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"Give me five", Benjamin

Schon der Eingang vom Corinthia Hotel vermittelt Noblesse. Bild: Jack Hardy

"Give me five", Benjamin

Von Großraming nach Großbritannien: Benjamin Hofer will als "Food and Beverage Manager" das Fünf-Sterne-Hotel Corinthia an die Spitze von London hieven. Philipp Braun machte sich ein Bild davon.

Von Philipp Braun, 07. Dezember 2018 - 00:04 Uhr

Luxuriöses London verknüpft mit oberösterreichischer Bodenständigkeit. Ein Widerspruch oder eine charmante Verbindung? Sicher Letzteres. Nach einer Fahrt in die britische Metropole und einem Besuch im Fünf-Sterne-Hotel Corinthia erkennt man den Zauber der kulinarischen Verbindung und ahnt, wohin sich die Branche entwickeln kann.

Kaum wo ist die Dichte an Spitzenköchen größer, in London werden kulinarische Trends gesetzt. Der Oberösterreicher Benjamin Hofer ist dem Lockruf der Weltmetropole bereits vor Jahren gefolgt. Aufgewachsen am Rande des Reichraminger Hintergebirges drückte er die Schulbank in Bad Ischl, studierte Tourismusmanagement in Linz und landete nach Auslandsaufenthalten in Russland und Wales vor elf Jahren in London. Seit einem Jahr arbeitet er im Corinthia Hotel als Food and Beverage (F&B) Manager und übernimmt damit die Verantwortung für alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat. Die Expertise von Benjamin Hofer ist sozusagen in allen Restaurants, Bars, beim Roomservice oder bei Veranstaltungen gefragt.

Hofers Mission

"Wir wollen das Corinthia zum dynamischsten und interessantesten Hotel in ganz London machen", sagt der gebürtige Oberösterreicher. Den Superlativ vermeidet Hofer bewusst. "Was ist das Beste? Ist Schwarzbrot oder Weißbrot besser? Es ist alles eine Frage des Geschmacks." Das Corinthia Hotel trifft zumindest den Geschmack vieler Gäste und zählt zu den zehn luxuriösesten Hotels in London, das mit historischen Geschichten prall gefüllt ist.

Eröffnet wurde das Hotel im Jahr 1885. Damals wollte man Familien in den westlichen Stadtteil von London (Charing Cross in der City of Westminster) locken. Die unmittelbare Nähe zu Trafalgar Square, Westminster, Themse, Covent Garden oder neuerdings dem London Eye war prädestiniert für Touristen, um in der Stadt auf Entdeckungstour zu gehen.

In den Wirren des Weltkriegs wurde das Hotel einige Zeit als Verteidigungsministerium genutzt, ehe es 2007 wieder zum Hotel umgebaut wurde. Heute kommen die meisten Gäste aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien, der Rest teilt sich auf Asien, Mittlerer Osten und dem Festland Europas auf.

Die Gründe für einen Aufenthalt im Corinthia fußen natürlich in der Lage (von der Dachterrasse hat man einen atemberaubenden Blick über London) und im Luxus, der geboten wird. Allein der Spa-Bereich erstreckt sich über vier Stockwerke und vereint 17 Behandlungsräume, einen Indoor Swimming Pool, eine Amphitheater-Sauna und beheizte Marmorbetten. Die Auszeichnung als "World Luxury Spa Awards Winner 2018" ist Balsam für die Seele des Hotels, das auch von vielen international bekannten Schauspielern oder Rockstars gebucht, oder als Ort für Präsentationen wie die von James Bonds "Skyfall" genutzt wird.

Glanz und Glamour

Doch der ganze Luxus hat auch seine Schattenseiten. Leistbar sind die Zimmer (ab 500 Euro pro Nacht) nur für eine Minderheit. Und damit werden die hoteleigenen Restaurants und Bars in den gleichen goldenen Topf des Elitären geworfen. Ein Zustand, der Benjamin Hofer widerstrebt und dem er sich mit seiner bodenständigen, offenen Art und seinem Charisma entgegenstellt. "Wir wollen, dass auch die Leute aus der Umgebung vorbeischauen. Nicht nur Hotelgäste. Jeder ist gern gesehen und willkommen. Wir haben kein Problem damit, wenn Eltern mit Kinderwagen etwas essen wollen. Es darf hier keine Barrieren geben."

