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Innenpolitik

Tirol-Wahl: Mattle als LH-Kandidat nominiert

Von nachrichten.at/apa   13. Juni 2022 13:09 Uhr

Günther Platter (ÖVP) und Anton Mattle  (ÖVP)

INNSBRUCK. Der Tiroler ÖVP-Landesparteivorstand hat am Montag Wirtschaftslandesrat Anton Mattle einstimmig als Landeshauptmann-Kandidat für die kommende Landtagswahl nominiert.

Die Ära Platter neigt sich dem Ende zu: Der Tiroler ÖVP-Landesparteivorstand nominierte am Montag Wirtschaftslandesrat Anton Mattle einstimmig als Landeshauptmann-Kandidat für die kommende Landtagswahl. Zudem beschloss die ÖVP ebenfalls einhellig, dass früher und nicht wie vorgesehen erst im Frühjahr 2023 gewählt werden soll. LH Günther Platter hatte angekündigt, nach 14 Jahren nicht mehr antreten zu wollen. "Es ist einmal genug", meinte er bewegt.

Analyse: Nachfolge von LH Platter

Der Landeschef bleibt bis zum Herbst. Der einstimmige Beschluss auf Neuwahl betraf kein konkretes Datum. Platter nannte aber bei einer von großem Medieninteresse begleiteten Pressekonferenz in der Villa Blanka in Innsbruck den 25. September als Wunschtermin. Nun gehe man in Gespräche mit den anderen Parteien. Bereits für Montagabend war die erste Unterredung vorgesehen, erfuhr die APA aus ÖVP-Kreisen.

"Jetzt der richtige Zeitpunkt"

Nach Gesprächen mit Familie, Freunden und Weggefährten sei er zum Entschluss gekommen, "dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die richtigen Weichen zu stellen", begründete Platter seinen Abgang mit Herbst. Bis zur Landtagswahl will Platter aber im Amt blieben. Der nächste Landeshauptmann sollte "mindestens fünf Jahre im Amt bleiben. Das ist sich bei mir nicht ausgegangen", führte er die Gründe für sein überraschendes Ausscheiden an, nachdem er noch im Vorjahr seine Kandidatur bekräftigt hatte.

Vor allem nach der Landeshauptleute-Konferenz am Achensee im vergangenen November, bei der die Impfpflicht und ein weiterer Lockdown beschlossen worden waren, sei er mit "Drohungen, sogar mit Morddrohungen gegenüber meinem persönlichen Umfeld" konfrontiert gewesen. Es habe sogar einen Autokorso von Innsbruck nach Zams - Platters Heimatgemeinde - gegeben. "Die Polizei hat alles abgeriegelt", aber dies sei für die Familie belastend gewesen, berichtete Platter. "Mit 68 Jahren tut man sich das nicht mehr an", verdeutlichte der Landeshauptmann seine Entscheidung.

Die vergangenen Monate hätten ihn "nachdenklich gemacht". Man habe gesehen, wie herausfordernd Politik sei. Platter sprach von Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen: "Ich möchte keinen Tag missen. Aber ich möchte den ein oder anderen Tag kein zweites Mal erleben". Platter rekapitulierte einschneidende Ereignisse der vergangenen zwei Corona-Jahre wie das Aus für die Wintersaison oder jenen 15. März 2020, an dem er in einer Videobotschaft Verkehrsbeschränkungen verkündet hatte. Zwei Wochen hatte er daraufhin im Landhaus übernachtet, das Bild der leeren Maria-Theresienstraße vom Balkon aus werde er nie vergessen.

Mattle "der richtige Mann"

Die grünen Personalrochaden oder die ÖVP-Bundesaffären seien nicht ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen. Mattle sei der "richtige Mann zur richtigen Zeit und vor allem "authentisch". Er werde ihn im Wahlkampf tatkräftig unterstützen: "Es braucht Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Stabilität". Darüber hinaus zählte Platter die aus seiner Sicht zahlreichen Erfolge seiner 14 Jahre als Landeshauptmann auf. LH sei seine "schönste Aufgabe" in 36 Jahren Politik gewesen.,

Mattle machte klar, dass er keinesfalls nur ein Übergangslandeshauptmann sein wolle. "Ich setzte das langfristig an", betonte er. Er sei schließlich "bekannt für Kontinuität". "Heute ist ganz ein spezieller Tag. Ich habe Nervosität im Körper", so der ehemalige Bürgermeister von Galtür. Platter sei vor kurzem auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er sich dies vorstellen könne. Dann habe er einige Zeit gebraucht - schließlich sei Landeshauptmann und Landesparteiobmann schon eine "ganz andere Herausforderung" als seine bisherigen. Seine Familie trage seine Entscheidung mit. "Ich bin stolz darauf", meinte der 59-Jährige über seine zukünftige Aufgabe. Eine Umbildung des Regierungsteams werde es bis zu Wahl nicht geben. Es sei auch niemand auf ihn zugekommen und habe gesagt, dass er oder sie aufhören wolle.

Walser und Hörl sollen unzufrieden sein

Auf Koalitionsspekulationen für die Zeit nach der Wahl wollte er sich nicht einlassen. Mattle schloss keine Partei aus. Ebenso wollte sich der Wirtschaftslandesrat und Wirtschaftsbündler auf keine "Latte" hinsichtlich des Wahlergebnisses festlegen. Für den 9. Juli hat man einen Landesparteitag in Alpbach angesetzt, an dem der Oberländer zum Obmann gewählt werden soll.

Nach außen hin erfolgte die Rochade Platter-Mattle einhellig. Doch soll Wirtschaftskammerchef Christoph Walser, dem Ambitionen auf die Platter-Nachfolge nachgesagt werden, sauer über Platters Vorgangsweise gewesen sein. Er war für die APA vorerst nicht erreichbar. Auch Wirtschaftsbundchef Abg. Franz Hörl soll sich massiv geärgert haben. Gegenüber der APA stritt er dies aber ab.

Sehr zufrieden war Staatssekretär Florian Tursky, der ehemalige Büroleiter Platters. "LH Günther Platter hat die richtige Vorgangsweise gewählt und damit die Weichen für Tirols Zukunft gestellt. Toni Mattle ist der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er hat in seiner Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass er die nötige Erfahrung, das politische Gespür und vor allem Durchsetzungsstärke hat, um großes für das Land Tirol zu leisten", so Tursky zur APA.

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