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Winterwandern

Das Tempo wird so an die Gruppe angepasst, dass Weltanschauen und Genießen nicht zu kurz kommen.

Winterwandern in den Karpaten

Nachhaltig reisen ist das Ziel. Ferdinand Kaineder war neun Tage lang in Rumänien unterwegs. Auf Schusters Rappen durch Siebenbürgen, die Karpaten und die großen Städte.

19. Dezember 2015 - 00:04 Uhr

Ich höre noch die monotonen nächtlichen Zuggeräusche, obwohl ich seit Stunden nicht mehr im Schlafwagen liege. Immer wieder taucht der Wasser tragende Bauer auf. Neun Tage "Weltanschauen" in Siebenbürgen in Rumänien, in den Karpaten und in Kronstadt (Brasov) liegen hinter mir. Meine 16 Mitreisenden haben beim Abschied einen zufriedenen, mit Eindrücken, Begegnungen und Erfahrungen genährten Eindruck gemacht. Die Zugfahrt hat der Seele Platz und Zeit gegeben, das "Erfahrene" nachwirken zu lassen.

Nachhaltig reisen war und ist das Ziel. Unsere Winterwanderungen haben wir alle gemacht, "ohne dabei ein Programm erfüllen zu müssen". Es kam uns irgendwie entgegen: schauen, hinhören, bewegen, gut essen und ausruhen haben eine gute Balance gefunden. Lachen und Spaß war immer dabei. Im Wissen, dass keine Tastatur eine solche Woche einfangen kann, möchte ich ein paar Eindrücke festhalten – nein: andeuten. Es sind behutsame Hinweise für uns, die wir gemeinsam dort waren, und jene, die sich diesem weiten Land Rumänien, den Karpaten und Siebenbürgen stellen wollen.

Winterwandern
Spuren im Schnee, die auf Bären und Luchse schließen lassen

Spuren im Schnee, die auf Bären und Luchse schließen lassen

Nach unserer Anreise mit dem Nachtzug von Wien nach Sibiu (Hermannstadt) bleiben wir den ersten Tag in der Hauptstadt Siebenbürgens, die 2007 Kulturhauptstadt Europas war und heute Zentrum einer boomenden modernen Wirtschaftsregion ist. Nach einer Stadtführung besuchen wir das Landlerdorf Neppendorf am Stadtrand von Hermannstadt mit einem kleinen Museum zur Geschichte der Landler, die im 18. Jahrhundert wegen ihres Glaubens aus Österreich vertrieben wurden und hier eine Heimat fanden. Am nächsten Morgen verlassen wir Hermannstadt und fahren über Mediasch und das mittelalterliche Juwel Schäßburg nach Magura in die gemütliche Pension "Villa Hermani" auf 1050 Meter Seehöhe, die von Katharina und Hermann Kurmes geleitet wird. Beide sind Mitbegründer des rumänischen Ökotourismusverbandes. Es ist still. Und dunkel. Man kann die Ruhe hören. Wir begeben uns eine gute Woche zurück in eine andere Zeit.

Das Bergdorf Magura, unser Ausgangspunkt für die kommenden Tage, liegt im Nationalpark Königstein (Piatra Craiului), dem größten Wildtierprojekt Europas. In dieser Bergwelt sind mehr als die Hälfte aller Wölfe und Bären Europas zu Hause. Bei unseren Schneeschuhwanderungen in den stillen verschneiten Wäldern und einsamen Höhen im Nationalpark Königstein konnten wir Spuren dieser seltenen Tiere im Schnee sehen. Gehen ist für die kommenden Tage unsere Annäherungsform.

Die steile Gegend von Magura und Pestera ist am ersten Tag unsere Eingehwanderung hinauf zum Berg Magurice auf 1400 Meter mit wunderbaren Ausblicken auf das Burzental und die Ortschaft Rosenau. Wir freuen uns, dass es in der Nacht frisch geschneit hat. So schnallen wir Schneeschuhe an und stapfen in kleinen Gruppen hinterm Bergführer die verschneite Naturstraße entlang. Wir passieren kleine Holzhäuser und einfache, verstreut liegende Bauernhöfe. Manche sehen verlassen aus, in anderen gehen einzelne Menschen gemächlich in dem leise fallenden Schnee ihren Tätigkeiten nach.

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Die wunderschöne und liebliche Landschaft der Karpaten.

Die wunderschöne und liebliche Landschaft der Karpaten.

Eine Frau treibt ein paar Rinder über den tief verschneiten Pfad zur Tränke, eine andere führt ihr Pferd den Berg hinan. Da steht eine Stalltür offen, wen es interessiert, der darf das erste Lämmchen des neuen Jahres bestaunen. Auf noch unsicheren Beinchen steht es beschützt von seiner Mutter da und guckt neugierig. Da leuchten die Augen der Wanderer und die der Bäuerin.