Deswegen gibt es auch einen separaten Eingang ins neu eröffnete Restaurant Kerridge’s Bar & Grill des gleichnamigen Zwei-Sterne-Kochs (siehe nebenstehendes Interview). Die Gäste müssen nicht durch das Hotel marschieren, sondern können gleich im Restaurant Platz nehmen. Dieses mutet nicht wie ein Pub an, ist aber auch von einem "fine dining restaurant" weit entfernt. "Ich will, dass Leute wie du und ich herkommen und sagen, das ist eine geile Bude. Es ist entspannt, man bekommt super Essen, gute Drinks in einer angenehmen Atmosphäre", erklärt Hofer die Philosophie des Sterne-Kochs: "Es ist nicht so überkandidelt. Tom ist bekannt dafür, Leute, die noch nie in einem Sterne-Restaurant waren, die Scheu zu nehmen. Sie können bekanntes Essen auf hohem Standard ordern, ohne dabei viel falsch zu machen oder auf die Etikette zu achten."

Leistbarer Luxus im Restaurant

Den Gast erwarten meterhohe Räume, in denen er den Blick schweifen lassen kann, bequeme Sitzbänke aus rotem Leder, Tische ohne Tischdecken, jedoch mit Stoffservietten, sowie aufmerksames, bestens ausgebildetes und freundliches Servicepersonal, das in Doc-Martens-Schuhen herumläuft. Im Restaurant blickt man in die Küche und den Barbereich, wo es Bier und Snacks zum Kosten gibt. Statt elitären "tasting menüs" wird in "Kerridge’s Bar & Grill" zu Mittag ein Drei-Gang-Menü um umgerechnet 32 Euro angeboten. Für Londoner Verhältnisse und die gebotene Qualität ist das angemessen. Weine stehen glasweise zu einem vernünftigen Preis, weit unter zehn Euro, in der Karte. "Mich interessiert es nicht, die teuerste Weinkarte zu haben. Wir wollen lieber eine Vielfalt bieten", sagt Hofer, der das gleiche Konzept mit der Bassoon Bar im Hotel verfolgt.

Das renommierte David Collins Studio designte die edel und lässig wirkende Bar. Macis Dzelzainis, einer der weltbesten Barkeeper, belebt diese. Die Preise sind moderat und ähnlich wie im hippen und günstigeren Ostteil Londons. Aus gutem Grund will Hofer Cocktails nicht um 20 Pfund verkaufen. "Das ist nicht in unserem Sinne. Die Bar ist wie ein Puzzleteil. Wenn wir schon ein Restaurant und eine Bar für Londoner haben und regelmäßig ausgebucht sind, dann profitiert auch das Hotel davon. Und die Gäste haben die Gewissheit, bei uns nur das Beste vorzufinden."

5 Insider-Tipps von Benjamin Hofer

  1. Restaurant: Das Restaurant Londrino ist noch ein Geheimtipp und befindet sich in Southwark. Küchenchef Leandro Carreira vereint die besten Techniken einer portugiesischen Küche, die auf dem Teller einfach wirkt, sich aber durch unglaubliche Präzision auszeichnet. Kann polarisieren (www.londrino.co.uk)
  2. Pub: Tom Harris und Jon Rotheram, zwei ehemalige Köche des Londoner Kult-Restaurants St. John, haben sich selbstständig gemacht und im Osten der Stadt das Pub Marksman eröffnet. Hervorragendes Bier, super Essen, außergewöhnlicher Ort. (www.marksmanpublichouse.com)
  3. Weinbar: Sager + Wilde war eine der ersten coolen Weinbars in London, befindet sich in der Hackney Road und hat gut kalkulierten Wein in einem international ausgerichteten Sortiment (www.sagerandwilde.com)
  4. Lebensmittel: Ausgezeichnetes Sauerteigbrot gibt es bei E5 Bakehouse, fantastischen Käse von 49 Handwerksbetrieben bei Neal’s Yard Dairy. (www.e5bakehouse.com) (www.nealsyarddairy.co.uk)
  5. Club: Ronnie Scotts Jazz Club in Soho ist nach wie vor legendär und top. (www.ronniescotts.co.uk)

Genuss und gutes Essen dürfen nicht nur auf eine kleine elitäre Gruppe beschränkt werden. Der Brite Tom Kerridge fordert eine Demokratisierung der Gaumenfreuden. Mehr lesen Sie hier: Tom Kerridge, Sternekoch für alle

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