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Innenpolitik

Massentests: Kurz zieht positive Zwischenbilanz

Von nachrichten.at/apa   05. Dezember 2020 14:12 Uhr

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)

WIEN. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich mit dem bisherigen Verlauf der Corona-Massentests zufrieden gezeigt.

Dass es teils technische Probleme gab, habe ihn nicht überrascht, meinte der Regierungschef in der Sonder-ZiB des ORF Freitagabend angesichts der Dimension des Projekts. Es sei letztlich überall gelungen, die Tests so abzuwickeln, dass die Teilnehmer nicht beeinträchtigt gewesen seien.

Seltenes Sonderlob des Kanzlers gab es für Wien, wo als Millionenstadt die Organisation schwieriger sei, es aber "großartig funktioniert" habe. Gewürdigt wurde freilich auch, dass es in Vorarlberg, das die Tests mehr oder weniger eigenständig organisiert, überhaupt keine Probleme gegeben habe. Versichert wurde von Kurz, dass es nicht der letzte Test gewesen sein wird. Der Kanzler deutete eine Wiederholung an, ohne sich auf ein Datum festlegen zu wollen.

Auch spezifische Testungen für Gruppen, die viele Kontakte haben wie Schulpersonal, stellte der Kanzler in den Raum. Als "ordentliche Beteiligung" bezifferte Kurz ein Drittel, besser wären aber mehr Teilnehmer. Verbesserungsbedarf sieht der Kanzler bei der Gruppe der Älteren. Bei den Über-85-Jährigen gebe es eine doppelt so hohe Fallinzidenz wie bei der Gesamtbevölkerung. Hier sei es zu Einschleppungen in Pflegeheimen gekommen.

Video: Gespräch mit ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz anlässlich des Starts der Corona-Massentests.

Tanner zufrieden: Tests laufen gut

Auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat sich am Samstag über den bisherigen Verlauf der Corona-Massentests zufrieden gezeigt. "Ich bin froh bestätigen zu können, dass die Tests gut laufen", sagte sie in einer Aussendung. "Rund 200.000 Menschen haben sich bereits testen lassen und bei hunderten Menschen hat der Antigen-Test positiv angeschlagen." Unterdessen wies die Apothekerkammer darauf hin, dass die Apotheker die Massentests unterstützen.  "Nachdem es sich dabei um Schnelltests handelt, werden sie mittels PCR-Test erneut getestet. Laut Experten ist davon auszugehen, dass bei rund einem Drittel bis zur Hälfte der positiven Ersttests Entwarnung gegeben werden kann", erläuterte die Verteidigungsministerin.

"Wir konnten so bereits etliche Menschen rechtzeitig in Isolation schicken, die ohne diese Massentests nicht gewusst hätten, dass sie positiv sind. Damit wurden an einem Tag bereits hunderte Infektionsketten unterbrochen", zeigte sich Tanner überzeugt. Laut Apothekerkammer haben einerseits einige Bundesländer die Apotheker um Hilfe ersucht. Andererseits haben sich die Pharmazeuten von sich aus zu einem Einsatz bei diesem Testprogramm gemeldet. Die Hauptaufgabe werde das Abnehmen der Proben für die Tests sein, hieß es in einer Aussendung der Apothekerkammer. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass auch in den Apotheken Antigen-Schnelltests angeboten werden. Möglich ist dies - kostenpflichtig - in rund 150 spezialisierten Apotheken im ganzen Land.

Hälfte der Positiven könnte doch noch negativ werden

Viele der bei den Corona-Massentests positiv Getesteten dürften schon bald aufatmen können. Denn wie Med Uni Wien-Vizerektor Oswald Wagner Samstag früh im Gespräch mit der APA ausführte, könnten bis zu 50 Prozent von ihnen mittels des genaueren PCR-Tests wieder entlastet werden. Dennoch hält er die Schnelltests für absolut sinnvoll und tritt nicht nur für eine Wiederholung ein sondern will die Teilnahme über Vergünstigungen erhöhen. 

Wagner verweist auch auf den US-Starvirologen Anthony Fauci, der eine Lanze für Schnelltests gebrochen hatte, indem er meinte, man möge das Perfekte, also den PCR-Test, nicht den Feind des Guten, nämlich des Schnelltests, sein lassen. Denn die Geschwindigkeit sei noch wichtiger als die Sensitivität, um infektiöse Personen rasch isolieren zu können, findet Wagner, Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Sehr dafür sei er aber, dass mittels PCR nachgetestet werde.

Das hat seinen guten Grund. Denn wie Wagner betont, könne bei den aktuell niedrigen Fallzahlen in vielleicht bis zur Hälfte der Fälle nach einem ursprünglich positiven Test Entwarnung gegeben werden. Was die so genannten falsch negativen Schnelltests angeht, verweist er darauf, dass diese in den meisten Fällen bei jenen Personen nicht anschlagen, die die Infektion bereits hinter sich haben bzw. nicht mehr ansteckend sind. Einzelne infektiöse Personen werde man aber übersehen, konzediert der Vizerektor, der jedoch davon ausgeht, dass 90 Prozent der Fälle mit den Schnelltests erkannt werden.

Wiederholung wäre wichtig

Ideal wäre für Wagner, wenn die Tests wiederholt werden, wie dies von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Vorabend auch zugesichert worden war. Der Experte setzt hier auf die von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner am Freitag ins Spiel gebrachten Heimtests, die vermutlich bis Jänner auf den Markt kommen werden. Sie können selbst abgenommen werden, da es sich um Speichelproben oder solche vom vorderen Teil der Nase handelt.

Wichtig ist für Wagner, dass möglichst alle Österreicher an diesen Testungen teilnehmen. Bei weiteren Testläufen wäre es aus seiner Sicht sinnvoll "Vergünstigungen" anzubieten, um die Beteiligung zu erhöhen. Dass dies auch gewisse Restriktionen für jene meinen könnte, die nicht teilnehmen, bejahte Wagner auf Nachfrage.

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