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Irgendwie & Sowieso

Eine rutschfeste Sohle ist beim "Ö till Ö" besonders wichtig: überall gibt es klitschige Steine. Bild: Jakob Edholm

Irgendwie & Sowieso

65 Kilometer im Neoprenanzug laufen, dazwischen zehn Kilometer mit Laufschuhen im Meer schwimmen. Laëtitia Pibis aus Linz hat sich für die Swimrun-WM in Schweden qualifiziert.

Von Andreas Kremsner, 29. August 2015 - 00:04 Uhr

Laufen, schwimmen, laufen, schwimmen, laufen... Für den amerikanischen Nachrichtensender CNN ist "Ö till Ö", so heißt die Swimrun-Weltmeisterschaft in Schweden, eines der härtesten Eintagesrennen der Welt. Warum? Weil die Teilnehmer abwechselnd laufen und schwimmen müssen; 30 Wechsel sind geplant. Und dabei dürfen die Athleten ihre Ausrüstung nicht wechseln. Also wird mit Laufschuhen geschwommen und mit Paddeln an den Händen gelaufen. Auch Bojen an den Oberschenkeln, die beim Schwimmen Auftrieb verleihen, müssen beim Laufen dranbleiben.

Swimrun zieht viele Topathleten in den Bann. Deshalb ist die Teilnehmerzahl in Schweden auch auf 120 Zweierteams beschränkt, die Qualifikation fürs Rennen ist beinhart. Die Linzerin Laëtitia Pibis und ihr Wiener Partner Joel Gotsch haben sich heuer in der Schweiz beim Engadin Swimrun mit einem 3. Platz für Schweden qualifiziert.

Die beiden sind ausgezeichnete Bergläufer. Pibis wurde vor wenigen Wochen Zweite beim Großglockner Ultratrail über 110 Kilometer - mehr als 22 Stunden war sie unterwegs. Wie sie sich dabei motiviert? "Bei mir ist es wichtig, dass ich Spaß habe", sagt sie. Gelaufene Zeiten seien nicht so wichtig. "Ich habe einmal zwei Monate lang versucht, mit Trainingsplan zu laufen, aber die Zeiten wurden nicht besser, dafür war der Spaß weg. Jetzt laufe ich einfach und freue mich wieder über die schöne Landschaft."

Woran sie denkt, wenn sie lange läuft? "Ganz unterschiedlich. Ab und zu denke ich mir während des Laufes eine Geschichte aus. Etwa, dass ich auf der Flucht bin und dieser Lauf die einzige Möglichkeit ist, dass mir die Flucht gelingt."

Nach dem Studium übersiedelt die gebürtige Französin 2006 nach Linz; zwei Jahre sollte sie eine Karenzvertretung übernehmen, doch sie ist noch immer hier. "Ich liebe Österreich. Das ist mein Zuhause. Die Landschaft, die netten Menschen."

Sportlich ist sie bereits ihr ganzes Leben lang, sagt Laëtitia. Im Alter von 15 Jahren hätte sie bei einem Busunfall beinahe ein Bein verloren: "Seither weiß ich das Leben noch mehr zu schätzen."

Die 35-Jährige ist ein Energiebündel. 2007 beginnt sie mit Triathlon. "Mir gefällt die Abwechslung; laufen, Rad fahren, schwimmen." 2011 absolviert sie auf dem Feuerkogel ihren ersten Berglauf. "Es war Liebe auf den ersten Blick. Endlich konnte ich in einer wunderschönen Landschaft laufen", schwärmt Laëtitia.

Die 1,55 Meter große Athletin hat bereits viele Rennen gewonnen. Unter anderem 2013 den Vertical-Up. Dabei rennen die Teilnehmer im Winter die Streif hinauf. "Wenn man ausrutscht, rutscht man 400 Meter weit hinunter und gefährdet andere", sagt sie: "Seither bewundere ich Skifahrer, die die Strecke bewältigen, noch mehr." Ob sie das machen würde? "Nie im Leben!"

Zwischen drei und vier Ultraläufe absolviert Laëtitia Pibis im Jahr. Unterwegs ist sie aber fast jedes Wochenende: "Wenn ich einen Trainingskollegen frage, ob wir laufen gehen, dann treffen wir uns nach der Arbeit und laufen die Nacht durch."

Bis jetzt hat sie noch nie einen Lauf vorzeitig beendet. "Man muss nie aufgeben. Irgendwann kommt die Energie zurück." Was ihre große Stärke ist? "Ich genieße meine Läufe und mache mir selber keinen Druck."

Drei Mal die Woche geht‘s zum Schwimmtraining mit ihrem Vereinstrainer Gabor Karpati. Radfahren steht jeden Tag auf dem Programm, von Linz nach Traun zu ihrem Arbeitgeber und wieder zurück. "In der Früh bin ich sehr schnell unterwegs, weil ich immer zu spät dran bin. Abends ist‘s gemütlicher."

Der "Ö till Ö" ist ein Partnerlauf. Laëtitia nimmt heuer mit Joel Gotsch teil - Teamname "Irgendwie & Sowieso". Beim Rennen darf das Paar im Wasser nie mehr als zehn Meter voneinander entfernt sein, beim Laufen nie weiter als 100 Meter, sonst würde es disqualifiziert. Heuer packen sie eine Geheimwaffe aus: Schwimmflossen. Während der Laufstrecken wollen sich die beiden die Flossen über die Schulter hängen. Ob‘s klappt? "Ein Risiko ist es schon. Wir tüfteln noch an der besten Lösung", sagt Laëtitia und lacht.

 

Zur person
Laëtitia Pibis

Zur Person

Name: Laëtitia Pibis; 35 Jahre, gebürtige Französin; wohnt seit 2006 in Linz;

Beruf: Export-Sachbearbeiterin bei Laska in Traun;

Berufung: Bergläuferin. Läuft zum zweiten Mal beim „Ö till Ö“ (von Insel zu Insel) mit, der Swimrun-WM in Schweden: Vorjahreszeit: 11 Std. 34 Min.

www.otilloswimrun.se

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