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Landespolitik

75 Priester wenden sich in Brief gegen die Strukturreform der Diözese Linz

Von René Laglstorfer 17. Juni 2019 00:04 Uhr

75 Priester wenden sich in Brief gegen die Strukturreform der Diözese Linz
So gut gefüllt, wie der Mariendom bei der Friedenswallfahrt im Vorjahr war, sind Kirchen nur noch selten.

Konservativer Klerus befürchtet "Entmachtung", die Kirche will alle Ängste ernst nehmen.

Angesichts des Priestermangels plant die Diözese Linz, wie berichtet, eine tiefgreifende Strukturreform: Aus den aktuellen 39 Dekanaten und 487 Pfarren sollen 35 Großpfarren mit 487 Pfarrgemeinden werden. Einer der Vorteile der ersten Etappe des "Zukunftswegs": Nur eine Pfarre muss laut Kirchenrecht zwingend von einem Pfarrer geleitet werden. Die vielen "neuen" Pfarrgemeinden könnten künftig auch von Laien-Seelsorgern geführt werden und damit die immer weniger werdenden Priester entlasten.

Um die Kirchenbasis von dem weitreichenden Vorhaben zu überzeugen, finden rund 70 sogenannte "Resonanztreffen" in ganz Oberösterreich statt. Doch mitten in diesem Diskussionsprozess regt sich Widerstand unter der oberösterreichischen Priesterschaft. Mindestens 75 von rund 660 Priestern in Oberösterreich haben bereits ihren Namen auf eine Unterschriftenliste gesetzt, um in einem gemeinsamen Brief ihre Bedenken zur geplanten Reform der Diözese Linz zu bündeln – darunter ist auch die Sorge, dass die neue Struktur den "Glaubensschwund" in der Gesellschaft beschleunige.

Einer der wenigen Unterzeichner, die sich dazu öffentlich äußern wollen, ist der als erzkonservativ bekannte Pfarrer von Windischgarsten, Gerhard Wagner. Er sieht wie viele seiner Kollegen in der Strukturreform eine Umgehung des Kirchenrechts und keine Entlastung der Priester, sondern eine "Entlassung" bzw. "Entmachtung". "Es ist der Eindruck da, man braucht keinen Pfarrer mehr – weil die Laien können das eh genauso gut oder besser. Eine Pfarre muss von einem geweihten Priester geleitet werden", sagt Wagner. Für ihn wäre eine Alternative zur Strukturreform, mehr ausländische Priester nach Oberösterreich zu holen.

Der Leiter der Arbeitsgruppe "Zeitgemäße Strukturen" bei der Diözese Linz, Generaldechant Slawomir Dadas, hat den Brief der Reform-Gegner bereits gelesen – offiziell mit den Unterschriften an die Diözese übergeben wurde das Schreiben jedoch noch nicht. Für die Bedenken der Kritiker zeigt Dadas viel Verständnis, er sieht darin jedoch eine grundsätzliche Angst vor der Zukunft. "Wir suchen das Gespräch mit den Gegnern der Reform. Die meisten von ihnen waren auch bei den Priester-Resonanztreffen. Das Problem ist, dass sich dabei viele nicht äußern."

Eine Umgehung des Kirchenrechts, wie von den Kritikern in den Raum gestellt, sei jedenfalls nicht geplant, sagt Dadas, der auch Pfarrer und Dechant in Wels ist. "Aber wir wollen schauen, wo die Grenzen des Kirchenrechts sind, und auch dorthin gehen." Zur Sorge, dass mit der Strukturreform auch eine "Entmachtung" der Priester einhergehe, sagt Dadas: "Wenn nun jemand von Macht und Entmachtung der Priester spricht, dann dürften wir auch den Gründonnerstag mit der Fußwaschung nicht mehr feiern – denn wir Priester sollen Diener und nicht Mächtige sein." Noch mehr ausländische Priester ins Land zu holen, sei jedenfalls keine langfristige Lösung.

Entweder im November oder spätestens im Frühjahr 2020 soll die neue Struktur der Diözese Linz beim Kirchenvolk eine "größtmögliche Mehrheit", wie es Bischof Manfred Scheuer formuliert, von 80 bis 90 Prozent finden. "Aber die Reform ist kein Dogma, sondern ein offenes Modell, bei dem wir alle Ängste ernst nehmen", sagt Dadas.

Frühestens im Herbst 2020 sollen dann Pilotprojekte starten, die bis zu zwei Jahre dauern können. Erst danach soll die Strukturreform in den ersten Regionen Oberösterreichs umgesetzt werden.

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