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Landespolitik

"Einschnitte sind beachtlich"

Von Barbara Eidenberger  10. November 2020 00:04 Uhr

WHO warnt vor Überlastungen der Krankenhäuser

LINZ. Die Krankenhäuser in Oberösterreich kommen an ihre Belastungsgrenze: "Ungestörte Routineversorgung ist unmöglich"

Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, werden in Oberösterreichs Spitälern weitere 50 Betten zu Intensivbetten umgebaut. Damit stehen insgesamt 300 Plätze zur Verfügung, die Hälfte davon ist für Covid-Patienten reserviert. Mit Stand gestern waren 98 davon belegt (plus sieben im Vergleich zum Vortag). Die Zahl der Covid-Patienten im Spital ist von 694 auf 740 gestiegen.

Es sei bereits absehbar, dass das System bis an die Grenzen belastet werde, waren sich Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Kepler Uniklinikum (KUK), und Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am KUK, einig. Es sei unmöglich, eine ungestörte Routineversorgung zu leisten und daneben die Covid-Patienten zu versorgen, so die beiden Mediziner im gestrigen JKU-Corona-Update mit Rektor Meinhard Lukas.

Sieben Covid-Stationen

"So etwas gab es bisher nicht, das ist die größte Herausforderung für das Gesundheitssystem seit dem Zweiten Weltkrieg", warnte Lamprecht eindringlich davor, die Situation zu unterschätzen. Waren im Frühjahr zwei Normal-Stationen für Covid-Patienten ausreichend, so gibt es mittlerweile sieben im KUK. Zwei Intensivstationen sind zur Gänze, eine zur Hälfte gefüllt. Neben den Betten sei vor allem das Personal begrenzt. Auch deshalb, weil Covid-Patienten einen höheren Versorgungsbedarf hätten, erklärte Lamprecht: "Es werden 50 Prozent mehr diplomierte Pflegekräfte benötigt."

"Von Triage noch weit entfernt"

Zwar würden Teams aus Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gebildet, und der Einsatz sei groß, aber, so Meier: "Das kann nicht beliebig erweitert werden." Damit sei nun notwendig, mit weniger Personen und schlechterer technischer Ausstattung mehr Patienten zu versorgen. Von einer "beinharten Triage wie in der Katastrophenmedizin" sei man noch weit entfernt: "Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das verhindern können, wenn die Lockdown-Maßnahmen nicht greifen." Zeigen die Maßnahmen Wirkung, hätte man die Chance, mit einem "blauen Auge" davonzukommen. Fest stehe auch, so Lamprecht, dass die extrem gute Ausgangslage – viele Betten und ein gut aufgestelltes Gesundheitssystem – geholfen habe: "Sonst wären wir schon jetzt an der Kapazitätsgrenze." Zwar seien dringende und onkologische Eingriffe noch möglich, sagte Lamprecht: "Die Einschnitte sind aber beachtlich." Planbare Eingriffe werden bereits verschoben. Eine unangenehme Situation für Betroffene, gibt Meier zu bedenken: "Einen Grund für den Eingriff gibt es ja trotzdem." Für Verharmlosungen oder den vielfach gezogenen Vergleich mit der Influenza hat Lamprecht kein Verständnis: "Der wesentlichste Unterschied ist, dass eine Influenza-Epidemie vom System gut weggesteckt wird. Das ist jetzt gänzlich anders."

"Alle Altersgruppen"

Gleiches gelte für die Annahme, eine schwere Covid-Erkrankung könne nur ältere Menschen mit Vorerkrankungen treffen: "Auf der Intensivstation haben wir alle Altersgruppen, mit und ohne Vorerkrankungen." Mehr als die Hälfte der Covid-Patienten würde die Intensivstation überleben, sagt Meier: "Das sind aber hohe Mortalitätsraten."

Die Infektionszahlen in Oberösterreich entspannten sich gestern etwas: 1489 Neuinfektionen wurden verzeichnet, ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Tagen davor. Für zehn Menschen endete die Covid-Erkrankung tödlich.

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Barbara Eidenberger

Redakteurin Innenpolitik

Barbara Eidenberger
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