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Innenpolitik

Zwei Erfolge, die unterschiedlicher kaum sein könnten

27. Mai 2019 00:04 Uhr

Zwei Erfolge, die unterschiedlicher kaum sein könnten
Listenzweite Wiener, Kogler (APA)

WIEN. Türkise Wahlkampfmaschinerie und grüne Sparvariante zogen am besten, blaue "Jetzt erst recht"-Strategie im Finale ging auf.

Zwei klare Wahlsieger brachte der gestrige Abend. Es sind zwei Triumphe, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Die ÖVP hat mit Einsatz einer groß angelegten und minutiös durchgetakteten Wahlkampfmaschinerie trotz der im Finale alles überschattenden Regierungskrise ihr bestes EU-Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Die Grünen dagegen haben ohne nennenswertes Budget, aber mit einem beherzten Wahlkampf ein starkes Lebenszeichen abgegeben.

Ohne Zweifel hatten die innenpolitischen Ereignisse der vergangenen Tage großen Einfluss auf das Ergebnis: Jeder zweite ÖVP-Wähler wollte laut Wahltagsbefragung von Sora und Peter Hajek mit dem Kreuz bei den Türkisen "ein innenpolitisches Zeichen setzen" – sprich Kurz den Rücken stärken. Was nichts am heute bevorstehenden Misstrauensvotum ändern dürfte (siehe Seite 3). Gestern war Kurz aber noch zum Feiern zumute: Er sei "fast sprachlos" ob des "fulminanten" Erfolgs, sagte er bei seiner Dankesrede vor der VP-Zentrale. Die türkisen Spitzenkandidaten, Othmar Karas und Karoline Edtstadler, waren gestern nur die zweiten Sieger. Neben der innenpolitischen Komponente hat die ÖVP aber auch von Kurz’ Strategie des internen Vorzugsstimmenwahlkampfs profitiert.

Nicht sprachlos, aber doch um Worte verlegen zeigte sich der Grüne Wahlsieger Werner Kogler bei seinem ersten Auftritt vor zunächst gerade einmal 100 Anhängern im Wiener "Metropol". Seine Dankesrede verschob er gleich einmal "auf nach 23 Uhr". Und noch schwerer tat er sich mit der Frage, die ob des zweitbesten Grünen-Bundesergebnisses unweigerlich auftauchte: jener, ob er das EU-Mandat annehme oder doch in den Nationalratswahlkampf ziehe. Eigentlich sei sein Ziel "ins EU-Parlament einzuziehen", aber er trage als Bundessprecher auch eine Verantwortung, so Kogler.

Video: So reagierte Kogler auf den Wahlerfolg

Möglich sei eine "Teamlösung", entscheiden wollen die Grünen in den nächsten Tagen. Hilfestellung könnte die Motivforschung liefern: Nur für drei Prozent der Grün-Wähler war Kogler Hauptgrund für die Wahlentscheidung, er liegt hier hinter allen anderen Spitzenkandidaten. Keiner anderen Wählergruppe waren Inhalte ihrer Partei so wichtig: 47 Prozent der Grün-Wähler nannten dies als Hauptgrund – und das Klimathema war lange wahlkampfdominierend.

Zeichen der FP-Wähler

Ambivalent ist das Ergebnis der FPÖ: Das Minus ist in Anbetracht der Turbulenzen samt Rücktritt von FP-Chef Heinz-Christian Strache und Rauswurf aus der Regierung geringer, als zu erwarten war.

Die FPÖ hat es geschafft, ihre Stammwählerschaft auch bei dieser Wahl zu mobilisieren. Und aufgegangen ist die "Jetzt erst recht"-Strategie: Für 83 Prozent der FP-Wähler war es wichtig, ein "innenpolitisches Zeichen" zu setzen.

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