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Landespolitik

Muss Seniorenbund OÖ zwei Millionen Euro Corona-Hilfen zurückzahlen?

Von nachrichten.at   25. Mai 2022 10:20 Uhr

Der Seniorenbund argumentierte mit seiner Doppelexistenz als Verein und mit Einnahmeausfällen, etwa wegen Absagen des Seniorenbund-Balls (Archivbild). 

LINZ. Der oberösterreichische Seniorenbund hat aus dem "Non Profit Organisationen-Unterstützungsfonds" fast zwei Millionen Euro Corona-Hilfen kassiert – obwohl Parteien und ihre Teilorganisationen davon ausgeschlossen sind.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) prüft nun Rückforderungen. Der Seniorenbund argumentiert, dass er das Geld nicht für Parteiarbeit nutze. Der bei Kogler angesiedelte NPO-Fonds wurde im Frühjahr 2020 eingerichtet, um gemeinnützige Vereine und andere Non-Profit-Organisationen sowie Einrichtungen anerkannter Glaubensgemeinschaften und Freiwillige Feuerwehren durch die Corona-Krise zu bringen.

Mehr als 50.000 Anträge wurden bisher ausgezahlt. Im Zuge einer parlamentarischen Anfrage der NEOS über die Auszahlungen in Oberösterreich haben sich nun Hinweise ergeben, dass der NPO-Fonds Zahlungen an Organisationen geleistet hat, die möglicherweise als Teilorganisationen der ÖVP anzusehen sind.

Parteiorganisation laut Gesetz nicht förderwürdig

Neben mehreren vergleichsweise geringen Auszahlungen (unter 11.000 Euro) an den oberösterreichischen Wirtschaftsbund, Bauernbund, die Schülerunion, die Junge Volkspartei, aber auch den Ring Freiheitlicher Jugend, sticht in der Anfragebeantwortung vor allem der Geldfluss an den Oberösterreichischen Seniorenbund und seine Ortsgruppen ins Auge: Exakt 1.915.194,14 Euro sind für den Auszahlungszeitraum Juli 2020 bis März 2022 vermerkt.

Der Seniorenbund sticht in der Liste hervor

Im digitalen Antragsformular müssen die Organisationen ausdrücklich bestätigen, dass "kein Ausschlussgrund" gemäß NPO-Fonds-Richtlinienverordnung vorliegt. Dort ist festgehalten, dass politische Parteien nach Paragraf 2 Ziffer 1 des Parteiengesetzes nicht förderungsfähig sind. Das Parteiengesetz definiert dort "politische Parteien" recht umfassend und inkludiert alle Landes-, Bezirks- und Gemeindeorganisationen sowie alle "nach thematischen Kriterien oder solchen der Interessenvertretung definierten Teilorganisationen".

Doppelexistenz in Oberösterreich

Der oberösterreichische Seniorenbund argumentiert nun, dass er die Förderung nicht als Parteiorganisation beantragt habe, sondern für seinen gleichnamigen Verein. Laut Landesgeschäftsführer Franz Ebner führt der Seniorenbund in Oberösterreich (wie auch in anderen Bundesländern) nämlich eine Doppelexistenz als Teilorganisation der ÖVP und als gemeinnütziger Verein. Ebner betont, dass es eine strikte finanzielle Trennung zwischen beiden Organisationen gebe. Allerdings räumt er auch ein, dass Parteiorganisation und Verein weitgehend ident sind: Obmann ist in beiden Fällen Ex-Landeshauptmann Josef Pühringer, Geschäftsführer ist in beiden Fällen er selbst (bezahlt übrigens vom Verein und nicht von der Partei) und auch die Mitglieder sind demnach weitgehend deckungsgleich. Pühringer betont im OÖN-Interview, dass man "nichts widerrechtlich verwendet" habe. 

Einnahmeausfälle wegen Corona

Dass der Seniorenbund mit der Förderung eine Gesetzeslücke ausgenützt hat, weist Ebner dennoch zurück. "Das sehe ich nicht so, denn es gibt zwei Organisationen." Außerdem habe das Sozialministerium dem Seniorenrat empfohlen, Einnahmenausfälle in der Corona-Krise über den NPO-Fonds abzufedern. Und im Seniorenrat sitze eben auch der Seniorenbund. Einnahmenausfälle gab es etwa, weil man den jährlichen Seniorenball zweimal nicht organisieren konnte, betont Ebner. Einer Prüfung sehe er gelassen entgegen, weil die Anträge gemeinsam mit den Steuerberatern korrekt eingebracht worden seien und es "strikt getrennte Kassen" zwischen Partei und Verein gebe.

Ministerium: Keine Empfehlung, nur Information

Die Formulierung, das Sozialministerium habe dem Seniorenbund empfohlen, weist man dort zurück. Das Schreiben, auf das sich auch der Seniorenbund bezieht, sei "an den Österreichischen Seniorenrat als überparteiliche Organisation" ergangen um "grundsätzlich über Fördermöglichkeiten zu informieren". Man betont, dass es "zu keinem Zeitpunkt eine Förderzusage". Es liege in der "Verantwortung der einreichenden Organisationen" selbst sicherzustellen, dass "alle Förderkriterien und -vereinbarungen eingehalten" werden. 

Die Anfrage und die Beantwortung zum Download: 

Förderbank mit Nachprüfung beauftragt

In Koglers Ressort hegt man nach den Hinweisen nun jedenfalls Zweifel, ob die Förderungen an den Seniorenbund rechtmäßig waren: Das Ministerium hat die Förderbank des Bundes AWS, über die der Fonds abgewickelt wird, mit einer Nachprüfung beauftragt. Demnach soll österreichweit bei sämtlichen Organisationen, wo es solche Anhaltspunkte gibt, geklärt werden, ob es sich um eine Teilorganisationen einer Partei im Sinne des Parteiengesetzes handelt.

Als Konsequenz müssten gewährte Förderungen zurückgezahlt werden. Wie es im Antragsformular außerdem heißt, können "unvollständige oder falsche Angaben" auch zu strafrechtlichen Folgen und einem "mehrjährigen Ausschluss von allen Förderungen des Bundes" führen.

Für die Neos ist das Ergebnis der Anfrage vor allem eines: "Der Beweis, dass diese Verhalten System hat", so Landessprecher Felix Eypeltauer. Denn dass der Seniorenbund überhaupt Förderungen in dieser Höhe beantragt hat und auch andere VP-Teilorganisationen aus dem Fonds gefördert wurden, zeige "die Haltung, wie man mit Steuergeld umgeht". Das Argument, der Seniorenbund sei auch ein Verein und nicht nur Partei-Teilorganisation, kann Eypeltauer nichts abgewinnen: "Wem nützen denn die Veranstaltungen, die der Seniorenbund macht? Die Arbeit einer Teilorganisation ist immer Parteiarbeit." Zu einem ähnlichen Schluss ist auch der Unabhängige Parteien-Transparenz-Senat 2018 in einer ähnlichen Causa in Niederösterreich gekommen.

Die Neos wollen das Ergebnis der Anfrage nun zum Anlass nehmen, sich das Thema bundesweit anzusehen. Auch die anderen Parteien fordern Konsequenzen.  

 

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