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Innenpolitik

„Zeitenwandel im Gesundheitswesen“

Von Christoph Kotanko 17. August 2019 00:04 Uhr

WIEN. Sozialministerin Brigitte Zarfl über die Digitalisierung der Versorgung und Systemmängel.

Seit 3. Juni ist Brigitte Zarfl (56) Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. Zuvor war die SP-nahe Ernährungswissenschafterin Sektionsleiterin. Mit den OÖN sprach sie über ihre aktuellen Vorhaben. Nach ihrer Zeit als Politikerin will Zarfl wieder als Beamtin arbeiten.

OÖNachrichten: Frau Ministerin, wie fühlen Sie sich beim Rollenwechsel von der Beamtin zur Politikerin?

Brigitte Zarfl: Dieses Ministerium ist ein höchst spannendes Haus, auch in der Kombination der vielen Bereiche, die ineinanderwirken. Die Arbeit mit meinen Themen – vom Arbeitsmarkt bis zu Gesundheit, Pflege und Pensionen – macht mir große Freude.

Sie sprechen die Pensionen an. Wird in Ihrer Amtszeit die gesetzlich vorgesehene Pensionskommission, die bisher nicht handlungsfähig war, zusammentreten?

Ich gehe davon aus, ja. Zuerst muss die Zusammensetzung der Kommission geklärt werden. Der Nationalrat hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Beamtenregierung im November die Gutachten über die Entwicklung aller Pensionen in den nächsten fünf Jahren und über die langfristige Entwicklung bei den Beamtenpensionen vorlegen soll. Ich werde mich sehr bemühen, dieser Erwartung zu entsprechen.

Eine große Herausforderung ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Was steht hier vor der Umsetzung?

Wir haben in den vergangenen zehn Jahren zwei Meilensteine gesetzt, damit sind wir in der EU in der Spitzengruppe. Das eine war die e-card als Schlüsselkarte zum Verbund von Gesundheitsdaten. Das andere war ELGA, die elektronische Gesundheitsakte. Das wurde 2015 gestartet. Nun können wir beginnen, Einzelapplikationen im niedergelassenen und im stationären Bereich sowie in den Apotheken auszurollen. Jetzt wird gerade die e-Medikation auf den Weg gebracht. Das ist ein Tool, wo zum einen die Ärzte einspeisen, welche Medikamente einem Patienten verschrieben werden; andererseits können die Apotheker an der Datenschnittstelle ablesen, was verschrieben wurde. Zudem kann der Patient oder die Patientin via ELGA anschauen, was er bereits bekommen hat.

Was kommt bis Jahresende?

Die Verwirklichung der e-Medikation ist in der Schlussphase. Wir werden im September die letzten Kassen-Ordinationen anschließen. Das gilt bundesweit, betrifft aber vor allem Wien, wo es die meisten niedergelassenen Ärzte gibt. Dafür wird bis November eine Förderung bis zu 1314 Euro ausbezahlt, damit die Investitionen der Ärzte abgegolten werden.

Wie groß wird österreichweit die Abdeckung mit diesem System sein? Die Ärztekammer beklagt ja die angebliche Unzuverlässigkeit der e-Medikation und spricht von „Frust und Beunruhigung“ in der Ärzteschaft.

Es gab tatsächlich einige unangenehme Systemmängel, wie sie beim besten Willen in einem so komplexen System nicht zu vermeiden sind. Aber wir sind in einem Zeitenwandel. ELGA ist die Basis, auf der in Zukunft alle Anwendungen aufgebaut werden. Wir gehen davon aus, dass wir bereits in der ersten Phase der e-Medikation 80 Prozent der niedergelassenen Kassenärzte erreichen.

Warum „nur“ 80 Prozent?

Wir haben hier verschiedene Systempartner und Software-Lösungen. Wir wollen nicht einseitig ein mögliches System aufzwingen. Wir versuchen also mit unseren Systempartnern, möglichst gute Verbindungen zu bestehender Software aufzubauen. Aber es gibt eben noch nicht bei allen Ärzten bzw. bei deren Software-Produkten diese ausgereiften, sicheren Lösungen. Trotzdem beträgt die Systemverfügbarkeit von ELGA 99,7 Prozent.

Als Patient könnte man die Teilnahme an ELGA verweigern. Wie viele Sozialversicherte haben davon bisher Gebrauch gemacht?

Seit der Inbetriebnahme von ELGA waren es 3,3 Prozent. Es ist hier wie beim E-Banking. Einige Leute haben das auch gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Heute weiß man: Die Systeme sind sicher, sie bieten allen Komfort und entwickeln sich weiter – ob es einzelne Kunden wollen oder nicht. Genauso ist es bei der elektronischen Gesundheitsakte: Die Entscheidung, dass wir mit diesem Zug fahren und in ganz Österreich die Schienen ausbauen, die ist längst getroffen.

Gesundheit digital

Die e-Medikation ist eine Anwendung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Von Ärzten verordnete und in der Apotheke abgegebene Medikamente werden in Form einer e-Medikationsliste für ein Jahr in ELGA verfügbar gemacht. Die Sozialversicherten können über das ELGA-Portal ihre e-Medikationsliste einsehen. In diesem Verzeichnis sehen sie sowohl ihre verschriebenen und in der Apotheke bereits abgeholten Medikamente als auch die noch offenen Rezepte. Alle Einträge, die älter als ein Jahr sind, werden automatisch aus der Medikationsliste entfernt.

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Christoph Kotanko

Redakteur Innenpolitik

Christoph Kotanko
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