Hunde laufen aufgeregt bellend hinter Zäunen auf und ab, Streuner kommen uns des Weges entgegen, warten ab und prüfen uns skeptisch. Dick bewollte Schafe in ihren Koppeln knabbern gelassen frische Rinde von den Weidenruten, die ihnen die Bauern als Leckerbissen vorgeworfen haben. Ob des einfachen Lebens fühlen wir uns um Dekaden in die Mitte des vorigen Jahrhunderts versetzt.

Unser Blick geht bis an die bewaldeten Abhänge und langgezogenen Zinnen des Königsteinmassivs, ein Paradies für Naturfreunde und Wanderer. Wir steigen den frisch getretenen Pfad bergan bis auf ca. 1200 Höhenmeter und machen eine kurze Foto- und Trinkpause. Unsere Augen schweifen in die Ferne und zurück zum Dorf Magura mit der Kirche und der Villa Hermani, folgen den sanften Bergkuppen, die alle Teil dieses von Zweitausendern umrahmten Kessels sind, fasziniert von der sanften Schönheit und Stille der Landschaft, dem glitzernden Schnee unter herrlich blauem Himmel.

An der Fledermaushöhle angelangt, wollen einige mit Taschen- und Stirnlampen ausgerüstet die Fledermäuse in ihrem Quartier besuchen.

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Natürlich darf auch die Rast nicht zu kurz kommen.

Natürlich darf auch die Rast nicht zu kurz kommen.

Ein herzliches Willkommen

Danach gleiten wir durch den weichen Schnee einen steilen Hang bergab, überqueren einen Steg, um wieder bergauf zu stapfen, manche flink und leicht, andere etwas langsamer. Oben angelangt, sind wir noch immer nicht am Ziel, nochmals gehen wir einen Hang ins Tal hinab, und endlich erreichen wir nach einer letzten großen Anstrengung wieder Magura, unseren Ausgangspunkt. Da wird uns beim Bauern ein herzliches Willkommen bereitet, auf offenem Feuer dampft im Kessel Kartoffelgulasch. Zur Begrüßung gibt es wärmenden Glühwein. Dann setzen wir uns zu Tisch und verspeisen die Köstlichkeiten, während der umsichtige Hausherr süßen, nach Zimt duftenden Glühwein in unsere Becher nachfüllt. Entspannung macht sich breit und ein Glücksgefühl, weil wir hier in den Karpaten mit lieben Menschen ein paar angenehme Stunden verbringen. Der Übergang hinüber nach Bran zum "Dracula-Schloss", das seit Bram Stokers Roman als Sinnbild für die legendären Karpatenschlösser gilt und in unzähligen Filmen als Kulisse diente, gibt uns am nächsten Tag die Gelegenheit, mehr über die regionale Architektur und die Handwerkskunst im örtlichen Dorfmuseum zu erfahren.

Unsere Wanderung durch die Schlucht hinauf zur Hirtenhütte und zur Berghütte am Fuße des Königsteins oder das Hinübergehen nach Wolkendorf zum 2005 gegründeten Bärenreservat inmitten eines Eichenwaldes erlauben tiefen Einblick in eine zauberhafte Winterlandschaft.

Jeden Tag sechs Stunden gehen war für mich als "Geher und Pilger" die wunderbarste Annäherung an die alte siebenbürgische Kultur und ihre Menschen.

 

Karpaten

Sie bilden einen über 1300 Kilometer langen, 100–350 Kilometer breiten, nach Westen offenen Bogen, der am Nordwestrand des Wiener Beckens mit dem Karpatenvorland bei Bratislava beginnt und an den Flüssen Morava, Niava und Timok im Osten Serbiens endet. Die Karpaten sind der nördlichste Teil des alpidischen Gebirgsgürtels, innerhalb dessen sich westlich die Alpen und südlich Balkan und Rhodopenmassiv anschließen, während Dinariden und Apenninen nach Südwesten versetzt parallel liegen.

Südkarpaten (auch: Transsilvanische Alpen, Siebenbürger Alpen): Sie folgen vom Predealpass aus nach Westen. Sie befinden sich in Rumänien und zum kleineren Teil in Serbien. Sie erreichen mit dem Moldoveanu 2544 Meter Höhe.

Das Banater Gebirge ist der letzte Gebirgszug im Westen. Rumänien bezeichnet das Banater Gebirge und das Apuseni-Gebirge als Westkarpaten.

Veranstalter: Diese Winterreise findet auch 2016 statt, von 12. 2. bis 20. 2. Das Detailprogramm gibt es beim Veranstalter „Weltanschauen“ unter www.weltanschauen.at oder Tel. 0676/ 7602313.

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Kommentare

„Schön, daß es euch gefallen hat... Im inzwischen legendärem http://rumaenienadventskalender.de ...“ unbekannt Schön, daß es euch gefallen hat...:-)Im...

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