal – außer, das ÖFB-Team nimmt endlich Tempo auf und bewegt die gegnerische Defensive mit zumindest angedeuteten Tiefenläufen.

Im Spielaufbau aus der Abwehr könnte ein Positionstausch helfen: David Alaba wechselte in beiden bisherigen Gruppenspielen in der Schlussphase mit Martin Hinteregger die Plätze. Alaba kann auf seiner besten Position als linker Halbverteidiger viel mehr am Ball beitragen. Gegen Nordmazedonien bereitete er das 2:1 vor, gegen die Niederlande verpuffte die Umstellung in der allgemeinen Unordnung.

Es ist zu erwarten, dass die Ukraine kein Problem damit haben wird, Österreich den Ball zu überlassen – so wie gegen die Niederlande (2:3), bei der die Mannschaft von Teamchef Andrej Schewtschenko gerade 38 Prozent Ballbesitz verzeichnete. Dazu reicht den Ukrainern ein Punkt für Platz zwei, weswegen sie wohl auf Konter lauern werden. Mit Andrej Jarmolenko und Roman Jaremtschuk können zwei bisherige EM-Zweifachtorschützen dem ÖFB-Team im Gegenangriff wehtun. Die Kontergefahr wird umso größer, wenn Österreich wie gegen die Niederlande im Gegenpressing so schlecht abgestimmt ist.

Die Minimalanforderung für das ÖFB-Team vor dem EM-Ankick war das Achtelfinale. Gegen nominell stärkere Gegner wie gegen die Niederländer holte das ÖFB-Team traditionell unter Foda in Pflichtspielen nichts Zählbares. Die Ukraine ist ein Team auf qualitativer Augenhöhe. Wer bei einer EM nicht nach der Gruppenphase nach Hause fahren will, muss gegen diesen Gegner zumindest den notwendigen Punkt holen. Ansonsten muss "Enttäuschung" als Titel über der EURO-Bilanz stehen.

Was wäre, wenn...? Die Szenarien

Als einer der besseren Gruppen-Dritten würde Österreichs Fußball-Nationalteam aktuell erstmals ins Achtelfinale bei einer EM einziehen. Grund dafür ist der Turniermodus, der nach der Aufstockung auf 24 Teams den besten vier der sechs Gruppendritten noch den Einzug ins Achtelfinale garantiert. Mögliche Szenarien, die das ÖFB-Team im schlechtesten Fall bis Mittwoch auf unangenehme Weise betreffen könnten:

Eine Zitterpartie kann die Nationalmannschaft selbst verhindern. Mit einem Sieg gegen die Ukraine wäre der zweite Platz fix. Die Foda-Auswahl würde am 26. Juni in London gegen Italien, den Ersten der Gruppe A, antreten.

Ein Remis gegen die Ukraine bedeutet Platz drei, da die Ukrainer bei ebenfalls ausgeglichenem Torverhältnis mehr Tore erzielt haben. Vier Punkte reichen dem ÖFB-Team sehr wahrscheinlich, um als einer der besten vier Gruppendritten aufzusteigen. Die Schweiz (Gruppe A) hätte man in diesem Fall bereits hinter sich gelassen, da die Eidgenossen zwar vier Punkte, aber das schlechtere Torverhältnis (-1) haben. Fehlt also noch ein weiterer schlechterer Gruppendritter, den man überholen müsste.

Sollte der Aufstieg als Dritter gelingen, spielt Rot-Weiß-Rot mit recht hoher Wahrscheinlichkeit am 29. Juni in Glasgow gegen den Sieger der Gruppe E (aktuell Schweden). Ebenfalls möglich ist ein weiteres Spiel in Bukarest am 28. Juni gegen den Sieger der Gruppe F (Frankreich, Deutschland oder Portugal).

Bei Punktegleichheit unter den Gruppendritten kommt es zunächst auf die Tordifferenz an. Die nächsten Kriterien wären: erzielte Tore, Siege, Fair-Play.

Bei einer Niederlage gegen die Ukraine wird es eng. Zwar reichten etwa dem späteren Europameister Portugal 2016 in Frankreich drei Punkte in der Gruppe zum Aufstieg, die Taschenrechner müssten aber definitiv ausgepackt werden. Wieder könnte das Torverhältnis oder nachfolgende Kriterien den Unterschied ausmachen. Nicht unbedingt erquicklich: Die Österreich-Gruppe C wird als zweite von sechs Gruppen beendet. Rechenspiele könnten notwendig werden - und bis zum Abschluss der Gruppenspiele am Mittwochabend andauern.

Hoffnungsanker: Rein statistisch kann Österreich mit dem Achtelfinal-Einzug planen. So rechnete etwa der Fußball-Daten-Anbieter Gracenote Live nach dem Abschluss der zweiten Gruppenspiele vor, dass das ÖFB-Team mit 87-prozentiger Wahrscheinlichkeit in die K.o.-Runde einziehen wird. Laut einem Vorhersagemodell des Datenspezialisten Opta belegt Rot-weiß-rot mit 67-prozentiger Wahrscheinlichkeit Platz drei.

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22. Oktober 2021