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Det ordner seg – Das wird schon

Oft wanderte Simon Michalowicz tagelang durch Norwegen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Er genoss diese Einsamkeit. Bild: Andreas Kremsner

Det ordner seg – Das wird schon

"Norge på langs" ist die Königsdisziplin der Wanderungen in Norwegen. Zu Fuß vom südlichsten Punkt am Kap Lindesnes geht‘s 3000 Kilometer bis zum Nordkap. Simon Michalowicz hat sie bewältigt.

Von Andreas Kremsner, 28. Juli 2015 - 00:04 Uhr

Samstag, 12. Oktober 2013: In Norwegens Norden ist es nebelig und kalt. Für Simon Michalowicz erfüllt sich gerade ein Traum. Er baut die Fotokamera auf, um sich mit der Globusstatue am Nordkap zu fotografieren. Einigen Touristen dauert das aber zu lange: "Platz da. Wir wollen auch Fotos machen!" "Den großen Moment des Ankommens habe ich mir anders vorgestellt …", denkt sich Simon. Schließlich hatte ihn der Weg dorthin viel Zeit, Energie und auch seinen Job gekostet.

Rückblende. 140 Tage zuvor und 3000 Kilometer südlicher bricht Michalowicz am Kap Lindesnes auf. Ein Jahr hat seine Vorbereitung gedauert. Wer die Langstreckenwanderung absolvieren will, muss die Route selbst festlegen. Es gibt keinen ausgeschilderten Fernwanderweg längs durchs Land, lediglich eine grobe Grundroute. Wo und wann die Strecke bewältigt wird, ist jedem Wanderer selbst vorbehalten.

30 Kilogramm schleppt Michalowicz in seinem Rucksack mit. Die Reise beginnt mit Gewitter, Hunger und Sonnenbrand; Blasen an den Füßen und die damit verbundenen Schmerzen waren eingeplant. "Ich kannte das von vorherigen Wanderungen und wusste, dass ich damit umgehen kann. Als es dann kam, habe ich mir die Pausen genommen, die mein Körper einforderte."

"Man muss lernen, die Schmerzen zu genießen", erinnert sich Michalowicz an den Ausspruch eines Freundes: "Dann bin ich ein Genusswanderer."

Tag für Tag das gleiche Prozedere: Der Deutsche wandert bei Sonne, Regen und Nebel; er baut das Zelt Dutzende Male am Abend auf, am Morgen ab. Rituale bekommen einen hohen Stellenwert: "Ich glaube, ich habe jedes Mal, wenn ich das Zelt aufgebaut hatte, ein Cola getrunken. Und auch Ananasscheiben aus der Dose fallen in diese Kategorie."

Man müsse sich voll und ganz darauf einlassen, was einem Natur und Wetter anbieten, sagt Michalowicz: "Norweger neigen zur Gelassenheit und sagen immer ,Det ordner seg’ – Das wird schon – und genau so ist es.

Aufgeben war nie eine Option. Allerdings übernimmt er sich bei einer 38 Kilometer langen Tagesetappe derart, dass er körperlich und mental einknickt. Da begegnet er einem Norweger, der die Langstreckenwanderungen bereits absolviert hat: "Es geht nicht darum, schnell zu sein. Sondern darum, draußen in der Natur eine gute Zeit zu haben", gibt ihm der mit auf den Weg. Labsal für Michalowicz‘ Seele, von da an kann er die Pausen genießen.

Obwohl ständig in der Wildnis, begegnen dem Langstreckenwanderer weder Bär noch Wolf noch Elch, dafür Dutzende Rentiere: "Ich wusste, dass es unwahrscheinlich ist, einen Wolf oder einen Bären zu treffen. Ich hab mir auch keine Gedanken darüber gemacht, was ich im Fall der Fälle gemacht hätte. Vermutlich wäre ich einfach sehr laut geworden."

Wie er mit Stille umgegangen ist? "Die Stille habe ich mit zunehmender Tourlänge als Luxus empfunden. Man sagt ja, dass Stille furchteinflößend sein kann, ich fand sie großartig und habe mich gerade im Norden sehr geborgen gefühlt."

Und dann kommt jener Tag, an dem er sein Ziel erreicht, das Nordkap: "Ich hatte eine merkwürdige Leere im Kopf. Das Wandern wird zum Alltag, plötzlich hört es auf. Am liebsten wäre ich umgekehrt und zurückgelaufen." Aber schnell machen ihm seine Landsleute bei der Globusstatue klar, dass er die "Wildnis" hinter sich hat, wieder im Kollektiv ist.

Im Buch "Norwegen der Länge nach" hat Simon Michalowicz seine Erlebnisse zusammengefasst – zwischen Polarlichtern und Blasen an den Füßen; 272 Seiten; 15,50 Euro

Name: Simon Michalowicz

Alter: 34 Jahre

Beruf: Autor; er kündigte seinen langjährigen Bürojob in der IT-Branche, nachdem er bei Fahrrad- und Wandertouren durch Skandinavien seine Leidenschaft für die Natur entdeckt hatte. Als gebürtigem Dortmunder liegen ihm die Borussia und der Ruhrpott sehr am Herzen.

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