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Innenpolitik

Patientenanwälte: "Nur die Spitze des Eisbergs"

03. Juni 2020 00:04 Uhr

Patientenanwälte: "Nur die Spitze des Eisbergs"
Lehren aus der Pandemie ziehen (cbx)

LINZ/KLAGENFURT. Wegen Corona-Einschränkungen kam es zu Problemen für Nicht-Corona-Patienten und Heimbewohner.

Nachdem laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation, wie berichtet, die Corona-Pandemie die Versorgung von anderweitig Erkrankten weltweit beeinträchtigt hat, weist die Kärntner Patientenanwältin Angelika Schiwek auf konkrete Probleme hin. Das Aufnahmesystem der Spitäler ist zum Schutz vor dem Virus auf Akutfälle beschränkt worden. Bei der Frage, was ein Akutfall sei, habe es aber "Fehleinschätzungen" gegeben, sagte Schiwek in Ö1.

In manchen Fällen hätten hartnäckige Patienten und die Patientenanwaltschaft gerade noch Gesundheitsschäden verhindert, in anderen Fällen seien Schäden eingetreten. Schiwek berichtete etwa von einem Patienten mit Herzinfarktsymptomen und auffälligen Blutwerten, der wieder heimgeschickt worden wäre, und einer Person mit 70-prozentigem Prostatakrebsverdacht, bei der eine Biopsie nicht durchgeführt werden sollte. Die Fälle, die bei der Patientenanwaltschaft aufschlagen, seien nur die "Spitze des Eisbergs", vermutet Schiwek.

Oberösterreich: Weniger drastisch

Auch Oberösterreichs Patientenanwalt Michael Wall geht im OÖN-Gespräch von einer gewissen Dunkelziffer aus – sowohl was nicht durchgeführte Behandlungen betrifft als auch Erkrankte, die trotz Beschwerden nicht zum Arzt gegangen sind. Die Zahl der Interventionen der Patientenanwaltschaft in Oberösterreich ist laut Wall nur im niedrigen einstelligen Bereich gelegen. So drastische Fälle wie in Kärnten habe er nicht wahrgenommen. Vieles werde in den Informations- und Beschwerdestellen der Krankenanstalten geklärt und komme nicht zur Patientenanwaltschaft. Die größten Herausforderungen sah Wall bei der Behandlung von chronisch Kranken und wegen der sozialen Folgen der Besuchsverbote in Spitälern und Heimen. Aus Letzteren sei die Zahl der Beschwerden in der Corona-Zeit drei Mal so hoch gewesen wie sonst in einem ganzen Jahr (15 statt fünf), viele schreckten vor einer Beschwerde beim Patientenanwalt aber zurück. Wall betont, dass man bei den Besuchsverboten "früher alternative Maßnahmen" in Betracht hätte ziehen können.

Wie berichtet, wurden in Oberösterreich die Besuchsverbote in Heimen seit Mai gelockert. Ab Freitag werden wieder Besuche in Spitälern unter Auflagen möglich. Die Krankenhäuser werden seit Mai in den Normalbetrieb hochgefahren.

Generell gelte es, Lehren für eine allfällige zweite Welle bzw. künftige Pandemie zu ziehen, heißt es bei den Patientenanwaltschaften. (az)

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