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Kroatiens kleine Weltstadt

Der Jelacic-Platz: Ausgangspunkt der Stadtwanderungen Bild: Zagreb Tourismus

Zagreb: Kroatiens kleine Weltstadt

Zagreb, die Metropole des baldigen neuen EU-Mitgliedslandes, hat altösterreichisches und altungarisches, vor allem aber slawisch-mediterranes Flair. Und das bedeutet entspannten Aufenthalt.

Von Josef Achleitner, 16. Juni 2013 - 00:04 Uhr

Ab Juli ist Kroatien Teil der Europäischen Union, nach einem Jahrzehnt komplizierter und auf beiden Seiten an die Nieren gehender Verhandlungen. Dann kommt auch der Hauptstadt Kroatiens in Europa jene Bedeutung zu, die sie nach Meinung ihrer Bewohner schon seit langem haben sollte.

Denn im Bewusstsein der Österreicher – sie sind die treuesten Kroatienurlauber – liegt die Stadt am Fuß des Medvednica-Gebirges weitgehend außerhalb des Fokus. Die jährliche Urlauberkarawane staut sich in Richtung Istriens Küsten, an die Kvarner Bucht um Opatija, oder sie zieht weiter nach Dalmatien.

Ein Abstecher in das mitten in FestlandKroatien liegende Zagreb zur Entspannung, zur Hebung der Landeskenntnis oder zur Unterhaltung lohnt sich jedenfalls, wie sich die OÖNachrichten wenige Wochen vor den großen Beitrittsfestivitäten der Kroaten überzeugen konnten.

Die lange Einfahrtsstraße in die Stadt zeigt Zagreb als moderne Stadt mit großen Einkaufszentren, erneuerten Wohnsiedlungen und teils futuristischen Hotels. Unseres, im Besitz der Unternehmerfamilie Antunovic, hatte unter einer Glaskuppel im 8. Stock eine rotierende Bar. Reste der nicht funktionierenden sozialistischen Selbstverwaltung Marke Tito oder Spuren des brutalen Bruderkrieges mit den Serben in den 90er Jahren sind nicht zu sehen, und wenn, dann versteckt in weniger attraktiven Stadtvierteln.

Schon vor dem Zentrum wird offensichtlich, dass diese Stadt ihren knapp 800.000, mit Vorstädten etwas mehr als einer Million Einwohnern deutlich mehr Grün vergönnt als andere. Es gibt nicht nur großzügige Parks – der größte beherbergt auch den riesigen Botanischen Garten –, sondern auch viel Natur zwischen den Bauten, sogar im Stadtkern. Dort teilt das sogenannte Grüne Hufeisen Prachtbauten von Geschäftsstraßen und gibt den Flaneuren ein entspanntes Gefühl.

Wie überhaupt städtische Hektik kaum spürbar wird. In der Unterstadt, wo der Stolz der Zagrebacki, das im 19. Jahrhundert im Wiener Ringstraßenstil von den Wiener Architekten Fellner und Helmer erbaute Kroatische Nationaltheater, steht, schlendert man zwischen gepflegten Parks von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit: der schon erwähnte Botanische Garten ist hier, und das Archäologische Museum mit dem weltweit längsten erhaltenen Text in etruskischer Sprache als einer der Attraktionen.

Zentrum des innerstädtischen Lebens ist der Ban-Jelacic-Platz. Markiert von der Reiterstatue des im Widerstand gegen die ungarischen Herrscher zum Nationalhelden gewordenen Bans (Vizekönigs) von Kroatien und Slawonien, bildet dieser Hauptplatz mit seinen stets vollbesetzen eleganten Straßencafés die Brücke zur Oberstadt. Dorthin kann man auch mit einer kleinen Zahnradbahn kommen. Punkt zwölf Uhr kommt vom oben liegenden Pulverturm der Knall eines Kanonenschusses. Hier oben steht die aus dem 13. Jahrhundert stammende Markuskirche, hier residierte der Ban, heute tagt die kroatische Regierung im Banal-Hof und gegenüber das Parlament.

Fotomotiv Nummer 1 in Zagreb ist aber die Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, das vom Erzbischöflichen Palast umgeben ist. Das Areal war einst, Kaptol (wie Kapitel) genannt, ein dem hohen Klerus vorbehaltener Stadtteil. In der Kathedrale, die gleichzeitig Schatzkammer ist, zeigt sich, wie katholisch die Kroaten trotz mehr als 40 Jahren Kommunismus noch sind. Ein Kirchenkonzert am späten Nachmittag füllt das Gotteshaus bis auf den letzten Platz, keineswegs nur mit älteren Menschen.

Was man sehen muss:

Zagrebs Botanischer Garten: Fast fünf Hektar groß ist der mitten in der Stadt gelegene Botanische Garten (Bild rechts). Die Gestalter können mit 10.000 verschiedenen Pflanzenarten auftrumpfen, darunter etwa 1800 exotische Gewächse aus aller Welt, mit Schwerpunkt Asien. Man flaniert auf schön angelegten Pfaden zwischen Nadelhölzern, künstlichen Gewässern, Pavillons und Gewächshäusern. Vor zehn Jahren musste das gesamte Areal generalsaniert werden, weil einige der importierten Gehölze von Ungeziefer befallen worden waren und den Bestand zu zerstören drohten.

Salopp bis elegant: Das eleganteste Hotel in Zagreb ist zweifellos das Regent Esplanade Zagreb (Foto unten). Das 1925 im historistischen Stil erbaute Fünf-Sterne-Haus ist eines der beliebtesten touristischen Fotomotive. Ursprünglich war es die standesgemäße Unterkunft für die noblen Passagiere des Orient Express. Seither hat das Esplanade Prominente wie die Tänzerin Josephine Baker, Filmregisseur Orson Welles, „Satchmo“ Louis Armstrong oder Woody Allen beherbergt. Man kann in Zagreb aber bereits um weniger als 40 Euro übernachten. Es gibt auch Campingplätze und Jugendherbergen.

Speis & Trank: Die Preise in Zagreb sind, wenn man nicht gerade im Spitzenhotel diniert, für Österreicher günstig. In der Tkalciceva, der idyllischen Restaurantmeile zwischen Oberstadt und Kaptol, gibt es Menüs ab sieben Euro. Dazu eine große Auswahl an Bieren, auch kroatische.
Das beste Restaurant in Kroatien führt übrigens ein Österreicher mit seiner kroatischen Frau. Christian Cabalier, gerüchteweise verwandt mit dem Sänger Andreas Gabalier, ist mit seinem „Bistro Apetit“ in Zagreb der Liebling der Gourmets und der Kritiker.

 

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