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Innenpolitik

Wirtschaft und Länder für Lockerungen - Virologe: "Das geht sich nicht aus"

Von Alexander Zens  01. März 2021 00:04 Uhr

Wirtschaft und Länder für Lockerungen Virologe: "Das geht sich nicht aus"
Tag der Entscheidung: Vizekanzler Kogler (l.), Kanzler Kurz, Minister Anschober

WIEN. Heute berät die Regierung – wegen hoher Zahlen sind nur zarte Öffnungen wahrscheinlich.

"Aus wissenschaftlicher Sicht ist klar: Weitere Lockerungen gehen sich nicht aus", sagte Andreas Bergthaler am Sonntag im OÖN-Gespräch. Der in Gmunden aufgewachsene Virologe der Akademie der Wissenschaften nimmt heute an den Beratungen der Bundesregierung im Kanzleramt teil, bei denen es um mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen geht. Weitere Experten sind etwa Oswald Wagner und Eva Schernhammer von der MedUni Wien und Dorothee von Laer von der MedUni Innsbruck. Der Trend bei den Fallzahlen spreche dagegen, sagte Bergthaler: „Das ursprüngliche Ziel war ein Inzidenzwert von 50, jetzt sind wir bei rund 160.“

Das viele Testen ist ein Grund für die gestiegenen Fallzahlen. Der Altersschnitt der Infizierten ist im Vergleich zum Herbst gesunken, die Lage in den Spitälern derzeit stabil. Darauf verweisen Befürworter von Öffnungsschritten in der Gastronomie, Hotellerie, im Sport und in der Kultur. Die Wirtschaftskammer drängte auch am Sonntag auf Öffnungen unter Auflagen, also mit Zutrittstests. „Wir rechnen damit, dass am 15. März Öffnungsschritte passieren“, sagte Generalsekretär Karlheinz Kopf. Ähnliches hatten die VP-Landeshauptleute von Oberösterreich und Niederösterreich, Thomas Stelzer („rasch stufenweises Öffnen“) und Johanna Mikl-Leitner, gefordert. Der Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SP) verlangte, Schanigärten in zwei Wochen aufzusperren.

Bergthaler sagte angesichts vieler Tests, besserer Altersstruktur und stabilen Spitälern jedoch: „Das sollte uns nicht in Sicherheit wiegen. Die Gefahr eines starken exponentiellen Wachstums in den nächsten Wochen ist wegen der Virusmutationen groß.“ Das würde „unsere Ausgangsposition für den Sommer verschlechtern“. Wenn trotz allem Öffnungsschritte, dann höchstens gezielt in einem Bereich mit gleichzeitigen Verschärfungen, wie es bei den Schulen gemacht wurde, so Bergthaler. Generell würde „es Sinn ergeben, noch stärker Maßnahmen regional zu setzen.“ Die entscheidenden Kennzahlen der nächsten Wochen seien die Inzidenz und die Durchimpfungsrate. „Man könnte sich etwa in einem Monat ansehen, ob Öffnungen möglich sind“, sagte Bergthaler. SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner warnte ebenfalls vor Öffnungsschritten: „Ich will keine Situation, wie wir sie im November hatten.“

Höchste Inzidenz bei Jungen

Die Regierung legte sich gestern nicht fest. Realistisch sei, Gastronomie, Hotellerie und Kultur statt baldiger Öffnungen eine Perspektive für Ende März bzw. Ostern zu geben, hieß es aus Koalitionskreisen. Aber wie immer ist es auch möglich, dass bei den heutigen Gesprächen eine Dynamik entsteht. Zumindest beim Vereinssport für Kinder und Jugendliche an der frischen Luft könnte es Lockerungsschritte geben, da diese in den Schulen regelmäßig getestet werden. Sportminister Werner Kogler (Grüne) deutete das am Sonntag an.

Laut einer Analyse der Gesundheitsagentur AGES hat die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen die höchste Inzidenz – 170,5 (Kalenderwoche sieben, aktuellere Zahlen gibt es nicht). Damit liegen sie vor den 35- bis 44-Jährigen (157,2), den 25- bis 34-Jährigen (151,9) und den 5- bis 14-Jährigen (150,8). Gestern wurden bundesweit 2123 Neuinfektionen gemeldet – erstmals mehr als 2000 an einem Sonntag heuer. „Besorgniserregend“, sagte dazu Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne).

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Redakteur Politik

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